Der Traumberuf wurde Wirklichkeit: Priska Hinz ist Sprecherin für Bildungspolitik

Priska Hinz Bündnis 90 die GrünenUnsere Reihe der Interviews mit Politikern wollen wir nun mit Priska Hinz, Bundestagsabgeordnete der Grünen fortsetzen. Auch sie berichtete uns von ihrer persönlichen Vergangenheit und ihren politischen Zielen…

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Priska Hinz: Mein Name ist Priska Hinz. Ich bin hessische Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Als bildungs- und forschungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion bin ich für alle Bildungsthemen von der Kita bis zur Hochschule verantwortlich. Darüber hinaus kümmere ich mich um Forschungs- und Innovationspolitik sowie um Fragen der Ethik.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Priska Hinz: Wir Grünen setzen uns ganz stark für eine bessere Umwelt- und Klimapolitik ein. Wir wollen erneuerbare Energien konsequent fördern und aus der hochriskanten Atomenergie endlich aussteigen. Das nützt nicht nur der Umwelt, sondern schafft vor allem auch Arbeitsplätze in Deutschland. Denn durch Forschung und Investitionen in hochmoderne Umwelttechnologien können wir wieder weltweit die Nummer eins auf diesem Gebiet werden.

Ganz wichtig ist uns eine bessere Bildungspolitik. Wir brauchen mehr Geld für gute Kitas, Ganztagsschulen mit individueller Förderung und mehr und gebührenfreie Studienplätze. Wir wollen das Recht jedes Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz endlich umsetzen. Damit kein Jugendlicher seine Zeit mehr in Warteschleifen im Übergangssystem verschwenden muss, haben wir das Konzept DualPlus entwickelt.

Um die aktuelle Wirtschaftskrise zu überwinden, wollen wir Grüne 1 Million neue Jobs in der Umwelttechnik, im Bildungssektor und im Pflege- und Gesundheitssystem schaffen. Die soziale Gerechtigkeit in Deutschland muss verbessert werden. Wir schlagen vor, den Hartz IV Satz auf 420 Euro zu erhöhen, einen flächendeckenden Mindestlohn einzuführen und besonders Kinder besser zu unterstützen. Durch eine Steuerreform wollen wir die Vermögenden in Deutschland stärker an der Finanzierung der Staatsaufgaben beteiligen.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Priska Hinz: Meinen Traumberuf als Kind habe ich später auch verwirklicht: Erzieherin. Es war schon immer mein Wunsch, Kinder zu unterstützen ihre Fähigkeiten so gut wie möglich zu entwickeln. Indem ich mich als Bildungspolitikerin für bessere Kitas und Schulen einsetze, bin ich diesem Thema auf anderer Ebene treu geblieben.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Priska Hinz: Meine Ausbildung habe ich an einer Fachschule absolviert, ergänzt durch ein Berufspraktikum im Kinderheim.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Priska Hinz: Siehe Frage 3

