Dr. Hans-Peter Uhl – vom Traum des Piloten in den Bundestag

dr-uhl-scuIn der Politik ist viel los, und das merken wir auch hier bei YOUNECT. Wir sind positiv überrascht, wieviele Antworten wir bekommen. Wir schaffen es kaum, alle Antworten gleich online zu stellen. Wir bemühen uns dennoch redlich, alle schnellstmöglich zu veröffentlichen und gehen jetzt der Reihe nach, wie sie bei uns eingetroffen sind.

Herr Dr. Hans-Peter Uhl (CSU) war auch so freundlich und hat uns seine Antworten auf unsere Fragen zugesendet. Herr Dr. Uhl ist seit elf Jahren Abgeordneter im Deutschen Bundestag und kommt eigentlich aus der Jura. Der innenpolitische Sprecher, dessen Wahlkreis in der bayrischen Landeshauptstadt München liegt, arbeitet neben seiner Tätigkeit im Bundestag weiterhin als Rechtsanwalt in München.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Dr. Hans-Peter Uhl: Ich gehöre der CSU an, weil die CSU mit ihrer Politik „näher am Menschen“ tief in der Bevölkerung verwurzelt ist. Dabei legt die CSU besonderen Wert auf junge Menschen. Ziel der CSU ist es deshalb, Jugendlichen die besten Startchancen für ihr Leben zu geben. Außerdem zeichnet die CSU-Politik eine klare christlich-soziale Wertordnung aus. Dies macht sie zur Volkspartei mit konservativen Werten und der Kraft zur Zukunft und ist deshalb die politische Heimat für alle Bevölkerungsschichten. Die CSU ist die kraftvolle Stimme Bayerns im Bund und will Europa aktiv mitgestalten.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Dr. Hans-Peter Uhl: Als Kind wollte ich immer Pilot werden. Ich habe schon früh alles inhaliert und aufgesogen, was mit dem Fliegen und der Fliegerei zu tun hat. Die Zeitschrift Flug Revue habe ich regelrecht verschlungen, so dass ich sie am Ende auswendig konnte. Ich kannte die Daten und die Details zu allen Flugzeugtypen, ganz egal ob es zivile oder militärische Maschinen betraf.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Dr. Hans-Peter Uhl: Ich wollte nie Beamter werden, aber genau dieses bin ich geworden. Das hat sich letztlich einfach durch den politischen Bezug und Zusammenhang ergeben.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Dr. Hans-Peter Uhl: Nach dem juristischen Studium, dem Referendariat und der Promotion bin ich in die Finanzverwaltung Bayerns eingetreten. Dies hat mich gereizt, da ich hier eine Zusatzausbildung im Steuerrecht erhalten habe, welche mir dann weitere Optionen eröffnet hat. Mit dieser Zusatzausbildung hätte ich mich nämlich nach einer gewissen Zeit auch als Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer niederlassen können.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Dr. Hans-Peter Uhl: Mein Studium fiel genau in die so genannte Achtundsechziger Zeit. Dabei war ich mit vielen unterschiedlichen Erlebnissen konfrontiert. Am nachhaltigsten blieben mir die zahlreichen Demonstrationen im Gedächtnis. Dabei erinnere ich mich an eine ganz besonders. Der Demonstrationszug zog damals die Münchener Ludwigstrasse entlang Richtung Universität, um diese zu besetzen. Der Rektor hatte sie allerdings wohlweislich verschließen lassen. Doch erpressten die Demonstranten den Pedell mit den Worten „hier ist alles emotional aufgeladen, dass für nichts mehr garantiert werden kann“. Durch diese Drohung erreichten sie die Öffnung der Universität. Noch heute macht mich diese Szene fassungslos.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Dr. Hans-Peter Uhl: Ich würde den Weg noch einmal genauso einschlagen und weitergehen. An der Politik gefällt mir, dass man viele Dinge gestalten kann, dass man ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt ist, und dass man oft in der Lage ist, Missstände zu beheben.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Dr. Hans-Peter Uhl: An der Politik gefällt mir weniger, dass es häufig unsachlich und unfair zugeht, und dass das Verfahren der Entscheidungsfindung nicht besonders effizient ist. Aber das ist der Preis der Demokratie.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Dr. Hans-Peter Uhl: Jedem, der gestalten will, emotional robust veranlagt ist und eine dicke Haut hat oder sich diese zulegen kann.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Dr. Hans-Peter Uhl: Mich stört am öffentlichen Bild der Politiker besonders, dass jedem Politiker – egal welcher Couleur – immer vorgeworfen wird, er sei nur an der Macht interessiert. Das stimmt einfach nicht. Sicher ist es so, dass man Macht braucht, um politische Ziele zum Wohl der Menschen erreichen zu können, doch geht niemand in die Politik allein der Macht wegen. Ich wünsche mir, dass den Leuten bewusst wird, was der Mensch hinter dem Politiker auf sich nimmt, um das Beste für das Gemeinwohl zu erreichen. Der Verlust von Privatheit ist hier das größte Opfer, welches jeder Politiker bringt.

