Interview mit Frau Franciska Lion-Arend

Als ein weiteres Angebot unseres Blogs wollen wir interessante Persönlichkeiten mit ihren Zielen, Erfahrungen und Träumen in Bezug auf die berufliche Verwirklichung vorstellen. Wir möchten zeigen, was sie auf ihrem Weg zum Erfolg erlebt haben und mit welchen Problemen sie kämpfen mussten, um so weit zu kommen. Diese Serie soll die Vielzahl der Möglichkeiten aufzeigen und bewusst machen, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.

Franciska Lion-Arend

Franciska Lion-Arend

Als erste Person für unser Interview haben wir uns für Frau Franciska Lion-Arend entschieden. Frau Lion-Arend begleitet YOUNECT bereits seit vielen Jahren. Als selbstständige Unternehmerin hat sie bereits viele Erfolge zu verbuchen und ist gern bereit, ihre Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen.

Als Gründerin und Geschäftsführerin der imuse GmbH leitet sie ein weiteres Unternehmen, das mit großem Potential entdeckt werden will. Unter dem Motto „Struktur ins Chaos“ bereitet die Firma Inhalte aus dem Internet auf. Aktuelles Highlight ist wohl das Videoportal imuse.TV – Sicher ein Besuch wert.

YOUNECT: Als Sie ein Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Franciska Lion-Arend: Ich wollte mit sechs Jahren Bäuerin, im Alter von zehn Jahren Tierpflegerin und später Tierärztin werden. Ich hatte immer schon Haustiere und habe viele schöne Momente meiner Kindheit auf dem Lande verbracht – wir hatten ein Ferienhaus im Landkreis Uelzen in der Nähe der Lüneburger Heide. Ich hatte Spass an der Arbeit mit Tieren, auch die „Drecksarbeit“ hat mich nie gestört. Eine Tierhaar-Alergie und ein verpatzter Aufnahmetest für das Tiermedizin-Studium bedeuteten das Ende dieses Traumes. Mein Abitur mit der Note 2,3 war zwar überdurchschnittlich gut, aber es reichte nicht für die direkte Hürde des damaligen Numerus Clausus.

YOUNECT: Für welchen Beruf haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Franciska Lion-Arend: Was mein eigenes Unternehmen „imuse (www.imuse.tv)“ betrifft, bin ich in Hinblick auf die so genannte Kreativ-Wirtschaft im Musikbereich eher Quereinsteigerin, aber eigentlich gab es eine logische Entwicklung, die erst jetzt, nach 20 Jahren Berufsleben sichtbar wird. Ich habe nach dem Abitur erst mal „etwas Vernünftiges“ gelernt: Industriekauffrau bei Schering, heute Bayer. Mein gutes Abi war das Eintritts-Ticket in diesen super Ausbildungs-Betrieb. Die praktische Ausbildung war klasse, die Berufsschule habe ich gehasst. Aber hier wurden die Grundlagen für meine unternehmerische Tätigkeit gelegt.

Danach wurde ich in die Abteilung „Zentrale Aus- und Weiterbildung“ für den Bereich EDV-Weiterbildung übernommen. Die Arbeit mit Menschen in Verbindung mit Inoformationstechnologie fand ich spannend und entschied mich nach einem Jahr praktischer für ein „Doppel“-Studium „Kommunikationswissenschaften“ und „Informatik“ an der TU Berlin. Danach habe ich als Geschäftsleitungs-Assistentin viel über Unternehmensführung in verschiedenen Branchen gelernt, meine erste Chance als „Chefin“ bekam ich in der Internet-Wirtschaft. In dieser Branche bin ich dan geblieben.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Werdegang entschieden haben?