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Priska Hinz: Ich habe für damalige Verhältnisse eine sehr gute Ausbildung genossen. Sie war durchaus fordernd und ich habe viel gelernt. Besonders wichtig fand ich in der ansonsten schulischen Ausbildung die Einbeziehung von Praxiserfahrung . Ausgebildet wurde ich in der Marienschule, einer Schule in katholischer Trägerschaft. Die Schwester, die unsere Klasse leitete, konnte wunderbar Sketche spielen. Entsprechend lustig waren dann die Klassenfahrten.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Priska Hinz: Ich glaube, ich würde den gleichen Weg einschlagen. Allerdings würde ich ein Studium zur Erzieherin aufnehmen, um danach bessere Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten zu haben. Angesichts ihrer Verantwortung verdienen Erzieherinnen heutzutage viel zu wenig. Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass sich dies so schnell wie möglich ändert.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Priska Hinz: Der Beruf der ErzieherIn ist vielfältig, kommunikativ und herausfordernd. Allerdings ist er gesellschaftlich unterbewertet.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Priska Hinz: Den Beruf des Erziehers/der Erzieherin würde ich jedem weiterempfehlen, der die Fähigkeit hat, gut mit Menschen umzugehen. Wichtig ist neben der Zuneigung zu Kindern auch, gut auf Eltern eingehen zu können. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, wie Schulen und Beratungsstellen muss gesucht werden . Ganz zentral sind dabei Belastbarkeit und vor allem Geduld.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Priska Hinz: Ein wirklich unzutreffendes Vorurteil besagt, Kindertagesstätten seien nur zum Spielen da und ErzieherInnen müssten nicht viel mehr können als gute Eltern. Im Gegenteil: der Beruf des Erziehers bzw. der Erzieherin ist mit den Jahren immer anspruchsvoller geworden. Heutzutage geht es nicht mehr nur um Kinderbetreuung, sondern vor allem darum, in der entscheidenden frühen Phase die Kinder optimal zu fördern und dabei mit Lehrern, Eltern und dem Jugendamt eng zusammen zu arbeiten.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Priska Hinz: Grundsätzlich bin ich keine Befürworterin eines neuen Schulfachs. Berufsorientierung sollte aber auf jeden Fall einen größeren Stellenwert in der Schule haben. Dabei muss Berufsorientierung sowohl im Unterricht als auch durch einen Kompetenzerwerb in den verschiedensten berufspraktischen Feldern stattfinden. Aus diesem Grund finde ich den Einsatz von Berufsschullehrern in allgemein bildenden Schulen und vermehrte Praktika in Unternehmen und Betrieben sehr sinnvoll.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Priska Hinz: Neben der Verbesserung der Berufsorientierung an Schulen finde ich das in Hamburg entwickelte Modell sehr vielversprechend. Darüber hinaus haben verschiedene Schulen in Hessen zusammen mit den örtlichen Industrie- und Handelskammern Projekte zur Berufsorientierung gestartet, die recht erfolgversprechend erscheinen.

YOUNECT: Ist Ihnen dieses Problem bekannt, dass es derzeitig und auch zukünftig mehr Ausbildungsplätze als Bewerber in Deutschland geben wird? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesen Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Priska Hinz: Die besten Ansprechpartner für unbesetzte Ausbildungsplätze sind nach wie vor die Kammern, die die einzelnen Betriebe und deren Erfordernisse gut kennen.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Priska Hinz: Trotz des einsetzenden demographischen Wandels finden viele Jugendliche nach der Schule immer noch keine passende Lehrstelle. Stattdessen landen sie im sogenannten Übergangssystem oder sind so entmutigt, dass sie gar nicht mehr in der Statistik auftauchen. Dazu kommen die ca 300.000 Altbewerber, die schon seit Jahren auf einen Ausbildungsplatz warten. Um für all diese Jugendlichen das Recht auf Ausbildung verwirklichen zu können, haben wir das Konzept DualPlus entwickelt. Durch den Ausbau von überbetrieblichen Ausbildungsstätten sollen zusätzliche Ausbildungsplätze eingerichtet werden. Dies würde auch kleineren oder spezialisierten Betrieben entgegen kommen, die oft nicht die ganze Bandbreite der praktischen Ausbildung abdecken können. Eine Gliederung der Ausbildung in Lernbausteine würde dafür sorgen, dass in Zukunft keine Qualifizierung im Übergangssystem mehr ohne Anrechnung auf die spätere Ausbildung bleibt.

Um bei in Zukunft sinkenden Bewerberzahlen die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen zu verbessern wollen wir das Bildungssystem grundlegend verbessern. Dazu gehören die Einführung von Ganztagsschulen mit individueller Förderung und das längere gemeinsame Lernen.

Unsere Vorschläge zur Verbesserung der Berufsorientierung habe ich bereits oben genannt. Wichtig dabei ist, dass eine verbesserte Berufsorientierung an allen Schultypen, also auch an Realschulen und Gymnasien eingeführt werden muss.

YOUNECT: Vielen Dank Frau Hinz, für viele interessante Antworten! YOUNECT wünscht Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute!