Alexander Ulrich, DIE LINKE, wollte Profi-Fußballer werden, hatte jahrelang eine Dauerkarte des 1 FC Kaiserslautern und wollte sein wie Briegel, Brehme, Wuttke

Der Rücklauf der Antworten von Politikern bezüglich unserer Anfrage, einige Fragen zur persönlichen Bildungsgeschichte sowie zu bildungspolitischen Zielen zu beantworten, nimmt nicht ab. In diesem Artikel möchte ich Ihnen die Antworten von Herrn Ulrich (DIE LINKE) vorstellen.

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf üben Sie aus? Welche Position besetzen Sie genau?

Alexander Ulrich: Alexander Ulrich, 38 Jahre verheiratet, 2 Kinder, Wohnhaft im Kreis Kaiserslautern, MdB, Geschäftsführer der IG Metall Kaiserslautern

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Alexander Ulrich: Arbeit, Frieden, soziale Gerechtigkeit.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Alexander Ulrich: Als Kind wollte ich Profi-Fußballer werden. Ich hatte jahrelang eine Dauerkarte des 1 FC Kaiserslautern und wollte wie Briegel, Brehme, Wuttke sein.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Alexander Ulrich: Werkezeugmacher bei der Adam Opel AG.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Alexander Ulrich: Mein Vater war Opel-Arbeiter und ich wollte einen handwerklichen Beruf erlernen.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Alexander Ulrich: Die Ausbildungsvergütung war zu gering und die Argbeitgeber erhöhten sie nicht freiweillig. Also wurde ich Mitglied der IG Metall. In Tarifverhandlungen waren wir dann sehr erfolgreich.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Alexander Ulrich: Ich gehöre zu den wenigen Abgeordneten, die einen handwerklichen Beruf erlernt haben. Das hat mich für mein Leben geprägt. Da es trotz des vielen Trainings nicht zum Profi-Fußballer reichte, bin ich mit meinem Werdegang sehr zufrieden.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Alexander Ulrich: Es macht mir Spaß mich für meine politischen Ziele einzusetzen und dabei in Kontakt mit vielen Menschen und Initiativen zu treten. Mich stört die Arroganz der Großen Koalition.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Alexander Ulrich: Courage und Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden, Demokratie und gegen Umweltzerstörung. Jede/r die oder der diese Ziele vertritt sollte sich engagieren, nicht nur als Abgeordneter.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Alexander Ulrich: Faulheit. Bei mir gibt es immer eine 60 Std.-Woche.

YOUNECT: Aus unserer Sicht wird zukünftig ein umfassenderes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Alexander Ulrich: Die öffentlichen Angebote der Berufs- und Bildungsberatung müssen deutlich ausgebaut werden. Dafür sind die Angebote der Berufinformationszentren und der Arbeitsagenturen auszuweiten. Berufsorientierung muss in den allgemeinbildenden Schulen flächendeckend zum Angebot gehören. Private Anbieter wie YOUNECT können die öffentliche Berufsberatung sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Alexander Ulrich: Wir wollen Berufsorientierung als Angebot flächendeckend an allen allgemeinbildenden Schulen, nicht nur an Gymnasien. Ob das Schulfach verpflichtend eingeführt werden soll, bleibt nach einer Einstiegsphase zu überlegen. Derzeit gibt es Berufsorientierung nicht flächendeckend an jeder Schule.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Alexander Ulrich: Bundesweit hat sich ein vielfältiges Netz von Institutionen gebildet, die die Berufsorientierung von Jugendlichen in unterschiedlicher Art und Weise unterstützen. Was allerdings fehlt, ist ein flächendeckendes und verlässliches System der Bildungs- und Berufsberatung in öffentlicher Verantwortung. Die Arbeitsagenturen haben in den vergangenen Jahren gerade im Bereich der Beratung dramatisch gekürzt. Stattdessen müsste dieser Bereich deutlich ausgebaut werden, um den Herausforderungen immer vielfältigerer Berufsbiographien und eines sich schnell wandelnden Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Hierzu gehört auch der Aufbau einer mit der Berufsberatung verknüpften Bildungsberatung. Außerdem müssen die Arbeitsbedingungen der Beraterinnen und Berater deutlich verbessert werden. Das Nebeneinander unterschiedlicher Regelkreise in der Beratung (SGB II/III/nicht SGB-gefördert) muss überwunden werden zugunsten einer qualifizierten öffentlichen Beratung, die Erwerbstätigen und Arbeitslosen gleichermaßen offensteht.

YOUNECT: Ist Ihnen das Problem des aktuellen und zukünftigen Bewerbermangels auf dem Ausbildungsmarkt bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Alexander Ulrich: Obwohl die Anzahl der Schülerabgängerinnen und –abgänger auch dieses Jahr sinkt, suchen noch immer zehntausende von Jugendlichen vergeblich nach einem Ausbildungsplatz. Nur noch jedes vierte Unternehmen bildet aus. Mehr als 300.000 Bewerberinnen und Bewerber sind bereits seit über einem Jahr auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Hunderttausende junge Menschen befinden sich in Warteschleifen ohne berufliche Perspektive.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Alexander Ulrich: DIE LINKE tritt für eine Ausbildungsplatzumlage ein. Statt wirkungsloser Versprechen bedarf es endlich bindender Gesetze. Alle Betriebe, die sich nicht an der Ausbildung junger Menschen beteiligen, sollen in einen Fonds einzahlen. Wer ausbildet, erhält hieraus Unterstützung. DIE LINKE kämpft für das Recht aller Jugendlichen auf eine qualifizierte Berufsausbildung.Die Berufsorientierung muss ebenso wie die öffentlichen Schulen finanziell besser ausgestattet werden, sodass in den Schulen und in den Berufsinformationszentren eine individuelle Berufs- und Bildungsberatung stattfinden kann.

YOUNECT: Vielen Dank Herr Ulrich, für die vielen ausführlichen und interessanten Ausführungen zu unseren Fragen. Wir wünschen Ihnen für die nahe und ferne Zukunft alles erdenklich Gute!