„Ordnung ist das halbe Leben“- Sabine Bätzing, Mitglied der SPD

Nachdem die engagierte Sabine Bätzing wohl gerade von einem ihrer zahlreichen Hausbesuche heimgekehrt ist, hatten wir sie nun im Interview, in dem sie uns einige Fragen zu ihrem politischen Handeln beantwortet hat.
YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Sabine Bätzing: Ich heiße Sabine Bätzing bin 34 Jahre alt, komme aus Altenkirchen. Ich bin Bundestagsabgeordnete und habe eine Ausbildung als Diplom Verwaltungswirtin (FH). Ich bin Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Sabine Bätzing: Ich bin Mitglied der SPD, diese steht für Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität. Daher wollen wir
– Gute Löhne für Gute Arbeit (dafür brauchen wir einen Mindestlohn),
– Gebührenfreie Bildung,
– Gesundheit für alle (Alle sollen in eine gemeinsame Versicherung einbezahlen, auch die mit viel Einkommen),
– Förderung Erneuerbare Energien
– Ausstieg aus der Atomkraft,
– Gerechte Steuern (Wer mehr verdient muss auch mehr zu Steuern herangezogen werden),
– Soziale Marktwirtschaft (z.B.: Nicht alles ist auf dem Finanzmarkt erlaubt.)

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf.  Welcher war das und was  machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Sabine Bätzing: Ich wollte immer Grundschullehrerin werden. Ich arbeite wahnsinnig gerne mit Kindern. Und in diesem Alter kommt es auf die Prägung und  Beziehungsarbeit an.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie
diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder Sind Sie ein
Quereinsteiger?

Sabine Bätzing: Ich habe ein Duales Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung gemacht und bin Diplom Verwaltungswirtin (FH) geworden.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Sabine Bätzing: Mich interessiert der juristische Bereich und gleichzeitig die Arbeit mit  Menschen. Außerdem kann man in der Kommunalverwaltung den Menschen vor Ort  DIREKT weiterhelfen.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine
Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Sabine Bätzing: Die Ausbildung wurde vor allem durch den Wechsel zwischen der FH und der  Verwaltung bestimmt, das war sehr schön. Außerdem hatte ich wahnsinnig nette Kollegen, die mich vom ersten Tag an aufgenommen und unterstützt haben. Es war einfach nur eine rundum schöne Zeit… erinnern werde ich mich immer an unsere tollen „Altweiber-Sitzungen“ im Rathaus und an eine Autopanne mit  dem Dienstwagen, die ausschlaggebend war, dass wir dann endlich einen neuen bekommen haben :)

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als  Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg  wieder einschlagen oder etwas ändern?

Sabine Bätzing: Ja, ich würde es wieder machen. Vielleicht würde ich aber vorher noch ein halbes Jahr ins Ausland gehen und dann erst mit der Ausbildung beginnen.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Sabine Bätzing: Gut ist, die Vielfältigkeit, der Kontakt mit Menschen, die Sicherheit des  Jobs. Mich stört nur das schlechte Image der Beamten in der Öffentlichkeit das ist von puren Vorurteilen geprägt. Leider. An meiner Tätigkeit als Abgeordnete liebe ich, dass ich Menschen helfen kann.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Sabine Bätzing: Ja, ich würde meinen Beruf weiter empfehlen. Interesse an Theorie und  Recht, genauso wie Einfühlungsvermögen in Menschen sind notwendig – aber  auch politisches Interesse, da man mit den Kommunalen Vertretern sehr eng zusammenarbeitet.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Sabine Bätzing: Ja, das Beamte faul sind. Da empfehle ich nur einmal den Besuch in einer Kommunalverwaltung – dann revidiert sich dieses Vorurteil sofort.

YOUNECT: Wir denken, dass zukünftig ein immer umfassenderes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein wird. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Sabine Bätzing: Zunächst bin ich der Auffassung, dass die Lösung für eine bessere Ausbildung  ganz unten beginnen, in der Familie, in der Schule. Was in der Familie versäumt wird, kann die Schule nicht richten, was dort versäumt wird, die Ausbildung nicht. Gut ausgebildete Menschen habe ich, wenn auch die  Ausbildung anspruchsvoll ist. Dazu brauche ich aber einen einheitlichen Mindestvorbildungsstandard. Die bedeutet aber, dass diejenigen, die benachteiligt sind, Unterstützung benötigen, dass jeder die Chance erhält, einen Schulabschluss zu machen. Natürlich ist es wichtig, Möglichkeiten der Information zur Berufsorientierung, wie die Berufsberatung aufrecht zu erhalten. Man kann aber in der Theorie nur begrenzt etwas über einen Beruf erlernen. Wichtig ist, dass Schülerinnen und Schüler schon sehr früh die Möglichkeit erhalten, verschiedene Berufe praktisch kennen zu lernen.
Hierzu sind Praktika unabdingbar. Wichtig ist aber nicht nur, den Beruf kennen zu lernen, sondern auch zu wissen, ob und wie oft er denn in Zukunft noch benötigt werden wird. Dies setzt Abstimmung mit der Wirtschaft und Planung voraus. Aufgrund der Tatsache, dass gerade Jugendliche sich Informationen online holen, ist jedes informatorische Angebot zu begrüßen.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?
Sabine Bätzing:

1. Dass man ein ganzes Schuljahr hierfür benötigt und nicht statt dessen lieber -im Übrigen bitte nicht nur für Gymnasiasten, Freiräume zur  Berufsfindung schafft, bezweifele ich.

2. Die Arbeitsagentur bietet eine umfassende Berufsberatung an.

YOUNECT: Ist Ihnen das Problem des Bewerbermangels auf dem Ausbildungsmarkt bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Sabine Bätzing: Das Problem ist bekannt, teilweise ist es aber auch von der Industrie hausgemacht, denn diese hat langjährig nicht in allen Bereichen genügend ausgebildet. Ich finde es zunächst einmal wichtig, dass wir jedem Bewerber eine Ausbildungsstelle ermöglichen, denn für Jugendliche ist es wichtig zu erkennen, dass sie einen Platz in der Gesellschaft haben können. Wenn demographisch die Zahl der Neugeburten abnimmt und weniger Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, hat das somit auch Vorteile, denn die Chancen der Menschen ohne Ausbildungsplatz steigen. Auch ältere Menschen, die schwer wieder in Arbeit gelangen können, erhalten so wieder bessere Chancen. Wir müssen mit den Unternehmen, die ein ureigenes Interesse an qualifizierten Bewerbern haben, sicherstellen, dass der Bildungsstandard den Ausbildungsplätzen angemessen ist.