„Ich wollte immer eine Pflanze entwickeln, die so schnell wächst, dass alle satt werden“ Markus Lochmann, FDP

Markus Lochmann ist Webmaster der FDP in Baden-Württemberg und der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg. Auch er beantworte uns unsere Fragen zu seinem eigenen Bildungsweg und seinen beruflichen Träumen. Die  Ausführungen zu den bildungspolitischen Fragen erstellte er mit freundlicher Unterstützung der Landtagsfraktion, und dort Frau Birgit Arnold, der bildungspolitischen Sprecherin.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Markus Lochmann: Ich bin in der FDP. Die FDP ist die Partei der individuellen Freiheit. Wir glauben an die Freiheit des Einzelnen und an den Staat als Rahmengeber.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Markus Lochmann: Als ich klein war, gab es in Indien schwere Hungersnöte. Ich wollte immer eine Pflanze entwickeln, die so schnell wächst, dass alle satt werden.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Markus Lochmann: Ich habe zunächst Lebensmitteltechnologie studiert, habe dann aber mein Hobby Computer zum Beruf gemacht und Kommunikationswissenschaften, Journalistik und IT-Technologie an der Universität Hohenheim studiert.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Markus Lochmann: Ich programmiere Computer seit ich 14 bin und wollte schon immer etwas mit Medien machen.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Markus Lochmann: Meine Ausbildung hat extrem lange gedauert, weil ich in zwei Ländern alles doppelt machen musste (Realschule, Abitur, Studium). Allerdings habe ich dann auch ein Abi mit 1,0 gemacht.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Markus Lochmann: Ich würde einige Abkürzungen nehmen, mich bei Stiftungen bewerben, weniger nebenher arbeiten – und mit mehr Mut das studieren, was mich im Innersten berührt: Physik, Politik, Philosophie und Informatik.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Markus Lochmann: Ich mag an der IT, dass sie sich ständig verändert. Man muss immer Neues lernen. Das hält geistig fit. Ich mag an der Politik, dass sie gestalten kann. Ich mag an den Medien, dass man Menschen erreicht und Meinungen formen kann. Manchmal ist das politische System eklatant langsamer als die IT-Wirtschaft. Da braucht man dann viel Geduld.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Markus Lochmann: In meinem Job muss man sowohl inhaltlich als auch technisch denken können. Man muss ein Gespür für das politische Geschehen und gleichzeitig seine Fühler in der schnelllebigen Computerwelt haben. Jemand, der diesen Job machen will, muss selbständig arbeiten und sich eigenständig neues Wissen aneignen können. Er/sie sollte außerdem visuell/ästhetisch gestalten können und Texte artikulieren. Der Job kennt keinen Achtstundentag und ist nichts für jemanden, der Sicherheit vor Freiheit stellt.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Ja, wir sitzen nicht im Keller am Unix-Server vor lauter leeren Coladosen und Pizzaschachteln… und wir reden auch nicht immer Informatiker-Denglisch.

YOUNECT: Natürlich möchten wir Ihnen auch ein paar politische Fragen stellen. Da uns von YOUNECT vorallem die Themen Berufsorientierung und Ausbildung interessieren, soll es vorwiegend darum gehen.

Aus unserer Sicht wird zukünftig ein immer umfassenderes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Birgit Arnold: Natürlich brauchen wir auch in Zukunft ein umfassendes Informationsangebot für junge Menschen über die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten, zumal viele junge Menschen von den vielen hundert Ausbildungsberufen, die es gibt, immer nur einige wenige in Betracht ziehen, und das dann auch noch aus geschlechtsspezifischer Sicht.

Die Aufgabe der Information wird heute schon von einer ganzen Reihe von Akteuren wahrgenommen – die Arbeitsagenturen, die IHK und Handwerkskammern, örtliche Ausbildungsbörsen wie die „Jobs for future“ in Mannheim z.B. oder ehrenamtlich tätige Vereine, die dabei vor allem Hauptschülern unter die Arme greifen wie z.B. der „Weinheimer Unterstützerkreis Berufsstart“. Auch die Ministerien, bei uns das Wirtschaftsministerium und Sozialministerium, haben hier Aktionen und Programme, auch, um von der geschlechtsspezifischen Auswahl wegzukommen (siehe die entsprechenden Homepages). Das Problem ist nicht so sehr die Information überhaupt, sondern die Fülle von Akteuren, die so etwas anbieten – hier müsste in irgendeiner Form eine Übersicht möglich sein. Die genannte Plattform kenne ich (Frau Dr. Arnold) nicht.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Birgit Arnold: Wir haben an unseren Schulen verschiedene Möglichkeiten, den jungen Leuten die Berufswelt nahe zu bringen – das sind z. B. Praktika wie „BORS“ an den Realschulen und „BOGY“ an den Gymnasien, die für die Schüler Pflicht sind (siehe Infos dazu beim Kultusministerium). Die neue Werkrealschule, die ab dem Schuljahr 2010/11 auf Antrag der Schulträger realisiert werden kann, setzt ganz stark auf eine frühe und intensive berufliche Orientierung mit der Kompetenzanalyse für alle Schüler in Klasse 7, mit der Wahl eines (berufsorientierenden) Wahlpflichtfaches „Natur und Technik“, „Wirtschaft und Informationstechnik“, „Gesundheit und Soziales“ in den Klassen 8 und 9 und mit der engen Zusammenarbeit mit der (zweijährigen) Berufsfachschule in Klasse 10 – die Schüler sind dann drei Tage in der Woche in der WRS und zwei Tage in der BFS und bekommen dort das erste berufsfachliche Jahr dieser Schulart vermittelt. Deshalb sehen wir zurzeit keine Notwendigkeit, ein weiteres verpflichtendes Schulfach „Berufsorientierung“ einzuführen.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder statt dessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Birgit Arnold: Auch hier gilt, was ich eben schon gesagt habe – es gibt vielfältige Formen der Unterstützung (auch im Ehrenamt sind in dieser Frage in vielen Städten und Gemeinden Menschen aktiv), für Hauptschüler z.B. auch das „KÜM“, das Kooperative Übergangsmanagement der Metropolregion Rhein-Neckar – hier ist eine ganze Region mit allen betroffenen Akteuren in Aktion, um für Hauptschüler den Berufsstart zu verbessern.

YOUNECT: Ist Ihnen das Problem des Bewerbermangels auf dem Ausbildungsmarkt bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Birgit Arnold: Natürlich ist uns das Problem bekannt. Der baden-württembergische Handwerkstag hat in einer seiner letzten Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass viele Lehrstellen nicht besetzt werden können – hier ist das Problem aber vor allem die mangelnde Ausbildungsfähigkeit der jungen Leute. Genau darauf zielt ja auch die neue Werkrealschule, die eine möglichst frühe und intensive Berufsorientierung mit der Kombination eines mittleren Bildungsabschlusses verbindet.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Birgit Arnold: Die demographische Entwicklung können wir, wenn überhaupt, nur langfristig beeinflussen – eine familienfreundliche Kommunal- und Landespolitik, familienfreundliche Arbeitsplätze, eine andere Einwanderungspolitik, eine familienfreundliche Steuerpolitik etc. – mehr dazu auch in den entsprechenden Wahlprogrammen.

YOUNECT: Vielen Dank Herr Lochmann und Frau Arnold, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen so ausführlich zu beantworten. Wir wünschen Ihnen beiden für Ihre berufliche wie auch private Zukunft alles Gute!