Regensburger Stadtrat und Berliner Umweltpolitiker- Horst Meierhofer im Interview

horst_meierhofer_100x126_72dpi Horst Meierhofer hat einen langen Weg zurückgelegt bis er 2005 als Abgeordneter in den Bundestag gewählt wurde.  Was er auf seinem Weg alles gelernt hat und wie er und die FDP die deutsche Politik in puncto  Berufsorientierung in Zukunft formen wollen, kannst du im Interview lesen.

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? Inwelchem Beruf arbeiten Sie?   Welche Position besetzen Sie genau?

Horst Meierhofer: Ich heiße Horst Meierhofer, bin 37 Jahre alt, verheiratet und habe einen Sohn. Bevor ich vor vier Jahren erstmals als Abgeordneter in den Bundestag gewählt wurde, war ich als Marketing-Manager bei einem Fachverlag tätig. Seit meinem Einzug in den Bundestag bin ich hauptberuflich Politiker, wobei mein Themenschwerpunkt die Umweltpolitik ist. Daneben bin ich noch Fraktionsvorsitzender der FDP im Regensburger Stadtrat.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Horst Meierhofer: Ich bin Mitglied der FDP. Wichtigstes Ziel der FDP ist, dass die Mitte wiedergestärkt wird. Die Mittelschicht ist das Bindeglied unserer Gesellschaft. Sie baut Brücken, sie ermöglicht Einstieg und Aufstieg. Dazu setzt sich die FDP für eine spürbare Entlastung der Mitte ein. Die FDP steht für faire Steuersätze und eine grundlegende Vereinfachung des Steuerrechts. Das schafft den dringend benötigten finanziellen Spielraum für Bürger und Unternehmen: Für mehr privaten Konsum, für Vorsorge für Alter, Gesundheit und Pflege, als Impuls für Wachstum und Investitionen. Die FDP will, dass sich Arbeit wieder lohnt, Bildung wieder Bürgerrecht wird, Freiheit gestärkt wird und Bürgerrechte wieder geschützt werden. Leistungsgerechtigkeit, Weltoffenheit und Toleranz, dafür stehen wir Liberalen.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf.Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Horst Meierhofer: Förster und Börsenmakler fand ich als Jugendlicher sehr spannend. Ich stellte mir beide sehr spannend vor. Der eine draußen in der Natur, der andere ambesten in New York City – auch nicht schlecht, oder?

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? OderSind Sie ein Quereinsteiger?

Horst Meierhofer: Nach meinem Abitur habe zuerst ein Semester Politik, Englisch und Russisch studiert, dann habe ich eine Banklehre gemacht und im Anschluss daran Betriebswirtschaft in Regensburg und den USA studiert.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Horst Meierhofer: Mit einem BWL-Studium hat man eine sehr breite Ausbildung und kann sich dann spezialisieren. Ich bin bei einem Verlag im Bereich Marketing gelandet, was ich auch studiert hatte.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Horst Meierhofer: Ich fand die Ausbildung sehr interessant und abwechslungsreich, weil ich in vielen verschieden Filialen der Sparkasse eingesetzt war und auch viele interne Abteilungen kennengelernt habe, z.B. Firmenkundenkredit, Innenrevision, Marketing, Steuerung, Buchhaltung,… Besonders witzig war, dass wir mal ein Azubi-Börsenspiel mit „echtem“ Geld durchgeführt haben. Dann hat sich unsere Gruppe fünf Commerzbank-Aktien gekauft und wir sind zu fünft von Regensburg nach Frankfurt am Main zur Hauptversammlung gefahren.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichenWeg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Horst Meierhofer: Ich würde wohl wieder einen ganz ähnlichen Weg einschlagen. Evtl. würde ich aber von Anfang an in einer fremden Stadt studieren. Die Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter kann man ja nicht wirklich planen, aber es ist natürlich super, wenn das, was man als Hobby macht, zum Beruf wird!

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Horst Meierhofer: Abgeordneter zu sein ist sehr abwechslungsreich, oft sehr spannend, man kann tatsächlich etwas verändern und man lernt unwahrscheinlich viele unterschiedliche Menschen kennen. Störend ist, dass man fast immer Kompromisse eingehen muss, um Mehrheiten zu erreichen.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Horst Meierhofer: Jedem, der Politik interessant findet, unabhängig in seiner Meinung ist und auch ein dickes Fell mitbringt.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Horst Meierhofer: Politiker schauen nur auf den eigenen Vorteil und kümmern sich nicht um das, was die Menschen betrifft. Wir sind andauernd im direkten Kontakt mit unseren Wählern. Deshalb kann man es sich gar nicht leisten, sich nicht für die Belange der Menschen zuinteressieren!

YOUNECT: Aus unserer Sicht wird dadurch auch zukünftig ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot für Schüler und Schulabgänger unbedingt nötig sein. Was denken Sie darüber? Wer sollte diese Aufgaben wahrnehmen? Und was halten Sie von der Online-Plattform YOUNECT, die Jugendlichen eben diese Hilfestellungen geben möchte?

Horst Meierhofer: Leider müssen wir bei vielen Jugendlichen, nicht zuletzt aufgrund der dynamischen gesellschaftlichen Entwicklung und der Diversifizierung der Tätigkeitsfelder, eine wachsende Orientierungslosigkeit mit Blick auf die Wahl der Ausbildung oder des Studienfaches feststellen. Um gravierenden Fehlentscheidungen vorzubeugen und jungen Menschen die Wahl einer Ausbildung oder eines Studiums zu erleichtern, welche der Persönlichkeitsstruktur und den jeweiligen Neigungen und Fähigkeiten entspricht, bedürfen wir einer Stärkung der Praxisorientierung im Unterrichtskontext als auch einer Qualifizierung der Laufbahn- und Berufsberatung. Die FDP teilt die Auffassung von YOUNECT, dass es erhebliche Defizite im Bereich der Ausbildungs- und Studienberatung zu beheben gilt. Neben der Qualifizierung von Lehrkräften im Verlauf der Lehreraus- und Fortbildung bedürfen wir einer Stärkung des erweiterten Informations- und Beratungsangebots in Zusammenwirkung der Kultusbehörden, der Bundesagentur für Arbeit, IHK und Handwerkskammern, Hochschulen, Studentenwerken sowie staatlichen und freien Trägern im Bereich der Berufsberatung. Ich halte die Online-Plattform YOUNECT für sehr gelungen und für einen guten Beitrag zur Stärkung des Informationsangebots für Jugendliche.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Grundsätzlich halte ich die Integration der Berufsorientierung in den Lehrplanfür wünschenswert. Es sollte jedoch überprüft werden, ob und inwiefern eine verstärkte und kontinuierliche Einbeziehung der Berufsorientierung im Rahmen des bestehenden Fächerkanons geeigneter wäre, einen Eindruck über potenzielle Berufe zu vermitteln, als dies durch eine Beschränkung der Thematik auf ein einzelnes Fach möglich ist. Eine langfristige, differenzierte Praxis- und Berufsorientierung böte den Vorteil, dass sich Schülerinnen und Schüler sehr viel früher, spezifischer und nachhaltiger mit der Frage der Berufswahl auseinandersetzen könnten.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Es gibt eine Vielzahl an Trägern, welche Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Angeboten bei der Berufsorientierung unterstützen. Diese Vielfalt bietet Jugendlichen die Chance, sehr spezifische Informationen erlangen zu können. Damit es aufgrund der Heterogenität der Angebote nicht zu einer Überforderung der Jugendlichen kommt wäre es sinnvoll, die Angebotspalette nach Zielsetzung zu systematisieren und für junge Menschen handhabbar aufzubereiten. Aus meinem Wahlkreis Regensburg weiß ich, dass die dortige Handwerkskammer in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit für Hauptschulklassen Kurse zur beruflichen Orientierung durchführt. Und auch die Kolpingjugend in Regensburg ist in Sachen Berufsorientierung recht aktiv.

YOUNECT: Ist Ihnen dieses Problem bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Ja, es ist mir durchaus bekannt, dass Ausbildungsbetriebe keine geeigneten Bewerber für vakante Ausbildungsplätze finden können. Gerade aufgrund der demografischen Entwicklung der Schulabgängerzahlen ist es zunehmend problematisch, Bewerber für unbesetzte Stellen zu finden. In der Regel ist es ratsam, Kontakt zu den jeweiligen Personalstellen oder der oder dem Firmeninhaber aufzunehmen.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Im Jahr 2009 verließen demografiebedingt fast 40.000 weniger Schulabgänger als im Vorjahreszeitraum die Schulen und dieser Trend wird sich unweigerlich fortsetzen. Angesichts des demografischen Wandels, der gestiegenen Ansprüche und Erfordernisse einer Wissensgesellschaft, welche sich auch auf den Bereich der beruflichen Bildung auswirken, ist es eine gesellschaftliche Verpflichtung und Notwendigkeit dafür zu sorgen, dass unser Nachwuchs bestmöglich gefördert wird. Denn wir können es uns nicht leisten, dass Jugendliche mangels Ausbildungsreife am Zugang zum Berufsbildungssystem scheitern. Gerade deswegen müssen wir sicherstellen, dass insbesondere Schulen, die traditionell den Brückenschlag zum System der beruflichen Bildung bilden, bessere Förderbedingungen erhalten und eine sehr starke Berufsorientierung zum Regelfall wird. Betriebserkundungen, Praktika und Bewerbertraining müssen ebenso eine Rolle spielen wie die Ausrichtung der Lehrinhalte und Themen, die die Bedeutung der Wirtschaft und Technik in den Mittelpunkt rücken. Das duale Ausbildungssystem hat sich in Deutschland seit Jahrzehnten bewährt. Eine der wichtigsten Stärken besteht in der Verankerung der beruflichen Ausbildung in den Betrieben. Hier ist ein enges Zusammenwirken von Schule und Betrieben notwendig. Die berufliche Weiterbildung als lebensbegleitendes Lernen ist eine starke Säule des Bildungssystems. Förderangebote für Schulabgänger im Übergang in eine berufliche Ausbildung müssen in enger Abstimmung mit dem Berufsausbildungssystem erfolgen. Ziel dieser Fördermaßnahmen muss die Einmündung in eine berufliche Ausbildung sein. Ausbildungsgänge müssen flexibler und modular aufgebaut werden. Jugendliche mit mangelnder Ausbildungsreife müssen die Möglichkeit haben, sich durch den Abschluss von zertifizierten Ausbildungsmodulen nachträglich zu qualifizieren. Zudem setzt sich die FDP dafür ein, dass das Angebot im Bereich der Berufs-, Laufbahn- und Finanzierungsberatung gestärkt wird. Hier müssen Bund, Länder, BA, Studentenwerke und Träger der Berufsberatung zusammenwirken.