Aus Angst vor der „Lehrerschwämme“ wurde sie Rechtsanwältin: Ute Granold (CDU) im Gespräch mit YOUNECT

Auch Frau Granold hat sich freundlicherweise die Zeit genommen unsere Fragen ausführlich zu beantworten. Über ihren privaten Bildungsweg sowie ihre bildungspolitischen Ziele können Sie im folgenden Artikel lesen:

YOUNECT: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Ute Granold: Mein Name ist Ute Granold. Ich bin Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mainz-Bingen und arbeite daneben in Mainz als selbstständige Rechtsanwältin.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Ute Granold: Ich gehöre der CDU an. Unsere zentralen Wahlkampfziele sind:

I. Für ein familienfreundliches Deutschland: Familien sollen es leichter haben, so zu leben, wie sie es möchten. Wir wollen, dass sich mehr junge Menschen für Kinder entscheiden. Familie und Beruf müssen besser miteinander vereinbar sein. Dafür brauchen wir familiengerechte Arbeitsplätze und nicht arbeitsplatzgerechte Familien. Deshalb haben wir das Elterngeld eingeführt und wollen mehr Betreuungsangebote schaffen.

II. Sicherheit, Chancen, Zusammenhalt: Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist eine große Herausforderung. Wir wollen die Weichen für unser Land richtig stellen. Für Bildung und Ausbildung, für Arbeitsplätze, Familien und für die Umwelt: Nur gemeinsam haben wir die Kraft, Deutschland voranzubringen. Unser Land soll Bildungsrepublik werden. Wir wollen Familien weiter stärken. Wir wollen die Soziale Marktwirtschaft auch international verankern. Damit sichern wir fairen Wettbewerb, der Leistung belohnt und Schwache schützt.

III. Auf dem Weg in die Bildungsrepublik: Jungen Menschen brauchen Chancen. Dafür ist ein starkes Bildungssystem entscheidend. Unser Ziel ist die Bildungsrepublik. Deshalb orientieren wir uns an den Besten weltweit. Bildung in Deutschland hat viele starke Seiten: Immer mehr Wege führen zur Hochschulreife – viele über die berufliche Bildung. Die besten deutschen Schüler liegen in der PISA-Spitzengruppe. Bildung ist das Ticket für beruflichen Einstieg. Bildung ist die Chance für Aufstieg.

IV. Zukunft durch Klimaschutz: Wir wollen unseren Kindern eine lebenswerte Umwelt hinterlassen. Gezielter Klima- und Umweltschutz ist die beste Zukunftsinvestition.

V. Für Frieden und Wohlstand in der Welt: Wir wollen dazu beitragen, dass es weltweit gerechter zugeht. Viele Menschen leiden unter Armut, Seuchen oder mangelnden Bildungsmöglichkeiten. In vielen Staaten fehlen demokratische Strukturen. Entwicklungs- und Schwellenländer brauchen unsere Unterstützung. Gleichzeitig treten wir für Menschenrechte und Demokratie ein.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Ute Granold: Ich wäre gerne Lehrerin geworden für Französisch und Sport. Speziell die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hätte mich gereizt.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder sind Sie ein Quereinsteiger?

Ute Granold: Ich habe mich dann entschieden, Rechtswissenschaften zu studieren und Rechtsanwältin zu werden.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Ute Granold: Nach meinem Abitur befürchtete man damals eine „Lehrerschwämme“, da viele Studenten ins Lehramt drängten. Deshalb habe ich bei der Berufsberatung des Arbeitsamtes einen Test gemacht, um mehr über meine Chancen in anderen Bereichen zu erfahren. Das Ergebnis zeigte mir zwei mögliche Perspektiven auf: Entweder Jura oder etwas mit Wirtschaft, also BWL oder VWL. Wegen der Aussicht auf einen abwechslungsreichen Beruf mit Kontakt zu den Menschen habe ich mich für ein Jurastudium entschieden.

YOUNECT: Wie haben Sie die Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus Ihrer Ausbildungszeit ein?

