Anita Heinemeyer, DIE LINKE, stammt aus Frankreich, hat mehrere Berufsabschlüsse: Fremdsprachenkorrespondentin, Floristin, Übersetzerin und ist selbständige Massagepraktikerin

Anita Heinemeyer kandidiert für den Deutschen Bundestag. Alle Themen, die Mensch und Natur betreffen, bewegen sie, und sie regt jede Ungerechtigkeit auf. Als Kind wollte sie Zauberkünstlerin werden, ob sie demnächst das Parlament verzaubert?

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Anita Heinemeyer: Anita Heinemeyer. Ich stamme aus Frankreich, bin 61 Jahre jung, verheiratet und habe mehrere Berufsabschlüsse: Fremdsprachenkorrespondentin, Floristin, Staatlich anerkannte Übersetzerin, derzeit selbständige Massagepraktikerin. Ich bin Bundestagskandidatin der Partei Die Linke.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Anita Heinemeyer: Meine wichtigsten Ziele: Mit den Menschen, für die Menschen arbeiten. Mensch und Naturschutz sollen Vorrang haben for Profitgier, Macht und Größenwahn. Mir sind sehr wichtig: Soziale Gerechtigkeit in Deutschland und weltweit, Umweltschutz, Mobilität, Generationen-Zusammenhalt, anti-Krieg. Eigentlich bewegen mich alle Themen, die Mensch und Natur betreffen und mich regt jede Ungerechtigkeit auf.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Anita Heinemeyer: Zauberkünstlerin. Es machte mir immer Spaß, Menschen Freude zu bereiten, wenn Menschen lachten und fröhlich waren. Und – ich war stolz, wenn ich etwas besonderes vorführen konnte, was die anderen nicht konnten, und es mir gelang.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder sind Sie ein Quereinsteiger?

Anita Heinemeyer: Ich wollte Cello-Solistin werden, das Leben wollte es nicht so, deshalb suchte ich eine Alternative. Ich bin in allen Berufen, die ich abgeschlossen habe, Quereinsteigerin. Die Chance, als Fremdsprachenkorrespondentin zu arbeiten bekam ich, weil ich schon Deutsch sprach, und Maschinen Schreiben konnte. Ich arbeitete schon immer gern selbständig. So habe ich mich fortgebildet und die Prüfung abgelegt. Die Kundenkontakte, neue Kenntnisse in Technik waren eine gute Herausforderung. Idem als ich nach Deutschland kam. Im ersten Beruf fand ich keine Arbeit. Begann als Blumenverkäuferin. Das gefiel mir auch: Kontakte, Blumen, Kunst. Auch hier bildete ich mich autodidaktisch fort und legte die Prüfung als Floristin ab. Später, kehrte ich zurück in den ersten Beruf und legte die Prüfung als Staatlich anerkannte Übersetzerin ab.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Anita Heinemeyer: Ich brauchte eine stärkere geistige Herausforderung. Der Beruf als Floristin war zwar künstlerisch, wurde aber sehr schlecht honoriert. Ich hatte überlegt, den Meister zu machen, dafür fehlte mir aber das Geld, da mein Ehemann (inzwischen verstorben) immer krank war. Außerdem hatte ich doch den Ehrgeiz, einen höheren Abschluß zu erhalten – was ich dann auch schaffte, nachdem ich ein paar Jahre als Auftragsachbearbeiterin / Fremdsprachenkorrespondentin gearbeitet hatte.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Anita Heinemeyer: Da ich keine spezifische Ausbildungszeit erlebt habe, kann ich nur aus meiner Praxis aus den Berufsanfängen sprechen. Wir hatten Telex im Betrieb (das ist so ähnlich wie eine Schreibmaschine bei der die Schrift in Lochmuster verwandelt wird), es gab noch keine Faxgeräte, auch keine PCs, nur für die Finanzbuchhaltung gab es riesige Computeranlagen. Und wir hatten elektrische Schreibmaschinen, worüber ich ganz glücklich war. Ich war für die Korrespondenz mit Deutschland zuständig. Einmal hatte ich eine deutsche Korrespondentin am anderen Ende des Telex. Da habe ich mal schnell gefragt (geschrieben), wie denn das Wetter dort ist, und dann noch Ostergrüße geschickt und bekam auch sofort Antwort. Das war für mich eine tolle Erfahrung. Heute schickt man e-mail, oder chattet mit Freunden. Alles ist sooo selbstverständlich geworden.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Anita Heinemeyer: Ich habe vor dem Abitur die Schule verlassen. Heute würde ich bis zum Ende durchhalten, und hätte wahrscheinlich Architektur studiert. Oder ich hätte gegen die Meinung meiner Mutter, die meinte, Musik sei ja kein Beruf, eine Karriere als Berufscellistin angetreten.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Anita Heinemeyer: Gut ist nur, wenn man Aufträge erhält und selbständig arbeiten kann. Manchmal ist der Zeitdruck zu stark, da die Kunden meist sehr kurzfristig bestellen. Heute arbeite ich jedoch selbständig als Massagepraktikerin für verschiedene Entspannungsmassagen, Breuss-Massage, Reiki für Mensch und Tier, fahre zu den Kunden. Da ich den Menschen immer gern Gutes tue, und auch den Kontakt liebe, passt diese Aufgabe ebenso gut zu mir. Mich stört dass ich kein eigenes Massagestudio habe, wo alles seinen Platz hat.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Anita Heinemeyer: Freiberuflicher Übersetzer ist gut, wenn man gern selbständig arbeitet und Kontakte hat. Als Angestellter ist der Beruf auch interessant, da man diverse Branchen kennenlernen kann und dann das spezifische Vokabular lernt.Massagepraktiker ist schön wenn man mit seinen Händen gutes Tun will, dabei ist auch meist die Selbständigkeit die bessere Alternative. Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen, Ruhe.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Anita Heinemeyer: nein. Beim Massagepraktiker muss man wohl betonen, dass es keine Therapie sondern Entspannungsmassage ist, und dass es keine erotische Massage ist….

