Sinn und persönliche Lebensbedeutungen im Beruf

Im Rahmen des Projekts ‚Sinn im Beruf‘ untersuchen Dr. Tatjana Schnell und Mag. Sabine Gapp, inwieweit persönliche Lebensbedeutungen im Beruf verwirklicht werden können. Anlass für diese Forschungsfrage ist der häufig replizierte Befund, dass sehr viele ArbeitnehmerInnen keine „echte Verpflichtung gegenüber ihrer Arbeit“ verspüren (Gallup Organization, 2008). Dies wird – neben dem Führungsstil der Unternehmen – vor allem darauf zurückgeführt, dass ArbeitnehmerInnen eine Position ausfüllen, die ihnen nicht wirklich hundertprozentig liegt.

Diese fehlende Passung kann einerseits darauf zurückgeführt werden, dass eine Über- oder Unterforderung bezüglich der beruflichen Kompetenzen vorliegt. Zusätzlich rückt ein weiterer Faktor immer mehr in den Vordergrund, der die Frage nach dem Sinnerleben im Beruf thematisiert. Erste Studien haben ergeben, dass Sinnerfüllung am Arbeitsplatz den engsten Zusammenhang zum Engagement im Beruf aufweist; zudem werden Zusammenhänge zwischen job enrichment und work role fit mit dem beruflichen Engagement vollkommen durch die erlebte Sinnerfüllung mediiert (May, Gilson & Harter, 2004). Eigene Studien haben gezeigt, dass sich Berufsgruppen signifikant bezüglich der Lebensbedeutungen unterscheiden, die in ihnen verwirklicht werden können. Wie erwartet steigt auch die Arbeitszufriedenheit mit dem Sinnerleben an der Arbeit an (Schnell & Becker, 2007).

In weiteren Untersuchungen wird nun erkundet, welche existentiellen Bedeutungen ArbeitnehmerInnen ihren beruflichen Tätigkeiten zuschreiben (-> Diagnostik und Differenzierung beruflicher Sinnquellen), und ob diese mit den (Lebens-)Bedeutungen übereinstimmen, die sie auch in anderen Lebensbereichen ihrem Handeln zugrunde legen. Die Resultate der Analyse werden, unter Einbezug beruflicher Kompetenzen, bzgl. ihrer Vorhersagekraft für Arbeitszufriedenheit und Engagement am Arbeitsplatz untersucht.

Neben grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnissen wird eine konkrete Anwendbarkeit dieser Ergebnisse angestrebt. So soll die Quantifizierung persönlicher Lebensbedeutungen, beruflicher Kompetenzen und Anforderungen der Arbeitgeber ein verbessertes Matching zwischen Arbeitsuchenden und beruflichen Positionen ermöglichen, das mit einem als sinnvoll erlebten Berufsleben, einer hohen Arbeitszufriedenheit und hohem Engagement gegenüber der Arbeit einhergeht.

Dr. Tatjana Schnell ist Autorin des Buches Implizite Religiosität – Zur Psychologie des Lebenssinns“, überarbeitete Neuauflage 2009

YOUNECT unterstützt diese Forschung in einer Kooperation mit der Universität Innsbruck, da das Thema der Passung und Arbeitszufriedenheit ein Motor ist, der uns antreibt. Wir wünschen dem Team der Sinnforschung viele spannende Erkenntnisse und passende Schlussfolgerungen für die Theorie und für die Praxis.