„Aus Leidenschaft für die Menschen“- der Wahlspruch des Swen Schulz`

Swen Schulz ist Mitglied der SPD und seit 2002 erfolgreich Bundestagsabgeordneter. Von Hamburg kam er nach Berlin Spandau und begibt sich heute regelmäßig auf Kümmertour, um die Menschen in Spandau/Charlottenburg Nord tatenkräftig zu unterstützen.

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Swen Schulz: Mein Name ist Swen Schulz. Ich bin 41 Jahre alt und habe eine Tochter. Von meiner Heimatstadt Hamburg bin ich nach dem Abitur nach Berlin gezogen, um dort Politikwissenschaften zu studieren. 1986 bin ich Mitglied der SPD geworden und habe mich mehrere Jahre lang ehrenamtlich u.a. als Bezirksverordneter in der Spandauer Politik engagiert. Seit 2002 bin ich direkt gewählter Bundestagsabgeordneter meines Wahlkreises Spandau/Charlottenburg-Nord. Neben meiner Wahlkreisarbeit für die Menschen vor Ort, die mir sehr am Herzen liegt, bin ich im Bundestag hauptsächlich im Ausschuss Bildung und Forschung, Sportausschuss sowie Petitionsausschuss tätig. Ich bin Mitglied im Fraktionsvorstand der SPD-Bundestagsfraktion und Sprecher der Berliner Bundestagsabgeordneten.

YOUNECT:Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigsten Ziele?

Swen Schulz: Wie gerade erwähnt, bin ich Mitglied der SPD. Gemeinsam setzen wir uns insbesondere für soziale Gerechtigkeit ein. Jeder muss das Recht auf Bildung, gute Arbeit und faire Löhne, auf Gleichstellung und eine saubere Umwelt haben. Um nur ein paar Dinge zu nennen.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicherlich einen Berufswunsch / Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Swen Schulz: Als kleiner Junge wollte ich unbedingt Tierforscher werden. Ich konnte stundenlang Tiere beobachten und fand das spannend. Dann habe ich erfahren, dass man sich als Tierforscher früher oder später auch mal mit Tieren auseinandersetzen muss, die nicht mehr am Leben sind. Das fand ich dann nicht mehr spannend.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder sind Sie ein Quereinsteiger?

Swen Schulz: Für einen ganz bestimmten Beruf habe ich mich eigentlich nicht entschieden. Ich habe Politikwissenschaften studiert. Ich wusste nur, dass ich einen Beruf im politischen Bereich machen wollte. Also nicht unbedingt im parteipolitischem Sinne. Das hätte auch eine Tätigkeit bei einer Nichtregierungsorganisation sein können, z.B. eine Umweltorganisation.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Swen Schulz: Für das Studium bzw. den Berufsbereich habe ich mich entschieden, weil ich mich für Politik interessiert habe und mehr lernen wollte über die Prozesse, die dahinter steckten.

YOUNECT: Wie haben Sie Ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Swen Schulz: Oh, da gäbe es viel zu erzählen…aber das würde den Rahmen hier sprengen 😉

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Swen Schulz: Ich würde den gleichen Weg wieder einschlagen. Auch im nachhinein betrachtet war es für mich der richtige Weg.

YOUNECT: Was ich Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Swen Schulz: Mir bereitet es viel Freude, mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt zu treten. Dabei interessieren mich insbesondere die täglichen Probleme, die Ideen und Wünsche der Menschen, denen ich begegne. Deshalb begebe ich mich regelmäßig auf Kümmertour, um die Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises zu treffen und höre zu, welche Probleme oder Anregungen sie haben. Daraus entstehen neue Ideen und die nehme ich mit in den Bundestag. Häufig geht es bei der Kümmertour aber gar nicht um die „große Politik“, sondern um sehr individuelle Sorgen. Oftmals kann ich helfen und unterstützend tätig werden. Allerdings führen gerade diese so scheinbar individuellen Bürgeranliegen aber auch zu grundsätzlichen Fragen der Politik. Nämlich immer dann, wenn es sich im Ergebnis eben nicht nur um Einzelfälle handelt, sondern viele Bürgerinnen und Bürger die Folgen politischer Weichenstellungen spüren.

Was mich an meinem Beruf manchmal stört, ist der eigentlich ständig volle Terminkalender. Der straffe Zeitplan lässt mir leider sehr wenig Raum für meine Tochter, für Freunde und den Sport.

YOUNECT: Wem würden Sie Ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Swen Schulz: Ich würde jedem diesen Beruf empfehlen, der etwas bewegen möchte. Um die Zukunft zu verändern, muss man viel Engagement, Leidenschaft, Ehrgeiz mitbringen. Man sollte neugierig sein und das Bedürfnis haben, stets dazu lernen zu wollen. Und Geduld und Durchhaltevermögen braucht man auch.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über Ihren Berufszweig, mit denen Sie gerne aufräumen würden?

Swen Schulz: Ja. Und zwar würde ich gerne das Vorurteil vom „faulen bürgerfernen Politiker“ aus der Welt schaffen. Das Vorurteil von „denen da oben“, die eh nicht wissen, was „da unten“ vor sich geht. In der Regel arbeite ich, wie die meisten meiner Kollegen, im Durchschnitt 13 Stunden am Tag. Die Arbeit findet nicht von Montag bis Freitag statt, sondern auch Samstag und Sonntag. Ansonsten bin ich auch nur ein Mensch, mit stinknormalen Alltagsproblemen, der ganz normal zum Einkaufen gehen muss oder mal ein Fußballspiel vor dem Fernseher genießt.

