Traumberufe Tierärztin, Bundeskanzlerin und Profisportlerin, heute ist sie die verbraucherpolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen, Nicole Maisch

Besonders ins Auge gestochen sind mir die drei Traumberufe von Nicole Maisch, Tierärztin, Bundeskanzlerin und Profisportlerin. Dieses Phänomen stellen wir auch oft bei unseren Yousern fest, dass das Spektrum der Berufswünsche sehr breit sein kann. Welchen der drei Traumberufe hat Frau Maisch gelernt und ergriffen?

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Nicole Maisch: Mein Name ist Nicole Maisch. Ich bin zurzeit Abgeordnete im Deutschen Bundestag und bin verbraucherpolitische Sprecherin meiner Fraktion.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Nicole Maisch: Ich gehöre der Partei Bündnis 90/ Die Grünen an. Wir wollen mit unserer grünen Umweltpolitik dafür Sorge tragen, dass unsere Erde auch für die nachfolgenden Generationen noch lebenswert bleibt.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Nicole Maisch: Ich kann mich erinnern, dass ich zwischen Tierärztin, Bundeskanzlerin und Profisportlerin hin und her geschwankt bin.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder sind Sie ein Quereinsteiger?

Nicole Maisch: Ich bin Politikwissenschaftlerin und habe vor meiner Zeit im Bundestag auch für andere Politikerinnen gearbeitet. Daneben habe ich aber auch in allen möglichen anderen Jobs gearbeitet.

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Nicole Maisch: Ich habe mein Studium aus Interesse am Thema ausgewählt.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Nicole Maisch: Ich habe während des Studiums immer gearbeitet und später auch viel ehrenamtlich Politik gemacht. Das war oft ganz schön stressig. Trotzdem war die Freiheit, die man im Studium hatte einfach großartig.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Nicole Maisch: Ich würde alles genau so machen.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Nicole Maisch: Das Bewusstsein, etwas bewegen zu können ist schön und motivierend. Schlecht sind die extrem langen Arbeitszeiten- da bleibt zu wenig Zeit für Freunde und Familie.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Nicole Maisch: Allen Menschen, die politische Verantwortung übernehmen wollen und stressresistent sind.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Nicole Maisch: Das Vorurteil, dass Politiker faul sind- sorry, dass stimmt nun wirklich nur bei sehr wenigen Ausnahmen.

YOUNECT: Was halten Sie von der Einführung eines verpflichtenden Schulfaches zur Berufsorientierung, das zukünftig bayrische Gymnasiasten bei der Berufswahl unterstützen soll?

Nicole Maisch: Bündnis 90/ Die Grünen halten die neben den Pflichtfächern angesetzten zwei Seminarkurse für Wissenschaftspropädeutik und für Berufs- und Studienorientierung im Grundsatz für richtig. Allerdings ist noch unklar, welche Konzepte an den einzelnen Schulen umgesetzt werden sollen. Uns Grünen ist wichtig,
• dass die Beratung auch auf genderspezifische Aspekte eingeht (also das jeweilige Berufswahlspektrum behandelt)
• dass die Lehrkräfte über vertiefte interkulturelle Qualifikationen verfügen und
• dass die Eltern einbezogen werden.
• die Qualität der Kurse wird zudem stark von der Ausrichtung und der personellen Ausstattung abhängen.
Die diesbezüglichen Ankündigungen der Landesregierung stellen uns noch nicht zufrieden.

YOUNECT: Welche Angebote zur Berufsorientierung sollte es für Jugendliche außerdem (oder stattdessen) geben? Kennen Sie andere Projekte, Stiftungen, Vereine oder Unternehmen, die Jugendliche bei dieser Aufgabe unterstützen?

Nicole Maisch: Bündnis 90/ Die Grünen halten eine Stärkung der Berufsorientierung für notwendig und sinnvoll. Die sollte sowohl in der Jugendsozialarbeit stattfinden als auch in der gebundenen Ganztagsschule, in der alle Kinder und Jugendlichen mindestens bis zur 9. Klasse gemeinsam lernen und dabei individuell gefördert werden. Dort setzen wir auf fächerübergreifenden Unterricht, Teams aus LehrerInnen, ErzieherInnen und SozialpädagogInnen, die gemeinsam für die Schüler zuständig sind. Dabei ist dann auch mehr Raum als bisher für regelmäßige Kontakte und Projekte mit der regionalen Wirtschaft und eine qualifizierte Unterstützung bei der Berufsorientierung durch das gemischtqualifizierte
Schulteam. Ein besonders gelungenes Projekt erscheint uns u. a. „KUMULUS – Bildungsberatung und Ausbildungsstellenvermittlung für Jugendliche mit Migrationshintergrund“ in Berlin. Zum Genderthema halten wir z. B. das Projekt „Neue Wege für Jungs“ für nachahmenswert.

