Jurist mit Humor: Max Stadler, Bundestagsabgeordneter der FDP, im Interview mit YOUNECT

Auch Max Stadler, Bundestagsabgeordneter der FDP, beantwortete unsere Fragen zur persönlichen Vergangenheit und zu politischen Zielen. Vielen Dank dafür! Natürlich wollen wir Ihnen dieses Interview nicht vorenthalten. Lesen Sie in diesem Blog-Artikel das YOUNECT-Interview mit Max Stadler:

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf üben Sie aus? Welche Position besetzen Sie genau?

Max Stadler: Mein Name ist Max Stadler. Ich komme aus Passau, bin 60 Jahre alt und gehöre seit 1994 dem Deutschen Bundestag als Mitglied der FDP-Fraktion an. Zuvor habe ich als Richter bei der Justiz in Bayern gearbeitet. Derzeit bin ich stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestags.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Max Stadler: Als FDP-Mitglied geht es mir vor allem um den Schutz der Bürgerrechte. Deshalb habe ich mich im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags engagiert. Zudem leite ich das Parlamentarische Kontrollgremium zur Kontrolle der Geheimdienste. Für viele Menschen steht aber die Frage im Vordergrund, wie wir aus der Wirtschaftskrise herauskommen. Das geht nicht, wenn wir die Menschen finanziell immer stärker belasten. Die FDP steht daher für faire Steuersätze und eine grundlegende Vereinfachung des Steuerrechts. Das schafft den dringend benötigten finanziellen Spielraum für Bürger und Unternehmen: Für mehr privaten Konsum, für Vorsorge für Alter, Gesundheit und Pflege, als Impuls für Wachstum und Investitionen. Die FDP will, dass sich Arbeit wieder lohnt, Bildung wieder Bürgerrecht wird, Freiheit gestärkt wird und Bürgerrechte wieder geschützt werden. Leistungsgerechtigkeit, Weltoffenheit und Toleranz, dafür stehen wir Liberalen.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Max Stadler: Ich wollte gerne Journalist werden. Es ist eine reizvolle Aufgabe, anderen Menschen Geschehnisse zu vermitteln. Im Laufe der Zeit setzte sich aber der Wunsch durch, selber gestaltend an der Politik mitzuwirken.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder sind Sie ein Quereinsteiger?

Max Stadler: Ich habe Jura studiert, promoviert und als Staatsanwalt und Richter gearbeitet. Ferner war ich Lehrbeauftragter an der Universität.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Max Stadler: Mein Sozialkundelehrer am Gymnasium. Er war später selber Abgeordneter.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Max Stadler: Die Juristischen Staatsexamina waren nicht einfach. Bei einer Klausur hatte ich Glück, dass ich gerade das Buch des Wirtschaftsjournalisten Walter Slotosch gelesen hatte: „Das Geld, mit dem wir leben müssen.“ Im Examen ging es bei einer Klausur um die Frage, ob Inflation oder Arbeitslosigkeit schlimmer sei. Ich orientierte mich an dem gerade gelesenen Buch und erhielt in dieser Klausur die Note „sehr gut“. Das hat den Gesamtdurchschnitt deutlich gehoben. Später war ich selber Prüfer im Examen und fühlte mich in dieser Rolle wohler als vorher als Kandidat.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Max Stadler: Ich würde denselben Weg wählen. Aber dass das Jurastudium reformbedürftig ist, weiß man seit vier Jahrzehnten.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Max Stadler: Als Jurist lernt man, Pro und Contra abzuwägen, das ist gut. Dadurch neigt man aber auch dazu, sich nicht schnell entscheiden zu können.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Max Stadler: Man muss Interesse für die Probleme anderer Menschen mitbringen und bereit sein, Emotionen zurückzustellen und statt dessen nüchtern zu denken.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Max Stadler: Mit dem Vorurteil, dass Juristen keinen Humor haben.

