Hochsprung ohne Sprung und Olympiasieg mit Schock

Noch 5 Tage bis zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin. Kein Wunder, dass an zwei Tagen hintereinander der Tagesspiegel über zwei deutsche Hochspringerinnen schreibt: Ulrike Meyfahrt und Ariane Friedrich. Ulrike Meyfarth hat 1972 mit 16 Jahren 1,92 Meter übersprungen und die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in München gewonnen. Ariane Friedrich ist heute 25 Jahre alt und hat 2,06 Meter übersprungen. Das haben nur drei Frauen bisher geschafft. Beide deutsche Ausnahme-Athletinnen haben dem Tagesspiegel Erstaunliches erzählt.

Was mich daran fasziniert: Hier werden Geheimnisse gelüftet, die man sich nicht vorstellen kann, wenn man den Beruf der Hochspringerin und den glorreichen Sieg nicht kennt. Und so ist es mit jedem Beruf: Immer anders, als man denkt.

Olympische Spiele München 1972. Mit 16 Jahren kommt Ulrike Meyfarth unerwartet ins Hochsprung-Finale. Sie springt zum ersten Mal 1,92 Meter und gewinnt die Goldmedaille. Sie stellt dabei sogar den Weltrekord ein und wird die jüngste Einzelolympiasiegerin der Leichtathletikgeschichte. 1984 gewinnt sie – als dann älteste Hochsprung-Olympiasiegerin der Geschichte – in Los Angeles noch eine zweite Goldmedaille. Nach dem Sieg in München begann eine sportliche Krise. Ihre Bestleistung konnte sie bis 1978 nicht steigern. Warum?

Der Tagesspiegel vom 11.08.2009 schreibt, dass direkt nach dem überraschenden Sieg für sie eine merkwürdige Phase der Verunsicherung begann. Sie sagt: „Ich war monatelang in einem Schockzustand.“ Erst 1982 schaffte sie das Comeback und in der Folge die zweite Goldmedaille, sie wurde von 1981 bis 1984 4x in Folge zur Sportlerin des Jahres gewählt und gewann einen Bambi. 12 Jahre harte Arbeit, besonders auch mentale, die man sich nur schwer vorstellen kann. „Ich hatte immer im Hinterkopf, die Super-Olympialeistung muss ich bestätigen. Eine Olympiasiegerin kann es sich nicht leisten, 1,80 zu springen.“ Der Druck zerstörte jede sportlich Form, Konstanz und Freude.

Ariane Friedrich gewann bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 keine Medaille. Dabei ist sie seit dem 26. Januar 2008 genau 24 Mal über 2 Meter gesprungen. Sie ist eine von drei Frauen in der Welt, die sogar über 2,06 Meter gesprungen sind. Und nun das völlig Erstaunlich, über das der Tagesspiegel vom 09.08.2009 im Sonntagsinterview berichtet: „Ich springe im Training nicht über die Latte. Nie. Seit eineinhalb Jahren habe ich keinen Trainingssprung mehr gemacht.“, sagt die Hochspringerin.

Sie hatte eine Wirbelsäulenstauchung, da hat ihr Trainer Alternativen gesucht. Die Methode, beim Training nicht zu springen, ist aus der Not geboren. Das Training beschreiben die Autoren Frank Bachner und Norbert Thomma so: „Sie laufen auf die Latte zu, als wollten Sie springen, drehen dann aber in hohem Tempo ab. Pause. Sie laufen wieder ein schnelles U. Nächste Pause.“