Ulrike Höfken (DIE GRÜNEN): Aus dem Wunsch nach Treckerfahren wurde der Beruf der Bäuerin…

Heut möchte ich Frau Höfken vorstellen: Eine Frau, die schon als Kind Treckerfahren wollte und schließlich trotz Hindernissen Agrar-Ingenieurin wurde. Den Traum der Zirkusartistin ließ sie dafür platzen. Inzwischen ist sie Bundestagsabgeordnete der Fraktion Bündnis 90/Die grünen und Vorsitzende vom Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Ulrike Höfken: Bündnis 90/Die Grünen

Ziele: Die Lösung der größten Herausforderungen: die Energie-, Klima- und Ernährungskrise:

– Bis 2040 wollen wir 100 % Erneuerbare Energien

– 1 Millionen neue Jobs in vier Jahren

– Investitionen und Arbeitskräfte in Bildung, soziale Bereiche, Gesundheit und Pflege, Mobilität

– kein Spitzel- und Schnüffelstaat

– keine Agro-Gentechnik

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Ulrike Höfken: Bäuerin oder Artistin. Beim ersten könnte man Treckerfahren und Tiere halten, beim zweiten ganz im Gegensatz dazu ein aufregendes Leben im Zirkuswagen führen.

YOUNECT: Für welchen Berufsweg haben Sie sich dann entschieden? Haben Sie diesen Beruf in einer Ausbildung oder in einem Studium erlernt? Oder sind Sie ein Quereinsteiger?

Ulrike Höfken: Ich bin „Bäuerin“ geworden, habe Landwirtschaft studiert (bin Diplom-Agraringenieurin), habe jahrelang auch in der Landtechnik und mit Tieren gearbeitet und führe jetzt ein aufregendes leben als Politikerin (im Bereich Agrarpolitik).

YOUNECT: Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden haben?

Ulrike Höfken: Landwirtschaft ist sinnvoll, bedeutet viel Verantwortung, macht Spaß, ist sehr vielseitig und hat auch einen familiären Hintergrund. Politik bedeutet ebenfalls Verantwortung zu übernehmen in einem weiteren Bereich für die Zukunft der Landwirte und Verbraucher.

YOUNECT: Wie haben Sie ihre Ausbildung erlebt? Fällt Ihnen vielleicht eine Besonderheit oder eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit ein?

Ulrike Höfken: Meine Ausbildung war gut und anstrengend zugleich. Das lag daran, weil ich ein Mädchen war und weder meine Familie noch die Uni wollte, dass ich Landwirtschaft studiere. Eigentlich wollte ich eine Lehre machen, aber aus dem gleichen Grund wurden zwar Schwiegertöchter, aber keine weiblichen Auszubildenden gesucht.

YOUNECT: Wenn Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen und Kenntnissen noch einmal als Jugendlicher beginnen könnten, würden Sie den gleichen beruflichen Weg wieder einschlagen oder etwas ändern?

Ulrike Höfken: Ich würde genau den gleichen Weg gehen, aber vorher eine Lehre machen.

YOUNECT: Was ist Ihrer Meinung nach gut an Ihrem Beruf? Und was stört Sie?

Gut ist der gesamte Einsatzbereich, die Bezahlung bzw. der Gewinn der Zeit ist schlecht. Das ändert sich aber.

In der Politik finde ich es gut, Dinge mit zu verändern und Einfluss zu nehmen. Schlecht ist die Dauer der Zeit, um was zu ändern, aber auch Politikverdrossenheit und die große Macht von Wirtschaft und Lobbys.

YOUNECT: Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen? Was müsste diese Person mitbringen?

Ulrike Höfken: Als Agrar-Ingenieurin muss man Spaß an komplexen Aufgaben haben und Verantwortung übernehmen, man muss körperlich fit sein und eine Leidenschaft für Qualität und Tiere haben. Man sollte gerne hart arbeiten.

Als Politikerin sollten Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit, Leidenschaft und Durchsetzungsvermögen keine Fremdwörter sein. Man sollte andere Menschen unterstützen wollen, sie begeistern und überzeugen können.

YOUNECT: Gibt es Vorurteile über ihren Berufszweig, mit denen Sie gern aufräumen würden?

Ulrike Höfken: Politiker sind nicht alle gleich schlecht oder faul. Demokratie ist ein sehr hohes Gut, sie muss auch heute noch jeden Tag gegen Korruption, mächtige Interessen und undemokratische Kräfte verteidigt werden. Denn die werden sich durchsetzen, wenn die Gleichgültigkeit und Politikverdrossenheit sich weiter ausbreiten wird. Hier ist jeder gefragt.

YOUNECT: Vielen Dank Frau Höfken, für die Einblicke in ihre persönliche Vergangenheit und die Antworten auf viele unserer Fragen. Für die Zukunft wünschen wir Ihnen alles Gute und arbeiten ganz in Ihrem Sinne daran, auch Mädchen die Welt der „Männerberufe“ zu öffnen…