YOUNECT: Natürlich möchten wir auch etwas über Ihre politischen Ziele und Pläne erfahren. Da YOUNECT Jugendlichen Berufsorientierung bietet, sie bei ihrer Berufswahl unterstützt und in Ausbildungsverhältnisse vermittelt, interessiert uns natürlich Ihre Einstellung zum Thema „Berufsorientierung und Ausbildung“. Im Rahmen der aktuellen Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu den Auswirkungen der demografischen Entwicklungen auf die berufliche Ausbildung wurden Experten der beruflichen Bildung aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen befragt. Mehr als die Hälfte der Experten teilt die Auffassung, dass es zukünftig zu einer stärkeren Diversifizierung der Ausbildungslandschaft in Deutschland kommen wird. Die Ursache sehen die Experten in der zunehmenden Modularisierung und der steigenden Konkurrenz mit den Hochschulen sowie in der Zunahme betriebspraktischer Anteile in vollzeitschulischen Ausbildungsgängen.

Aus unserer Sicht wird dadurch auch zukünftig ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Max Stadler: Leider müssen wir bei vielen Jugendlichen, nicht zuletzt aufgrund der dynamischen gesellschaftlichen Entwicklung und der Diversifizierung der Tätigkeitsfelder, eine wachsende Orientierungslosigkeit mit Blick auf die Wahl der Ausbildung oder des Studienfaches feststellen. Um gravierenden Fehlentscheidungen vorzubeugen und jungen Menschen die Wahl einer Ausbildung oder eines Studiums zu erleichtern, welche der Persönlichkeitsstruktur und den jeweiligen Neigungen und Fähigkeiten entspricht, bedürfen wir einer Stärkung der Praxisorientierung im Unterrichtskontext als auch einer Qualifizierung der Laufbahn- und Berufsberatung.

Die FDP teilt die Auffassung von YOUNECT, dass es erhebliche Defizite im Bereich der Ausbildungs- und Studienberatung zu beheben gilt. Neben der Qualifizierung von Lehrkräften im Verlauf der Lehreraus- und Fortbildung bedürfen wir einer Stärkung des erweiterten Informations- und Beratungsangebots in Zusammenwirkung der Kultusbehörden, der Bundesagentur für Arbeit, IHK und Handwerkskammern, Hochschulen, Studentenwerken sowie staatlichen und freien Trägern im Bereich der Berufsberatung.

Ich halte die Online-Plattform YOUNECT für sehr gelungen und für einen guten Beitrag zur Stärkung des Informationsangebots für Jugendliche.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Max Stadler: Grundsätzlich halte ich die Integration der Berufsorientierung in den Lehrplan für wünschenswert. Es sollte jedoch überprüft werden, ob und inwiefern eine verstärkte und kontinuierliche Einbeziehung der Berufsorientierung im Rahmen des bestehenden Fächerkanons geeigneter wäre, einen Eindruck über potenzielle Berufe zu vermitteln, als dies durch eine Beschränkung der Thematik auf ein einzelnes Fach möglich ist. Eine langfristige, differenzierte Praxis- und Berufsorientierung böte den Vorteil, dass sich Schülerinnen und Schüler sehr viel früher, spezifischer und nachhaltiger mit der Frage der Berufswahl auseinandersetzen könnten.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Max Stadler: Es gibt eine Vielzahl an Trägern, welche Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Angeboten bei der Berufsorientierung unterstützen. Diese Vielfalt bietet Jugendlichen die Chance, sehr spezifische Informationen erlangen zu können. Damit es aufgrund der Heterogenität der Angebote nicht zu einer Überforderung der Jugendlichen kommt wäre es sinnvoll, die Angebotspalette nach Zielsetzung zu systematisieren und für junge Menschen handhabbar aufzubereiten.

