Freiwilliger Feuerlöscher in der Politik: Holger Haibach, Bundestagsabgeordneter der CDU steht YOUNECT Rede und Antwort

In unserer Kategorie „Aus der Politik“ gibt es inzwischen täglich News. Das Interview mit Herrn Haibach (CDU) komplettiert unsere Reihe dahingehend, dass nun Antworten aus allen Fraktionen des deutschen Bundestags vertreten sind: SPD, DIE LINKE, Bündnis 90/DIE GRÜNEN, FDP und CDU.

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Holger Haibach: Mein Name ist Holger Haibach, ich bin 37 Jahre alt und komme aus dem Hochtaunuskreis in Hessen. Seit 2002 bin ich direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Hochtaunus-Oberlahn.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Holger Haibach: Ich bin seit vielen Jahren Mitglied der CDU. Unser Ziel ist es, die soziale Marktwirtschaft zum Wohle aller Menschen in Deutschland weiterzuentwickeln. Für uns stehen wirtschaftliche und soziale Sicherheit, gute Bildungschancen für junge Menschen und eine Außenpolitik für Frieden, Demokratie und Menschenrechte im Vordergrund.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Holger Haibach: Feuerwehrmann, da man den Menschen hier direkt und gezielt helfen kann. Noch heute bin ich bei der Freiwilligen Feuerwehr in meinem Heimatort Weilrod aktiv und im Einsatz.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder sind Sie ein Quereinsteiger?

Holger Haibach: Ich habe nach dem Abitur in Gießen Geschichte und Latein für das Lehramt studiert und mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen. Nach dem Studium habe ich jedoch nicht ins Referendariat gewechselt, sondern wurde Büroleiter des damaligen Landrats des Hochtaunuskreises und habe in der Verwaltung des Landkreises gearbeitet. Zur Politik bin ich durch meine Familie gekommen. Wir haben zu Hause immer über Politik gesprochen und ich habe schon früh angefangen, mich für Kommunalpolitik und insbesondere Jugendpolitik zu interessieren.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Holger Haibach: Ich habe nie geplant, Politiker zu werden. Dies hat sich so im Laufe einiger Jahre ergeben, obwohl ich nie damit gerechnet hatte, Bundestagsabgeordneter zu werden. Aber gerade dies hat es für mich so spannend gemacht und meine Neugierde geweckt.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Holger Haibach: Ich habe eigentlich gerne studiert, denn ich traf interessante Mitstudenten und Dozenten und habe das Studium nie als Belastung empfunden. Ich habe es jedenfalls in guter Erinnerung gehalten und möchte die Erfahrungen dieser Zeit heute nicht missen.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Holger Haibach: Ich glaube, ich würde diesen Weg wieder gehen, denn ich habe ihn stets als interessant und richtig empfunden.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Holger Haibach: Ich finde es sehr spannend, ständig andere Menschen zu treffen und neue Personen kennenzulernen. Dies heißt jedoch auch, dass man als Abgeordneter nur sehr wenig Freizeit hat und der eigene Tagesplan oftmals von Terminen bestimmt ist, die man kaum selbst beeinflussen kann. Aber daran gewöhnt man sich und richtet sein Leben daran aus, so dass noch immer Freiräume für private Kontakte zu Familie und Freunden bleiben.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Holger Haibach: Politiker kann eigentlich jeder werden, der sich für die Menschen und unsere soziale Gemeinschaft interessiert. Man sollte allerdings nicht zu verschlossen sein, sondern eher offen und auf die Leute zugehen und Probleme angehen können. Wenn man dies kann und will, kann auch sich in das „Abenteuer Politik“ stürzen.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Holger Haibach: Oft wird behauptet, Politiker seien faul und würden zu viel verdienen. Dies behaupten jedoch zumeist die Leute, die nie selbst politisch tätig waren und keine Verantwortung in unserem Land übernommen haben. Als Bundestagsabgeordneter gibt es keine 39-Stunden-Woche und ein freies Wochenende kommt so gut wie nie vor. Wenn andere Arbeitnehmer am Wochenende frei haben und sich um ihre Familie, Freunde oder auch Hobbys kümmern können, sind Politiker noch unterwegs, um Menschen zu treffen, Gespräche zu führen und vielleicht auch bei der Lösung aktueller Probleme mitzuwirken.

YOUNECT: Natürlich möchten wir auch etwas über Ihre politischen Ziele und Pläne erfahren. Da YOUNECT Jugendlichen Berufsorientierung bietet, sie bei ihrer Berufswahl unterstützt und in Ausbildungsverhältnisse vermittelt, interessiert uns natürlich Ihre Einstellung zum Thema „Berufsorientierung und Ausbildung“. Im Rahmen der aktuellen Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu den Auswirkungen der demografischen Entwicklungen auf die berufliche Ausbildung wurden Experten der beruflichen Bildung aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen befragt. Mehr als die Hälfte der Experten teilt die Auffassung, dass es zukünftig zu einer stärkeren Diversifizierung der Ausbildungslandschaft in Deutschland kommen wird. Die Ursache sehen die Experten in der zunehmenden Modularisierung und der steigenden Konkurrenz mit den Hochschulen sowie in der Zunahme betriebspraktischer Anteile in vollzeitschulischen Ausbildungsgängen.