Ute Granold: An der Universität Mainz habe ich gute Studienbedingungen vorgefunden. Mit Beginn des Studiums habe ich mich schnell in der Jungen Union engagiert und war dann auch öfter mal im Wahlkampf unterwegs, statt mich in Vorlesungen zu setzen. Trotzdem habe ich mein Studium zügig absolviert.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendliche beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Ute Granold: Ich würde den gleichen Weg wieder einschlagen.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Ute Granold: Mir gefällt an meinen Beruf vor allem, dass er so abwechslungsreich ist und ich täglich mit vielen unterschiedlichen Menschen und Lebensverhältnissen befasst bin. Mich stört, dass der Arbeitsanfall kaum von mir gesteuert werden kann. Es gibt Zeiten, an denen sich die Arbeit konzentriert und dann auch wieder ruhigere Phasen. Deshalb sind einigermaßen geregelte Arbeitszeiten kaum möglich.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiterempfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Ute Granold: Die Person müsste gut auf Menschen zu und mit ihnen umgehen können.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über Ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Ute Granold: Von Rechtsanwälten heißt es oft, Sie würden sehr viel Geld verdienen und müssten dafür nicht so viel arbeiten. Außerdem sei die Materie so furchtbar trocken. Wie ich schon erläutert habe, ist an diesen Vorurteilen nicht viel dran. Ich habe mich auf das Familienrecht spezialisiert. Gerade in diesem Bereich ist die tägliche Arbeit sehr abwechslungsreich. Außerdem steht man seinen Mandanten in oft schwierigen persönlichen Situationen zur Seite. Da ist oft nicht nur das juristische Handwerkszeug sondern auch viel Einfühlungsvermögen notwendig.

YOUNECT: Aus unserer Sicht wird auch zukünftig ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Ute Granold: Ich teile Ihre Auffassung, dass es künftig zu einer stärkeren Diversifizierung der Ausbildungslandschaft in Deutschland kommen wird. Diese Aufgaben sollten private und staatliche Anbieter übernehmen. Hier können auch Web-Plattformen wie YOUNECT einen wertvollen Beitrag leisten.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayerische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Ute Granold: Das finde ich sehr sinnvoll.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Ute Granold: Ich bilde selbst seit 30 Jahren Referendare, Praktikanten und Rechtsanwaltsfachangestellte aus. Im Rahmen dieses Engagements habe ich z.B. die Arbeit der Kammern (auch Bewerbertrainings etc.) sehr zu schätzen gelernt.

YOUNECT: Ist Ihnen das Problem des zukünftigen Bewerbermangels bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzen konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesen Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Ute Granold: Das Problem ist mir bekannt. Als Ausbildungslotse leiste ich bereits seit Jahren einen Beitrag, um Firmen und Auszubildende zusammenzubringen. Auch hier wären die Kammern (z.B. IHK und HWK) in meinen Augen die besten Ansprechpartner, da diese gerade in Regionen mit vielen mittelständischen Unternehmen über die entsprechende Datenbasis verfügen.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Wie ich gerade geschildert habe, engagiere ich mich bereits seit vielen Jahren bei den Kammern als Joblotsin. Die CDU propagiert in ihrem Regierungsprogramm für die kommende Legislaturperiode den Aufbruch in die Bildungsrepublik:

Wir wollen:

• bessere Bildung von Anfang an,

• Vielfalt bei den Bildungswegen,

• mehr Durchlässigkeit und neue Aufstiegswege.

Die CDU wird:

• bis 2015 gesamtstaatlich 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Bildung und Forschung zu investieren,

• bundesweite Leistungsmaßstäbe für die Bildungseinrichtungen und Bildungsabschlüsse entwickeln und durchsetzen,

• die Zahl junger Menschen ohne Abschluss bis 2012 halbieren,

• den erfolgreichen Ausbildungspakt mit der Wirtschaft über 2010 hinaus fortführen. Jeder muss die Chance auf einen Ausbildungsplatz erhalten – auch in der Krise,

• Lernerfolge in Deutschland und international besser vergleichbar machen. Oft sind Abschlüsse der deutschen Berufsausbildung ausländischen Studienabschlüssen gleichwertig.

YOUNECT: Vielen Dank Frau Granold, für Ihre ausführlichen und interessanten Auskünfte. Wir wünschen Ihnen für Ihre Zukunft alles erdenklich Gute!