Er hat lange Zeit als Lehrer gearbeitet, aber nie an Schulen unterrichtet: Stefan Schwan, Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Im heutigen Interview möchte ich Ihnen Stefan Schwan, Bundestagskandidat für Bündnis 90 / Die Grünen, vorstellen. Zur Zeit ist er EU-Referent an der Universität Paderborn. Dort beschäftigt er sich mit der Antragstellung für EU-Pojekte, der finanziellen Abwicklung und der Beratung von Projektleitern. Über das Business-Netzwerk Xing haben wir Herrn Schwan angesprochen und er ist unserer Bitte gefolgt und hat unsere Fragen zu seinem persönlichen Berufsweg sowie seinen bildungspolitischen Zielen und Plänen beantwortet.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Stefan Schwan: Bündnis 90 / Die Grünen

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Stefan Schwan: Außenminister oder zumindest doch Diplomat: Man kommt viel in der Welt rum, man braucht viel Gespühr für das Miteinander auf der Welt und man kann Dinge verändern.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Stefan Schwan: Ich habe zuerst lange als Deutschlehrer für Ausländer gearbeitet und im Ausland Deutsch unterrichtet, u.a. am Goethe Institut. Zwischendurch habe ich aber auch immer wieder etwas mit der Organsiation und dem Management von Veranstaltungen und Organisationen zu tun gehabt. So habe ich z.B. auch als Office Manager für das ZDF oder als Projektleiter für verschiedene Projekte gearbeitet. Ich war sehr lange und viel im Ausland in verschiedenen Ländern. Für meinen jetzigen Beruf gibt es kein Studium oder eine Ausbildung.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Stefan Schwan: Für den Beruf, den ich jetzt ausübe? Internationalität.

Für den Beruf, auf den ich in meinem ersten Studium studiert habe: Meine Lieblingsfächer in der Schule und private Hobbys, da passte Lehrer. Ich habe dann aber im Studium ganz schnell umgesattelt von Lehramt auf Master und später auch noch einen MBA gemacht.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Stefan Schwan: Das pädagogische Begleitstudium für das Lehramt war schrecklich. Ich erinnere mich an ein Referat, der ganze Saal voller Lehramtsstudenten, keiner wollte ein Referat halten. Dann habe ich mich mit zwei Kommilitonen freiwillig gemeldet. Der Erste war gar kein Lehramtsstudent, sondern studierte nur zum Spaß Pädagogik, der Zweite hatte Biologie studiert und auch schon gearbeitet und sattelte auf Lehrer um und ich war gerade dabei, mich mental vom Lehramt zu verabschieden. Wir haben ein tolles Referat hingelegt, der Rest der Referate war schrecklich. Da wusste ich: Ich werde kein Lehrer. Als Abschluss habe ich einen Master gemacht und dann zwar doch noch eine Zeit als Lehrer gearbeitet, aber im Ausland und nie in der Schule.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Stefan Schwan: Manchmal ein bisschen viel Verwaltung, aber generell finde ich das internationale Umfeld toll. Außerdem mag ich es, andere zu beraten.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Stefan Schwan: Internationales Interesse, Begeisterung für die EU, solides Zahlenverständnis, die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.

YOUNECT: Aus unserer Sicht wird zukünftig ein immer umfassenderes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Stefan Schwan: Bessere Beratung ist auf jeden Fall wichtig. Da ich selber in meinem Beruf sehr viel andere Leute beraten muss, sehe ich, wie viel sich durch gute Beratung erreichen lässt. Hier kommt den Schulen natürlich eine wichtige Aufgabe zu. Aber vielleicht braucht man auch mehr professionelle Beratungszentren. Der Arbeitsagentur traue ich hier leider sehr wenig zu.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Stefan Schwan: Als Schulfach halte ich das für völlig übertrieben. Aber profesionelle Beratung in Form von Beratungszentren und Beratungsveranstaltungen in die Schule zu verlagern, ist durchaus richtig. Diese Beratung können meines Erachtens weder Lehrer noch die Arbeitsagentur ausreichend leisten.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Kaum.

YOUNECT: Ist Ihnen dieses Problem bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Stefan Schwan: Ja, auf jeden Fall, das ist ja kein so neues Problem. Konkret kann ich jetzt kein Unternehmen mit Anprechpartner benennen.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Stefan Schwan: Beratung im o.g. Sinne, Umgestaltung des Schulsystems, Auflösung der Dreigeteiltheit, Ganztagsgesamtschulen, in die Beratungsangebote selbstverständlich integriert sind, zwei Lehrer pro Klasse (wie in Skandidnavien), so dass individueller auf die Bedüfnisse von Schülern eingegangene werden kann usw.

YOUNECT: Vielen Dank Herr Schwan, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere vielen Fragen zu beantworten. Auch Ihnen wünschen wir für die berufliche wie auch private Zukunft alles erdenklich Gute!