YOUNECT: Aus unserer Sicht wird auch zukünftig ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Dr. Hans-Peter Uhl: Die Aufgabe, Schülern und Schulabgängern den Berufseinstieg zu erleichtern, ist keine, die eine Person alleine bewältigen kann. Hier muss von den Eltern, der Schule, aber auch dem gesamten sozialen Umfeld und der Gesellschaft das Notwendige getan werden. Außerdem muss ein breites Spektrum an Informationsmöglichkeiten angeboten werden.Deshalb begrüße ich besonders Informationsportale wie YOUNECT.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Dr. Hans-Peter Uhl: Die Einführung eines Pflichtfaches zur Berufsorientierung halte ich für wenig zielführend. Die Praxis entscheidet doch letztendlich, ob jemand „seinen“ Beruf findet, sich damit wohlfühlt und ihn gerne macht oder nicht. Ich zweifle daran, dass durch die Theorie in der Schule ein praxisnahes Bild vermittelt werden kann – insbesondere, da heute lebenslanges Lernen mehr denn je von Bedeutung ist. Das traditionelle Berufsbild ist doch längst überholt. Nur die wenigsten werden ihr ganzen Leben lang im gleichen Betrieb arbeiten.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Dr. Hans-Peter Uhl: Wie gesagt, die praxisnahe Berufsorientierung ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Deshalb sollte schon während der Schulzeit Wert auf Praktika gelegt werden. Wer ein Praktikum macht, weiß danach etwas besser, ob der entsprechende Beruf für ihn geeignet ist, oder nicht. Praktika sind auch deshalb besonders erfolgsversprechend, da die Betriebe und Unternehmen häufig aus diesen Maßnahmen heraus ihre künftigen Mitarbeiter rekrutieren. Außerdem erreicht man dadurch einen flexiblen und gerade keinen statischen Übergang von Schule und Beruf.

YOUNECT: Ist Ihnen dieses Problem bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Dr. Hans-Peter Uhl: Die pauschale Behauptung, es gebe ein Ungleichgewicht von Bewerbern und Arbeitsplätzen, stimmt so ja nicht. Gerade die deutsche Wirtschaft klagt zu Beginn eines Ausbildungsjahres regelmäßig darüber, dass sie für ihre Ausbildungsplätze nicht genügend Bewerber findet. Anders sieht es dagegen bei Berufen aus, die als besonders attraktiv gelten und in Mode sind. Dort besteht häufig ein Bewerberüberschuss. Das hängt oft von der jeweiligen Branche ab.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Dr. Hans-Peter Uhl: Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Zahl der Bewerber nicht vom Staat beeinflusst werden kann. Der Großteil der Ausbildungsplätze liegt nun mal im privatwirtschaftlich organisierten Bereich. Die Bewerber müssen sich deshalb an der Situation am Markt orientieren. So gehr es aber nicht nur Auszubildenden, sondern auch Studenten. Nicht umsonst gibt es in den sogenannten NC-Studienfächern Zulassungsbeschränkungen.

YOUNECT: Wir bedanken uns recht herzlich bei Herrn Dr. Hans-Peter Uhl für die Zeit, die er sich genommen hat um uns diese Fragen zu beantworten.