Aus unserer Sicht wird dadurch auch zukünftig ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Holger Haibach: Grundsätzlich halte ich diese Idee für sinnvoll, denn viele Jugendliche wissen am Ende ihrer Schullaufbahn nicht, welchen Beruf sie wählen sollen. Da könnte ein solches Schulfach sicherlich bei der Orientierung helfen. Dies sollte aber nicht auf Gymnasiasten beschränkt sein, sondern allen Schülern ermöglicht werden. Gerade Haupt- und Realschülern benötigen auch Hilfe und Unterstützung bei der Auswahl und Bewerbung um einen Ausbildungsplatz. In einem solchen Fach könnten z.B. Berufe vorgestellt und Bewerbungstrainings durchgeführt werden. Damit würde manchem Jugendlichen der Berufseinstieg erleichtert werden.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Holger Haibach: Neben einem solchen neuen Unterrichtsfach halte ich vor allem Praktika in Unternehmen und anderen Ausbildungsstätten für sinnvoll. Da können die Jugendlichen reinschnuppern, was sie interessieren könnte. Daneben gibt es natürlich auch „Ausbildungsmessen“, die häufig von den Arbeitsagenturen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und anderen sozialen Trägern angeboten werden. Auch die Junge Union in meinem Wahlkreis führt regelmäßig mit der IHK eine solche Ausbildungsmesse durch, um Jugendliche für unterschiedliche Berufe zu interessieren. Ich unterstütze es nachdrücklich, wenn sich auch die Parteien und ihre Jugendorganisationen um die jungen Menschen kümmern und solche Messen oder Jobbörsen durchführen. Durch die zahlreichen persönlichen Kontakte lassen sich sicherlich manche Ausbildungsplätze direkt vermitteln.

YOUNECT: Schon lange beschäftigen sich nicht mehr nur Wissenschaftler, Journalisten und Politiker mit dem aktuellen und zukünftigen Bewerbermangel. Die ZEIT schrieb im Juni 2008, dass es bis 2020 bis zu 170.000 Schulabgänger pro Jahr weniger geben wird – das bedeutet ein Drittel weniger potentielle Auszubildende. Der Präsident des DIHK, Hans H. Driftmann, sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin FOCUS, trotz Krise fehle es nicht an Lehrstellen, sondern an Bewerbern. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sinkt die Anzahl der Lehrstellenbewerber schneller als die der Ausbildungsplätze – auch jetzt in der Krise. Die Bewerberzahl schrumpft damit bereits das dritte Jahr in Folge. (siehe FOKUS)

Ist Ihnen dieses Problem bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Holger Haibach: Das Problem, dass Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, weil es zu wenige geeignete Bewerber gibt, kenne ich gut. Wiederholt haben auch Unternehmen in meinem Wahlkreis darüber berichtet, dass sie Schwierigkeiten haben, einen Auszubildenden zu finden, der sich für einen Beruf interessiert und auch die notwendigen schulischen Qualifikationen mitbringt. Aktuell ist mir aber kein Fall bekannt, den ich hier nennen könnte.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Holger Haibach: Natürlich können wir keine Betriebe dazu zwingen, Auszubildende einzustellen, wenn keine Arbeit gibt und Unternehmen bereits in einer wirtschaftlich schwierigen Lage sind. Aber wir suchen immer wieder den Kontakt zu gesunden Unternehmen und ermuntern sie, Jugendliche einzustellen und damit auch die Fachkräfte für die kommenden Jahre zu schaffen. Wer klug ist und eine nachhaltige Unternehmenspolitik will, der schafft es auch, in schwierigeren Zeiten Fachkräfte auszubilden und damit den Grundstock für seinen wirtschaftlichen Erfolg zu legen.

Ausbildungsbeihilfen der Arbeitsagenturen können sicherlich helfen, eine Talsohle zu durchschreiten und damit die Ausbildungsplätze in den Unternehmen zu sichern. Ich persönlich setze vor allem auf direkte Kontakte und lokale Bündnisse zwischen Arbeitgebern, Schulen und Arbeitsagenturen. Hier kann es keine deutschlandweite Lösung geben. Die Beteiligten vor Ort wissen oftmals viel eher, wo noch freie Ausbildungsplätze sind und wer als geeigneter Bewerber in Frage kommt. Darauf müssen wir noch mehr als bisher setzen, wenn wir die Ausbildungsprobleme lösen wollen.

Im Übrigen hat sich meine Partei in ihrem „Regierungsprogramm 2009-2013“ klar zu den Zielen am Arbeits- und Ausbildungsmarkt positioniert:

„Eine gute Ausbildung ist die beste Vorsorge gegen Arbeitslosigkeit. Unser duales Ausbildungssystem hat in Deutschland einen entscheidenden Beitrag zu einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten unter Jugendlichen im europäischen Vergleich geleistet. Die berufliche Ausbildung in Schule und Betrieb bietet jungen Menschen Einstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Neue Ausbildungsplätze bleiben auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten unser vorrangiges Ziel. Wir wollen den erfolgreichen Ausbildungspakt mit der Wirtschaft über 2010 hinaus fortführen. Jeder junge Mensch muss die Chance auf einen Ausbildungsplatz erhalten. Das bewährte duale System wollen wir durch die kontinuierliche Fortentwicklung der Ausbildungsberufe an veränderte wirtschaftliche und technologische Anforderungen anpassen.“

YOUNECT: Vielen Dank Herr Haibach! Auch Ihnen wünschen wir für Ihre berufliche und private Zukunft nur das Beste.