YOUNECT: Aus unserer Sicht wir dadurch auch zukünftig ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt notwendig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Swen Schulz: Stimmt, die Ausbildungslandschaft wird immer differenzierter und damit auch unübersichtlicher. Andererseits kann das aber auch neue, interessante Möglichkeiten bieten. Schwierig ist es ja, denn Anfang des Fadens zu finden, also „wo kann ich mich informieren“, „wo kann ich mich beraten lassen“.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Swen Schulz: Ich halte eine Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen für eine wichtige Hilfestellung, um individuelle Neigungen, Interessen und Fähigkeiten bewusst zu fördern und in einen konkreten Berufswunsch umzuwandeln. Damit kann man nicht früh genug anfangen. Wenn man dann ungefähr weiß, in welche Richtung der spätere Beruf gehen soll, kann man z.B. bei Unternehmen oder Betrieben nach einem Schnupper-Praktikum für ein paar Tage fragen, um sich ein besseres Bild machen zu können.

Ich bin für eine verpflichtende Einführung der Berufsorientierung ab der siebten Klasse an den allgemeinbildenden Schulen mit gemeinsamen Qualitätsstandards. Nicht nur an Gymnasien. Die SPD will die Arbeits- und Berufsorientierung in der Schule fest verankern. Sie soll gemeinsam mit einer umfangreichen Beratung und Berufswahlvorbereitung Pflichtangebot sein. Damit soll Schule und Beruf besser verzahnt werden.

Schule ist die richtige Zeit und der richtige Ort für die Berufsorientierung. Aber zusätzliche externe Angebote müssen und sollten sein. YOUNECT ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Swen Schulz: Es ist notwendig, dass sich Jugendliche Rat bei der Berufswahl einholen können. Deshalb wurde das Engagement der Bundesagentur für Arbeit im Bereich der Berufsorientierung deutlich erhöht. Hierbei muss erwähnt werden, dass sich die Schulen und die Wirtschaft als finanzielle und beratende Partner ihrer Verantwortung gegenüber den Jugendlichen bewusst sind. Des Weiteren hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein Pilotprojekt zur Berufsorientierung gestartet. Dieses Projekt ist zunächst auf zwei Jahre bis 2010 befristet und gibt den teilnehmenden Jugendlichen schon während der Schulzeit die Möglichkeit, vor allem im handwerklichen Bereich durch den Besuch einer überbetrieblichen Bildungsstätte berufspraktische Erfahrungen zu sammeln. Diese Maßnahmen halte ich für sinnvolle Angebote, weil sich die Jugendlichen schon während der Schulzeit eingehend informieren und danach die richtige Berufswahl treffen können.

YOUNECT: Ist Ihnen dieses Problem bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzen konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Swen Schulz: Mir persönlich ist momentan kein Ausbildungsbetrieb bekannt, der noch unbesetzte Ausbildungsplätze hat. Sicherlich gibt es solche Betriebe. Aber sicherlich gibt es auch genug junge Menschen, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.

Zumindest oberflächlich betrachtet hat sich der Ausbildungsmarkt entspannt. Dank der guten konjunkturellen Entwicklung und mit Hilfe des Ausbildungspaktes ist es gelungen, die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge insgesamt wieder zu steigern. So konnten in den letzten beiden Jahren wieder deutlich über 600.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Gleichzeitig machen sich seit 2007 auch die rückläufigen Schulabgängerzahlen bemerkbar. Die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber sinkt, wodurch sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage weiter verbesserte.

Trotzdem bleiben strukturelle Lücken im Ausbildungsangebot existent. Die Nachfrage aufgrund der hohen Altbewerberzahl ist immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Deshalb kann von einer durchgreifenden Entspannung auch noch lange nicht die Rede sein. Zudem ist in Folge der Konjunkturkrise mit einer erneuten Anspannung zu rechnen.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Swen Schulz: Die SPD hat sich das Ziel gesetzt, dass der Übergang von der Schule in das Arbeitsleben verbessert werden muss.

Durch den Ausbildungspakt wurde bereits der Grundstein dafür gelegt. Noch im selben Jahr wurde auf unsere Initiative der sogenannte Ausbildungsbonus bis zum Ende des Jahres 2010 als Förderinstrument in das Arbeitsförderungsgesetz verankert. Zusätzlich haben wir uns für eine sogenannte Berufseinstiegsbegleitung stark gemacht, die vor allem leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern beim Übergang von der Schule in das Berufsleben zur Seite stehen. Diese Maßnahmen haben wir bereits umgesetzt, jetzt gilt es auch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten die positiven Ergebnisse zu sichern und möglichst auszubauen.

Gerade auch angesichts der Konjunkturkrise setzen wir uns ein für einen „Schutzschirm für Ausbildung“, der die Auszubildenden, die aufgrund von Insolvenz ihren Ausbildungsplatz verlieren, durch gezielte Maßnahmen auffängt und das Angebot an Ausbildungsplätzen durch öffentlich geförderte Ausbildungsplätze stabilisiert.

Diese Konzepte sind gut und wichtig. Darüber hinaus müssen wir weiterhin dafür sorgen, dass alle jungen Erwachsenen, die älter als zwanzig sind, entweder Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung haben.