Franciska Lion-Arend: Ich habe mich ja nicht bewusst für den Werdegang „Unternehmerin“ in der Internet- oder Kreativwirtschaft entschieden. Das war ein langer Lern-Prozess, der auch noch nicht abgeschlossen ist. Für mich war wichtig: Umgang und Arbeit mit Menschen. Die Technologie kann nur ein Werkzeug sein, den Menschen das Leben angenehmer und leichter zu machen. So sehe ich auch das Internet. Ich glaube, dass wichtigste ist: die absolute Bereitschaft, sich auf neue Situationen und Anforderungen einzustellen. Angst vor Neuem ist ein schlechter Ratgeber. Veränderungen als Herausforderung und Chance positiv zu begegnen und sie aktiv mitzugestalten eröffnet immer neue Perspektiven und es macht auch noch viel Spass.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Franciska Lion-Arend: Wie gesagt, die praktische Ausbildung bei Schering zur Industriekauffrau war klasse. Wir haben zusätzlich Spanisch-Unterricht gehabt, wurden in Geschäftstellen in anderen Städten geschickt. Meine wirklich coolste Zeit waren vier Wochen München. Die Buchhaltung in Berlin hatte keinen Platz für mich, also musste man mich leider zu damaligen Tochtergesellschaft „Diamalt“ mitten in Schwabingen in die Buchhaltung schicken. So ein Pech aber auch. ;O)

Schlimm fand ich die Berufsschule – mein IHK-Abschluss fiel entgegen meiner sonstigen Leistungen mit einer 3,0 auch eher bescheiden aus. Das Problem: Lehrer, die einen echten Wirtschaftsbetrieb das letzte mal vor 20 Jahren von innen gesehen haben, verstaubte Lehrpläne und eine schlecht ausgestattete Berufsschule. Aber zwei Fächer waren irgendwie gut: Buchhaltung und Wirtschaftsmathe. Buchhaltung mag ich zwar immer noch nicht, aber der Lehrer war Klasse und daher kann ich auf teure Steuerberater verzichten. Und von Wirtschaftsmathe profitiere ich bis heute: der Lehrer hat uns Taschenrechner verboten, wir mussten Kopfrechnen und Schätzen lernen bzw. üben. Da bekommt man ein sehr gutes Gefühl für Zahlen. Das ist im Berufsleben wichtig und macht einem von Technik etwas unabhängiger.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Franciska Lion-Arend: Es war richtig und wichtig, sich in der Schule anzustrengen und gute Noten haben. Es gibt schlimmere Schimpfwörter als „Streber“. ;O) Ich habe versucht, mit eine positive Einstellung zur Schule und zum Lernstoff anzueignen, dann haben auch ekelige Fächer Spass gemacht. Mit dem Spass kam der Ehrgeiz, dann der Fleiss und dann die guten Noten, also Erfolgserlebnisse. Es war auch richtig, erst eine praktische Ausbildung zu machen. Davon profitiere ich bis heute. Das Studium ging schneller und leichter voran, weil ich damals durch die Berufserfahrung schon sehr viel zielstrebiger war, als Mitstudentenm, welche direkt vom Abi kamen. Aber ich würde mich davor hüten, diesen Weg als den einzig wahren zu empfehlen. Es ist egal, welchen Abschluss man macht, Hauptsache die Abschlussnoten sind sehr gut. Ein hervorragender Realschulabschluss ist z.B. besser als ein miserables Abi. Denn diese Zeugnisse sind die Eintrittskarten ins Berufsleben.

Und man sollte eine Berufsrichtung lernen, die einem wirklich liegt. Nicht auf solche diffusen Ratschläge hören wie „mach‘ doch was mit Computer“ oder „lern Friseur, bevor du gar nichts machst“. Wenn man nicht weiss, was man in den ersten Berufsjahren machen möchte oder kann, helfen Praktika und Aushilfsjobs zum Reinschnuppern. Eines kann ich jedem jungen Menschen auf den Weg geben: Man muss sich immer anstrengen also engagieren, egal was man tut, wenn man etwas erreichen will. Und die heutigen Berufswege sind nicht mehr gerade. Der gute Schulabschlus und der erste Job sind ein wichtiger Anfang, aber danach wird viel passieren…

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Tätigkeitsfeld? Und was stört Sie?

