Julia Marg fordert Mindestlohn, Besteuerung von Reichtum und mehr Geld für Bildung

Dem Business-Netzwerk XING sei Dank, dort hat Julia Marg, DIE LINKE, unsere Fragen beantwortet. Julia Marg hat selbst Erfahrungen mit Bewerbungstrainings für Jugendliche gesammelt, bevor sie in Münster und Leipzig studiert hat. Auch sie antwortet aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz und stellt gleichzeitig ihre politischen Ideen und Forderungen dar.

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Julia Marg: Ich heiße Julia Marg, bin 30 Jahre alt und Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin. Seit Dezember 2008 arbeite ich der Bundesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE in Berlin. Angestellt bin ich hier im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, in dem ich hauptsächlich mit klassischen PR-Tätigkeiten beschäftigt bin. Das heißt: Koordination mit unserer Kreativ- und Grafik-Agentur zur Gestaltung von Plakaten, Flyern und anderen Publikationen, Betreuung der Online-Communitys und Durchführung von verschiedenen Aktionen. Während des Wahlkampfes arbeite ich sowohl der Leiterin des WahlQuartiers Claudia Gohde als auch dem Leiter des Output-Bereiches Mark Seibert zu.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Julia Marg: Ich gehöre der Partei DIE LINKE an, die sich für soziale Gerechtigkeit und Solidarität einsetzt. Zu unseren zentralen politischen Themenbereichen gehören aber auch Frieden und Demokratie. Einige Forderungen sind zum Beispiel die Einführung eines Mindestlohns, Besteuerung von Reichtum, Abzug aus Afghanistan und mehr Geld für Bildung.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Julia Marg: Ich wollte immer Schriftstellerin werden. Ich habe mir Geschichten ausgedacht und für mich und meine Geschwister eine eigene Phanatsiewelt geschaffen. Ich habe immer davon geträumt meine Bücher irgendwann in den Regalen der Buchläden zu finden. Später wollte ich dann Psychologin werden…..

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein Quereinsteiger?

Julia Marg: Nach verschiedenen Jobs im sozialen Bereich, habe ich 2001 in Münster begonnen Medien- und kommunikationswissenschaften, Soziologie und Psycholgie zu studieren. In dieser Zeit habe ich im münsteraner AStA meine ersten Erfahrungen in der Politik gemacht. 2005 bin ich nach Leipzig gewechselt. Zum einen, um noch einmal eine andere Stadt kennenzulernen, aber vor allem auch, um mich dort auf Öffentlichkeitsarbeit/PR zu spezialisieren. Unter den beiden Professoren Günter Bentele und Ansgar Zerfaß sowie zahlreichen Praktikern aus der PR lernte ich das Handwerk und die Wissenschaft der Public Relations. Zum Ende meines Studiums spezialisierte ich mich nach Erfahrungen bei amnesty international und Greenpeace auf Non-Profit-PR.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Julia Marg: Der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit vereint alles, was mir Spaß macht: Schreiben, Kreativität, Organisation und Koordination, Reden und die Arbeit mit Menschen. Für mich ist es aber wichtig, Inhalte und Meinungen nach Außen zu kommunizieren, die ich auch vertreten kann. Diese Möglichkeit liefert mir der Non-Profit-Bereich, den ich durch verschiedene Praktika kennenlernen konnte.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Julia Marg: Mein Studium war mit viel Spaß, politischem Engagement und spannenden Diskussionen verbunden. Immer wieder habe ich neue Richtungen ausprobiert und wieder aufgegeben. Einmal war es der Hörfunkjournalismus, ein anderes Mal die Gründung einer eigenen politischen Liste. Aufregend war auch, als ich die Organisation einer Party für den StuRa Leipzig bzw. für die Fachschaftsräte der sozialwissenschaftlichen Fakultät übernahm. Ein Freibad, fünf Bands, literweise Bier und über 1.000 feierfreudige Studierende….. Diese und viele weitere praktische Aktivitäten außerhalb der Seminare und Vorlesungen haben mich mehr gelehrt als mir ein Studium nach Plan hätte bringen können.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Julia Marg: Ich habe alle meine Entscheidungen immer nur für mich und aus dem Bauch getroffen. Vielleicht waren sie nicht immer ganz durchdacht, aber bereut habe ich sie nie. Hätten sie mich vor ein paar Jahren gefragt, wo ich mich heute sehen würde, hätte ich bestimmt ein anderes Bild gezeichnet. Fragen sie mich jetzt, würde ich sagen, ich bin beruflich genau da, wo ich sein möchte. In einigen Jahren bin ich aber vielleicht wieder ganz woanders.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Julia Marg: Ich habe viel Freiheit, dass zu tun, was ich für richtig halte. Am Anfang verunsicherte mich diese Freiheit, gab mir nicht genug Halt. Mann und Frau braucht Selbstbewußtsein, um in dieser Branche Fuß zu fassen. Als Vermittlungsstelle zwischen politischen Überzeugungen und praktischer Umsetzung muss ich häufig auch unangenehme Situationen meistern. Hier bei der LINKEN aber auch in vielen andern Non-Profit-Bereichen, geht das Ideal und der Einsatz immer vor. Das heißt oft lange Arbeitszeiten und Einsatz am Wochenende.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Julia Marg: Wie schon gesagt, Selbstbewußtsein und Spaß am Umgang mit auch manchmal schwierigen Menschen ist Voraussetzung, um in der politischen Öffentlichkeitsarbeit zu arbeiten. Außerdem Kreativität, Einsatzbereitschaft und diplomatisches Gespür, Interesse an Politik und Gesellschaft und verschiedene Softskills. Menschen, die nicht immer nur an den Lippen der Lehrer hingen, sondern auch mal nach links und rechts geschaut haben, werden mit der geforderten Eigenständigkeit besser umgehen können.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Julia Marg: PR-Fachleute sind keine Lügnerinnen oder Lügner, die die Wahrheit so verdrehen, wie sie ihnen passt. Sie sind auch keine reinen Sprachrohre, die nur das weitergeben, was ihnen aufgeschrieben wurde. Die Öffentlichkeitsabteilung arbeitet, gerade in der politischen Kommunikation, mit an der politischen Willensbildung einer Gesellschaft. Sie vermittelt kompliziete politische Inhalte so, dass sie jede und jeder verstehen kann und unterstützt die Politikerinnen und Politiker in ihrer Arbeit.

