Der Berufswunsch Stewardess wich dem Geschichtsstudium – Heute ist Frau Dr. Enkelmann Bundestagsabgeordnete der LINKEN Fraktion

Unsere Reihe „Aus der Politik“ setzen wir heute mit dem Interview mit Frau Dr. Enkelmann fort. Im nachfolgenden Beitrag erfahren Sie mehr über ihre vergangenen Berufswünsche, aktuelle politische Ziele und vieles mehr:

YOUNECT: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Dagmar Enkelmann: Dagmar Enkelmann, Bundestagsabgeordnete und 1. Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion DIE LINKE, Fraktionsvorsitzende der LINKEN in der Stadtverordnetenversammlung in Bernau

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Dagmar Enkelmann: Der Partei DIE LINKE – Wir wollen Deutschland und Europa und sogar die Welt verändern. Wir wollen diese Welt friedlicher und sozial gerechter gestalten.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Dagmar Enkelmann: Ich wollte Stewardess werden – mich reizten die fernen Länder und die Sprachen, die dort gesprochen werden.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Dagmar Enkelmann: Ich habe Geschichte an der Karl-Marx-Universität Leipzig studiert und bin Lehrerin an der Jugendhochschule geworden.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Dagmar Enkelmann: Der Umgang mit Menschen, mit immer anderen und vor allem jungen, die einen zwingen, sich immer wieder ihren Fragen zu stellen.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Dagmar Enkelmann: Sehr intensiv, besonders ist mir meine (Frei)Zeit im Studentenkabarett in Erinnerung. Das nutzt mir heute als Politikerin öfters.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Dagmar Enkelmann: Eindeutig ja.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Dagmar Enkelmann: Der Umgang mit Menschen, die Abwechslung in der Arbeit, der Blick hinter die politischen Kulissen gefallen mir. Die Verlogenheit mancher Berufspolitiker, ihre Abgehobenheit, die eigene Ohnmacht, nicht immer helfen zu können, tun manchmal weh.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Dagmar Enkelmann: Jeder/jedem, die/der etwas ändern möchte in diesem Land, in Europa, in der Welt. Enthusiasmus, Engagement, Ehrlichkeit, Durchhaltevermögen und ein dickes Fell.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Dagmar Enkelmann: Mehr als genug – aber reden hilft nicht, man muss täglich in seiner Arbeit das Gegenteil beweisen beweisen.

YOUNECT: Aus unserer Sicht wird auch zukünftig ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Dagmar Enkelmann: Die öffentlichen Angebote der Berufs- und Bildungsberatung müssen deutlich ausgebaut werden. Dafür sind die Angebote der Berufsinformationszentren und der Arbeitsagenturen auszuweiten. Berufsorientierung muss in den allgemeinbildenden Schulen flächendeckend zum Angebot gehören. Private Anbieter wie YOUNECT können die öffentliche Berufsberatung sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Dagmar Enkelmann: Wir wollen Berufsorientierung als Angebot flächendeckend an allen allgemeinbildenden Schulen, nicht nur an Gymnasien. Ob das Schulfach verpflichtend eingeführt werden soll, bleibt nach einer Einstiegsphase zu überlegen. Derzeit gibt es Berufsorientierung nicht flächendeckend an jeder Schule.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Dagmar Enkelmann: Bundesweit hat sich ein vielfältiges Netz von Institutionen gebildet, die die Berufsorientierung von Jugendlichen in unterschiedlicher Art und Weise unterstützen. Was allerdings fehlt, ist ein flächendeckendes und verlässliches System der Bildungs- und Berufsberatung in öffentlicher Verantwortung. Die Arbeitsagenturen haben in den vergangenen Jahren gerade im Bereich der Beratung dramatisch gekürzt. Stattdessen müsste dieser Bereich deutlich ausgebaut werden, um den Herausforderungen immer vielfältigerer Berufsbiographien und eines sich schnell wandelnden Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Hierzu gehört auch der Aufbau einer mit der Berufsberatung verknüpften Bildungsberatung. Außerdem müssen die Arbeitsbedingungen der Beraterinnen und Berater deutlich verbessert werden. Das Nebeneinander unterschiedlicher Regelkreise in der Beratung (SGB II/III/nicht SGB-gefördert) muss überwunden werden zugunsten einer qualifizierten öffentlichen Beratung, die Erwerbstätigen und Arbeitslosen gleichermaßen offensteht.

YOUNECT: Schon lange beschäftigen sich nicht mehr nur Wissenschaftler, Journalisten und Politiker mit dem aktuellen und zukünftigen Bewerbermangel. Die ZEIT schrieb im Juni 2008, dass es bis 2020 bis zu 170.000 Schulabgänger pro Jahr weniger geben wird – das bedeutet ein Drittel weniger potentielle Auszubildende. Der Präsident des DIHK, Hans H. Driftmann, sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin FOCUS, trotz Krise fehle es nicht an Lehrstellen, sondern an Bewerbern. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sinkt die Anzahl der Lehrstellenbewerber schneller als die der Ausbildungsplätze – auch jetzt in der Krise. Die Bewerberzahl schrumpft damit bereits das dritte Jahr in Folge. (siehe FOKUS)

Ist Ihnen dieses Problem bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Dagmar Enkelmann: Obwohl die Anzahl der Schulabgängerinnen und -abgänger auch dieses Jahr sinkt, suchen noch immer zehntausende von Jugendlichen vergeblich nach einem Ausbildungsplatz. Nur noch jedes vierte Unternehmen bildet aus. Mehr als 300.000 Bewerberinnen und Bewerber sind bereits seit über einem Jahr auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Hunderttausende junge Menschen befinden sich in Warteschleifen ohne berufliche Perspektive.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Dagmar Enkelmann: DIE LINKE tritt für eine Ausbildungsplatzumlage ein. Statt wirkungsloser Versprechen bedarf es endlich bindender Gesetze. Alle Betriebe, die sich nicht an der Ausbildung junger Menschen beteiligen, sollen in einen Fonds einzahlen. Wer ausbildet, erhält hieraus Unterstützung. DIE LINKE kämpft für das Recht aller Jugendlichen auf eine qualifizierte Berufsausbildung.

Die Berufsorientierung muss ebenso wie die öffentlichen Schulen finanziell besser ausgestattet werden, so dass in den Schulen und in den Berufsinformationszentren eine individuelle Berufs- und Bildungsberatung stattfinden kann.