Mark Seibert Quereinsteiger mit eigenem Kopf und eigenen Ideen in der Bundesgeschäftsstelle DIE LINKE

Auftakt unserer neuen Kategorie „Aus der Politik“. Berufsorientierung ist ein gesellschaftspolitisches Thema, es betrifft vor allem Schüler und ausbildende Unternehmen. Die wichtigsten Ansprechpartner der Schüler sind in der Berufswahl die Eltern und Lehrer. Berufswahl hat viel mit Bildung zu tun, und Bildung wird vom Staat gefördert, gesteuert und finanziert, also ist Berufswahl auch ein politisches Thema. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels (20% weniger Schulabgänger bis 2020) betrifft Berufswahl auch die ganze Gesellschaft. Wie wird also Arbeit in Zukunft organisiert? Wie entsteht Innovation als Grundlage von Wirtschaftswachstum? Wie finden Schüler die Berufe, die zu ihnen passen, und die auch in Zukunft gute Perspektiven haben? Wie finden Unternehmen die Talente, die zu ihren Anforderungen und zu der gelebten Unternehmenskultur passen. YOUNECT hat darauf Antworten, aber in dieser Kategorie stellen wir ausschließlich Fragen, und politisch aktive Menschen und Politiker, die in der Politik beruflich tätig sind, geben uns Antworten.

Herzlichen Dank an Mark Seibert, er hat uns unter über 700 angefragten Politikern als Erster geantwortet. Respekt! Hier nun das Interview mit Mark Seibert, DIE LINKE, er ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit/ Wahlen in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin.

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Mark Seibert: Mein Name ist Mark Seibert, ich bin 33 Jahre alt und arbeite seit 2008 in der Bundesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE. Dort leite ich in der Wahlkampfzentrale, dem WahlQuartier, eine der drei Abteilungen. Mit meinem Team bin ich verantwortlich für die Außendarstellung der Partei im Wahlkampf, also für die Redaktion aller Print- und Online-Medien und für die zentralen Großveranstaltungen der Partei im Wahlkampf. Zudem verantworte ich den gesamten Bereich Online-Campaigning.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Mark Seibert: Ich bin Mitglied der LINKEN. Die Partei setzt sich vor allem für soziale Gerechtigkeit ein und fordert einen solidarischen Ausgleich zwischen Arm und Reich.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Mark Seibert: Als Kind wollte ich zuerst Pilot werden, weil man andere Länder bereisen kann. Außerdem fand ich Flugzeuge faszinieren. Etwas später wollte ich Journalist werden. Ich habe gern geschrieben und fand es spannend, wie Journalisten Verborgenes enthüllten.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Mark Seibert: Ich bin Quereinsteiger. Eine hauptamtliche Karriere in einer Partei wie der LINKEN ist kaum planbar. 1998 habe ich eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann begonnen und 2000 beendet. Eher zufällig hatte ich dann ein Angebot erhalten, für die damals einzige hessische Bundestagsabgeordnete der PDS zu arbeiten. Seither arbeitete ich – mit einer Unterbrechung im Jahr 2003 für die Partei bzw. ihre Bundestagsfraktion. Ein Studium wäre dafür hilfreich gewesen. Ich bin als Nichtakademiker eine Ausnahme. Daher studiere ich berufsbegleitend an der FernUni Hagen Politik- und Verwaltungswissenschaften.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Mark Seibert: Es war mehr oder weniger ein Zufall. Politisch interessiert war ich schon lange. Im Jahr 2000 hatte ich dann die Chance, das Hobby sozusagen zum Beruf zu machen. Das war zwar weniger „sicher“ als meine vorherige Berufstätigkeit bei einem Pharma-Unternehmen. Aber doppelt so spannend. Ich habe also den Sprung in die hauptamtliche Politik gewagt und bis heute nicht bereut. Der Vorteil ist, dass man sehr frei arbeiten, viele Ideen einbringen und eigene Akzente setzen kann. Das ist reizvoll, aber manchmal – vor allem in Wahlkämpfen – auch unglaublich anstrengend. Manchmal ist es frustrierend, wenn trotz monatelanger Arbeit keine klaren Ergebnisse sichtbar werden.

YOUNECT: Wie haben Sie Ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus Ihrer Ausbildungszeit ein?

Mark Seibert: Meine kaufmännische Ausbildung war manchmal recht langweilig. Aber heute profitiere ich von allem, was ich dort gelernt habe: Abrechnungsangelegenheiten, Kundenkontakt, sicher auch Ordnung.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Mark Seibert: Eine schwierige Frage, denn alles in allem ist es gut gelaufen. Eventuell wäre es besser gewesen, doch gleich zu studieren. Das Studium neben dem Beruf ist recht anstrengend. Andererseits ist die Praxiserfahrung aus der Ausbildung viel wert. Und es macht unabhängig. Wenn die Partei als Arbeitgeber nicht mehr interessant sein sollte, bleiben immer noch andere Möglichkeiten.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Mark Seibert: Gut ist das freie Arbeiten und die Möglichkeit, sich selbst einzubringen und etwas zu bewegen. Ein Nachteil sind die oft unregelmäßigen Arbeitszeiten – und die Abhängigkeit von der politischen Konjunktur.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Mark Seibert: Den Beruf kann jeder machen, der sich für Politik interessiert und bereit ist, mehr zu bringen, als im Arbeitsvertrag steht. Einen „9-to-five“-Job gibt es nicht. Man braucht also viel Engagement, eine gute Allgemeinbildung und muss auch Konflikte, die auf dem politischen Parkett manchmal recht hart ausgetragen werden, wegstecken können.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Mark Seibert: Referenten – egal von Abgeordneten oder Organisationen wie Parteien oder Fraktionen – sind keine willenlose Kofferträger, sondern wichtige Faktoren in der politischen Willensbildung. Mit eigenem Kopf und eigenen Ideen.
Viele Grüße, Mark Seibert

YOUNECT: Vielen Dank Herr Seibert. Wir wünschen Ihnen Gestaltungskraft und sichtbare Erfolge Ihrer Ideen.