YOUNECT: Aus unserer Sicht wird dadurch auch zukünftig ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Julia Marg: Die starke Differenzierung war schon vor Jahren absehbar, als die Einführung des Bachelor/Master-Systems an den Unis geplant wurde. Studiengänge mit unverständlichen Titeln und unklaren Modualitäten schießen seitdem aus dem Boden. Um dieses schwierige System zu verstehen müssen Schulen und Universitäten ihre Beratungsstellen ausbauen. Abiturientinnen und Abiturienten müssen frühzeitig an die Hand genommen werden.
Natürlich können ihnen Plattformen wie die YOUNECT bei diesem schwierigen Weg helfen, aber die Verantwortung liegt meiner Meinung nach an anderer Stelle.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Julia Marg: Tendenziell gut. Ich bin jedoch skeptisch, was eine zusätzliche Stundenbelastung für Schülerinnen und Schüler angeht. „Verpflichtend“ ist dabei veilleicht nicht der richtige Weg. Ein qualifiziertes Beratungsangebot auf freiwilliger Basis an Schulen und Hochschulen ist sicher sinnvoll. Egal in welche Richtung eine Beratung gewährleistet wird – in die Bildung muss mehr Geld investiert werden.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder statt dessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Julia Marg: Während meiner Arbeit im Jugendtreff, haben wir regelmäßig Beratungstermine und Bewerbungstrainings angeboten. Ich weiß, dass in diesem Bereich viele Jugendeinrichtungen aktiv sind, aber auch hier fehlt es häufig an Mitteln für Personal und Einrichtung. Wir müssen uns die Frage stellen, in was oder wen wir investieren wollen: in Banken oder in Bildung, in die Aktionäre oder in unsere Kinder.

Mit den besten Grüßen, Julia Marg

YOUNECT: Danke, Julia Marg, für klare Antworten. Wir wünschen Ihnen freudige Schaffenskraft für die Umsetzung guter Rahmenbedingungen für eine gute Bildung für unsere Kinder und Jugendlichen.