Andreas Weigel, Bundestagsabgeordneter der SPD, über seine Ausbildungszeit in der DDR

Ein herzlicher Dank für viele ausführliche und interessante Antworten geht auch an Herrn Weigel, der sich trotz seiner zahlreichen Ämter die Zeit nahm unsere Fragen zu seiner Person, seinem Bildungsweg und seinem Beruf zu beantworten…

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Andreas Weigel: Ich heiße Andreas Weigel, wurde 1964 in Werdau/Sachsen geboren, bin verheiratet und habe zwei Kinder. Im Jahr 2002 zog ich für die SPD in den Deutschen Bundestag ein. Hier bin ich Mitglied im Verteidigungsausschuss, im Haushaltsausschuss, im Unterausschuss für Abrüstung und Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung. Des Weiteren bin ich Mitglied der deutschen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Andreas Weigel: Ich bin Mitglied der SPD. Die SPD steht für gerechte Löhne und gute Arbeit, für die Gleichstellung von Mann und Frau und Ost und West. Wir sind der Meinung, dass gute Bildung in Zukunft nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen darf. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen eine stärkere Versorgung mit sicherer und grüner Energie statt weiter auf die gefährliche Kernenergie zu setzen. Wir möchten Familien fördern, über alle Altersgrenzen und soziale Gruppen hinweg. Die SPD steht für ein tolerantes Deutschland, das seine Vielfalt als Stärke begreift. Und nicht zuletzt: In Zeiten der globalen Wirtschaftskrise setzen wir uns für eine Bändigung des entfesselten Finanzmarktkapitalismus ein. Ehrlich und nicht populistisch!

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Andreas Weigel: Ich wuchs in einem christlich geprägten Umfeld auf. Meine Eltern waren in der DDR Friedens- und Oppositionsbewegung sehr aktiv. Repressalien waren an der Tagesordnung. Durch meine Verweigerung den Pionieren und der FDJ beizutreten, war mein Berufsweg sehr eingeschränkt. Als ich meinen Schulabschluss machte, war mein Vater im Stasi-Knast. So war es Freunden der Familie zu verdanken, dass ich überhaupt einen ansprechenden und kreativen Beruf erlernen konnte. Raum für Berufswünsche oder -phantasien war damals nicht vorhanden.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Andreas Weigel: Nach der Schule absolvierte ich eine Ausbildung als Drechsler im Kunsthandwerk, einen Beruf den ich fast zehn Jahre lang ausgeübt habe. Nach einem Studium im Bereich Sozialmanagement an einer Verwaltungsfachhochschule war ich in verschiedenen leitenden Positionen bei der Johnaniter-Unfall-Hilfe in Sachsen beschäftigt. Daneben war ich in der SPD aktiv, ein Engagement, dass ich spätestens mit meinem Einzug in den Bundestag zum Beruf gemacht habe.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Andreas Weigel: siehe Antwort zu Frage 3

YOUNECT: Wie haben Sie Ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus Ihrer Ausbildungszeit ein?

Andreas Weigel: Meine Berufsausbildung habe ich in bester Erinnerung. Für die Verhältnisse in der DDR war es außergewöhnlich, dass man in einem Privatunternehmen arbeitet, zumal wenn der Chef als praktizierender Christ eine deutlich andere Haltung zum herrschenden System hatte. Als kleines Beispiel: In meinem Betreib gab es Ostermontag frei obwohl es in der DDR kein Feiertag war.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Andreas Weigel: Mein Lebensweg unter heutigen Bedingungen würde sicher völlig anders verlaufen. Zunächst hätte ich die Möglichkeit mein Abitur abzulegen und später zu studieren. Beides war mir damals versagt geblieben. Sicher würde mich ein Studium der Geisteswissenschaften interessieren. Dies alles ändert jedoch nichts daran, dass mir meine Ausbildungs- und Berufszeit bis 1990 als sehr angenehm und prägend für mein Leben in Erinnerung geblieben ist.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Andreas Weigel: Die Tatsache, dass man ganz konkret etwas erreichen kann, sowohl vor Ort in meinem Wahlkreis, als auch auf anderer Ebene. Was stört ist, dass es einem manchmal nicht schnell genug geht.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Andreas Weigel: Ich würde meinen Beruf allen Menschen weiterempfehlen, die den Anspruch haben in unserem Land etwas zum Besseren zu verändern. Dafür sind Beharrlichkeit und Durchsetzungsfähigkeit unverzichtbare Eigenschaften.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Andreas Weigel: Leider haben Politiker in der Öffentlichkeit nicht den allerbesten Ruf, da gibt es so einige Punkte, die man klarstellen müsste.

YOUNECT: Vielen Dank Herr Weigel. Wir wünschen Ihnen natürlich in der Vorbereitung der Bundestagswahlen viel Kraft und Ausdauer und darüber hinaus sichtbare Erfolge am 27. September 2009.