Franciska Lion-Arend: Als selbständige Unternehmerin habe ich wenig Freizeit, keinerlei geregelte soziale Absicherung, also keine bezahlte Krankschreibung, keine Rente, kein Arbeitslosengeld. Wenn ich nicht arbeite, verdiene ich auch kein Geld. Aber das finde ich nicht schlimm, denn das macht mich auch frei. Ich muss niemanden fragen, ob, wann und wie lange ich in den Urlaub fahren darf. Ich kann zur Arbeit kommen und gehen, wann ich will. Wenn ich keine Termine und keine Lust habe, kann ich auch mal einfach so zu Hause bleiben. Ich kann selbst entscheiden, wie ich meine Arbeit erledige, meine eigenen Ziele setzen und verfolgen. Ich suche mir die Leute selbst aus, mit denen ich in meinem Unternehmen zusammenarbeiten möchte. Ich bekomme niemanden „vorgesetzt“. Das hat schon was. Und mir persönlich macht die Arbeit mit dem Internet in Verbindung mit der Medien- und Musikszene sehr viel Spass. Man lernt jede Menge interessante und kreative Menschen kennen. Auch wenn das Geldverdienen in diesem Bereich sehr, sehr schwer ist.

YOUNECT: In welchen anderen Berufen könnten Sie sich selbst auch gut vorstellen?

Franciska Lion-Arend: Ich möchte immer noch gerne als Tierpflegerin arbeiten. Und ich will eines Tages Gold- und Silberschmied lernen.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf/Ihren Werdegang weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Franciska Lion-Arend: Selbständigkeit und Unternehmertum ist nichts für vorsichtige oder ängstliche Menschen. Man braucht ein gesundes Selbstbewusstsein, denn man muss an seine Ideen glauben und diese gegenüber anderen oft verteidigen. Sehr viel Selbstdisziplin ist notwendig und die Fähigkeit, eigene Ziele zu setzen und zu verfolgen. Und man braucht eine hohe Frustrationstoleranz, man muss sich dann selbst motivieren können. Es geht nämlich im Geschäftsleben sehr oft sehr viel schief. Und das heisst dann, man verdient gar kein oder nur sehr wenig Geld.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Franciska Lion-Arend: Echte Unternehmer und Selbständige sind keine „Kapitalistenschweine“ oder „Heuschrecken“, man verwechselt das oft mit bezahlten Managern, die niemals ihr eigenes Geld in das Unternehmen stecken, weil sie daran glauben. Echte Unternehmer sind fast immer Leute, die ganz klein angefangen haben, viel an Arbeit, Zeit, Herzblut und Geld in ihr Unternehmen gesteckt haben, BEVOR sie damit erfolgreich und reich wurden. Ich verzichte z.B. für „imuse.TV“ gerne auf vieles, neue teure Klammotten, ein schickes Auto, eine teure Wohnung, Weltreisen etc. weil mir die Sache wichtig ist. Weil ich an den Erfolg glaube, der nicht nur aus viel Geld verdienen besteht, sondern auch aus Anerkennung und persönlicher Arbeitszufriedenheit und Lebensqualität. Und wenn ich genug Arbeit habe und Geld verdiene, stelle ich Leute ein, die entsprechend ihrer Leistung auch am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben. Gute Mitarbeiter zu finden, ist teuer und schwierig, deshalb muss man sie auch gut behandeln und bezahlen. Wenn es dem Betrieb gut geht.

YOUNECT: Haben Sie etwas, das Sie angehenden Auszubildenden mit auf den Weg geben möchten?

Franciska Lion-Arend: Nicht so schnell aufgeben, wenn’s schwierig wird. An sich selbst glauben. Und auch wenn „alte Tugenden“ etwas unmordern oder uncool wirken: Fleiß, Lernwille und Disziplin sind gar nicht so schleche Wegbegleiter im Berufsleben, denn sie machen viele Wege frei. Mal drüber nachdenken. ;O)

Wir bedanken uns bei Frau Lion-Arend für ihre Zeit und Bereitschaft, sich als erste Person von uns befragen zu lassen. Wir wünschen ihr und ihrem Unternehmen imuse.TVviel Erfolg und sehen hohes Potential und eine große Zunkunft in diesem Angebot. Wir drücken ihr die Daumen, dass ihr Wunsch der Tierpflegerin in Erfüllung geht und freuen uns, in Zukunft auch das eine oder andere Werk aus ihrer Hand als Gold-und Silberschmiedin zu sehen.

Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf.
Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?