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Wie gefällt Ihnen das Angebot von YOUNECT?

Anita Heinemeyer: Die Idee finde ich ganz hervorragend. Besonders, wenn die Wege verschiedener Generationen aufgezeigt werden, entsteht ein buntes Bild das Mut macht, dass auch aus unterschiedlichen Biografien Menschen ihr Leben meistern können. Auch, dass die Informationen konzentriert dargestellt werden. Eigentlich wäre das Aufgabe der Arbeitsagentur, ich könnte mir aber gut vorstellen, dass als Berufsvorbereitung Schüler die Aufgabe übernehmen könnten.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Anita Heinemeyer: Warum nur bayrisch? Ich würde es begrüßen, wenn alle weiterführende Schulen in Deutschland, aber auch in Europa das Fach einführen würden. Als ich jung war, gab es so etwas nicht. Wir mussten uns selbst informieren, es gab kein Internet, nur die Tageszeitung, wo man die Informationen erhalten konnte.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Anita Heinemeyer: Das Internet bietet verschiedene Informationsmöglichkeiten, außerdem Beratungsstellen von AWO, Caritas, etc. Aber auch Arbeitsämter.

YOUNECT: Schon lange beschäftigen sich nicht mehr nur Wissenschaftler, Journalisten und Politiker mit dem aktuellen und zukünftigen Bewerbermangel. Ist Ihnen dieses Problem bekannt?

Anita Heinemeyer: Ich habe öfter gehört, dass Lehrstellen nicht besetzt werden, weil die Bewerber, die sich vorgestellt haben, nicht genügend qualifiziert wären. Es gibt auch Bewerber, die keine Ausbildungsstelle finden. Ich persönlich würde auch weniger qualifizierte Ausbildungsstellen anbieten wollen, bei denen die Menschen einen Beruf erlernen könnten, die zwar handwerklich geschickt sind, nur schulisch nicht das Niveau eines Gesellen erreichen könnten. Also Geselle Stufe 1 beispielsweise, und Geselle Stufe 2. Dann hätten auch die weniger qualifizierten eine abgeschlossene Ausbildung. Sie könnten dann auch leichter eine Arbeit finden.

YOUNECT: Wir wünschen Ihnen weiterhin ständig neue, geistige Herausforderungen. Auf dass Sie weiterhin mit den Menschen für die Menschen arbeiten können. Für die Wahl am 27.09.2009 viel Erfolg.