YOUNECT: Schon lange beschäftigen sich nicht mehr nur Wissenschaftler, Journalisten und Politiker mit dem aktuellen und zukünftigen Bewerbermangel. Die ZEIT schrieb im Juni 2008, dass es bis 2020 bis zu 170.000 Schulabgänger pro Jahr weniger geben wird – das bedeutet ein Drittel weniger potentielle Auszubildende. Der Präsident des DIHK, Hans H. Driftmann, sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin FOCUS, trotz Krise fehle es nicht an Lehrstellen, sondern an Bewerbern. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sinkt die Anzahl der Lehrstellenbewerber schneller als die der Ausbildungsplätze – auch jetzt in der Krise. Die Bewerberzahl schrumpft damit bereits das dritte Jahr in Folge. Ist Ihnen dieses Problem bekannt? Kennen Sie selbst vielleicht auch
Ausbildungsbetriebe, die ihre Ausbildungsplätze (noch) nicht besetzten konnten? Wer wäre für uns der richtige Ansprechpartner in diesem Unternehmen, der sich diesem Problem widmet?

Nicole Maisch: Das Problem ist uns selbstverständlich bekannt. Allerdings bedeutet diese zukünftige Entwicklung nicht, dass die SchulabgängerInnen dieses Jahres auf später vertröstet werden könnten. Für diese Jugendlichen müssen jetzt qualifizierende Angebote gemacht werden. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für August 2009 (Veröffentlichung am 1.9.2009) zeigen, dass zwar die Zahl der Suchenden sinkt, aber noch immer eine große Lücke im
Angebot besteht: fast 100.000 suchende Jugendliche können sich derzeit auf gerade 65.000 angebotene Ausbildungsplätze bewerben. Für knapp 35.000 Jugendliche gibt es also im August 2009 noch nicht einmal rechnerisch einen betrieblichen Ausbildungsplatz. Wenn sie jetzt kein Angebot bekommen, wird es mit der Zeit immer schwieriger werden, sie wieder in den Qualifizierungs- und später in den Arbeitsprozess zu integrieren. Die Frage nach den Ansprechpartnern in den Betrieben können Ihnen nur die regionalen Kammern beantworten. Mit den Verantwortlichen können Sie dann sowohl die derzeitige Lücke wie auch den absehbaren Mangel besprechen.

YOUNECT: Was werden Sie und Ihre Partei gegen das Problem des Ungleichgewichts von Bewerbern und Ausbildungsplätzen tun? Was werden Sie für eine bessere Berufsorientierung tun?

Nicole Maisch: Wir Grüne haben in unserem Modell DualPlus vorgeschlagen, Betriebe und Schulen durch die überbetrieblichen Ausbildungsstätten als dritten Lernort zu unterstützen und zu entlasten. Dort können zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden, insbesondere bei Unternehmen ohne Ausbildungstradition, bei kleinen Betrieben oder bei sehr spezialisierten Betrieben. Denn diese müssen nicht die Verantwortung für eine komplette Ausbildung übernehmen, sondern können auch einzelne Module anbieten. Diese bundesweit anerkannten Module strukturieren die gesamte Berufsausbildung neu. In den Branchen, in denen unterproportional ausgebildet wird, sollen die Ausbildungskosten durch regionale oder branchenspezifische verpflichtende Umlagesysteme besser zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben verteilt werden. Bereits in der Schule muss die Berufsorientierung einen größeren Stellenwert bekommen und muss geschlechtsspezifische wie auch kulturell beeinflusste Auswahlperspektiven hinterfragen.

Frau Maisch, wir danken Ihnen und Ihrer Fraktion für Ihre Antworten. Wenn Sie Neuigkeiten zum Modell DualPlus haben, sprechen Sie uns bitte wieder an, gerne können Sie das Modell auch hier zur Diskussion stellen. Viel Erfolg am 27.09.2009.