YOUNECT: Schon lange beschäftigen sich nicht mehr nur Wissenschaftler, Journalisten und Politiker mit dem aktuellen und zukünftigen Bewerbermangel. Die ZEIT schrieb im Juni 2008, dass es bis 2020 bis zu 170.000 Schulabgänger pro Jahr weniger geben wird – das bedeutet ein Drittel weniger potentielle Auszubildende. Der Präsident des DIHK, Hans H. Driftmann, sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin FOCUS, trotz Krise fehle es nicht an Lehrstellen, sondern an Bewerbern. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sinkt die Anzahl der Lehrstellenbewerber schneller als die der Ausbildungsplätze – auch jetzt in der Krise. Die Bewerberzahl schrumpft damit bereits das dritte Jahr in Folge. (siehe FOKUS)

Ist Ihnen dieses Problem bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Max Stadler: Ja, es ist mir durchaus bekannt, dass Ausbildungsbetriebe keine geeigneten Bewerber für vakante Ausbildungsplätze finden können. Gerade aufgrund der demografischen Entwicklung der Schulabgängerzahlen ist es zunehmend problematisch, Bewerber für unbesetzte Stellen zu finden. In der Regel ist es ratsam, Kontakt zu den jeweiligen Personalstellen oder der oder dem Firmeninhaber aufzunehmen.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Max Stadler: Im Jahr 2009 verließen demografiebedingt fast 40.000 weniger Schulabgänger als im Vorjahreszeitraum die Schulen und dieser Trend wird sich unweigerlich fortsetzen. Angesichts des demografischen Wandels, der gestiegenen Ansprüche und Erfordernisse einer Wissensgesellschaft, welche sich auch auf den Bereich der beruflichen Bildung auswirken, ist es eine gesellschaftliche Verpflichtung und Notwendigkeit dafür zu sorgen, dass unser Nachwuchs bestmöglich gefördert wird. Denn wir können es uns nicht leisten, dass Jugendliche mangels Ausbildungsreife am Zugang zum Berufsbildungssystem scheitern.

Gerade deswegen müssen wir sicherstellen, dass insbesondere Schulen, die traditionell den Brückenschlag zum System der beruflichen Bildung bilden, bessere Förderbedingungen erhalten und eine sehr starke Berufsorientierung zum Regelfall wird. Betriebserkundungen, Praktika und Bewerbertraining müssen ebenso eine Rolle spielen wie die Ausrichtung der Lehrinhalte und Themen, die die Bedeutung der Wirtschaft und Technik in den Mittelpunkt rücken. Das duale Ausbildungssystem hat sich in Deutschland seit Jahrzehnten bewährt. Eine der wichtigsten Stärken besteht in der Verankerung der beruflichen Ausbildung in den Betrieben. Hier ist ein enges Zusammenwirken von Schule und Betrieben notwendig. Die berufliche Weiterbildung als lebensbegleitendes Lernen ist eine starke Säule des Bildungssystems. Förderangebote für Schulabgänger im Übergang in eine berufliche Ausbildung müssen in enger Abstimmung mit dem Berufsausbildungssystem erfolgen. Ziel dieser Fördermaßnahmen muss die Einmündung in eine berufliche Ausbildung sein. Ausbildungsgänge müssen flexibler und modular aufgebaut werden. Jugendliche mit mangelnder Ausbildungsreife müssen die Möglichkeit haben, sich durch den Abschluss von zertifizierten Ausbildungsmodulen nachträglich zu qualifizieren.

Zudem setzt sich die FDP dafür ein, dass das Angebot im Bereich der Berufs-, Laufbahn- und Finanzierungsberatung gestärkt wird. Hier müssen Bund, Länder, BA, Studentenwerke und Träger der Berufsberatung zusammenwirken.

YOUNECT: Vielen Dank Herr Stadler für Ihre interessanten und ausführlichen Antworten. Auch Ihnen wünschen wir für Ihre berufliche sowie private Zukunft alles Gute und Durchhaltevermögen und viel Kraft bei den Vorbereitungen hinsichtlich der Bundestagswahl am 27. September 2009.