15.000 Ausbildungsbetriebe befragt. Warum wird Berufswahl nicht so professionell betrieben wie der Bau von Luxusautos?

Immer öfter berichten die Medien über die angeblich nicht „ausbildungsreifen“ Schüler. Den krassesten Kommentar schrieb Peter Hahne in der BamS: „… da ein Großteil jedoch nicht ausbildungsfähig ist, gibt es für die Rentner keinen schönen Lebensabend. ­Sondern nur stockfinstere Nacht.“ Im Bildungsbericht des DIHK steht: 50.000 Stellen unbesetzt. Größtes Ausbildungshemmnis: die mangelnde Qualifikation der Bewerber. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen organisiert Nachhilfestunden. Gründe aus dem Bericht, für den 15.000 Ausbildungsbetriebe befragt wurden:

  1. 63% der Betriebe gaben als Grund an, es lagen keine geeigneten Bewerbungen vor, bei IT/Medien sogar 71%.
  2. 19% machen die Erfahrung, die Ausbildungsplätze wurden von den Auszubildenden nicht angetreten, bei Banken und Versicherungen sogar 42%.

Das ist ohne Frage dramatisch. Dass 17% der Ausbildungsverträge von den Azubis nach Beginn der Ausbildung aufgelöst werden, kostet neben viel Frust auch viel Geld. Ich hatte 2008 schon mal nachgerechnet: 500 Millionen € Lohnzahlung an Abbrecher (bei durchschnittlich 3 Monaten bis zum Abbruch).

Aber bei all dem Jammer stellt sich mir eine Frage von Tag zu Tag lauter – und ich vermisse sie in der öffentlichen Debatte:

Warum wird Berufswahl nicht so professionell betrieben wie der Bau von Luxusautos oder die Gewinnung Regenerativer Energien? Warum gibt es in der Berufsorientierung kein Kultbuch und Hörspiel wie das der Drei Fragezeichen „???“ Justus, Peter und Bob?

Warum wird der Wandel der Arbeitswelt nicht so unterhaltsam dargestellt wie die „ICE AGE“-Filme? Thomas Hermanns hat mal gesagt: „Je ernster das Thema, desto anspruchsvoller der Humor.“ Ich vermisse in der Berufsorientierung professionelle Filme mit Kino-Niveau. Musik mit Download-Niveau. Spannende Storys.

Dafür sucht YOUNECT Partner. Denn Exzellenz zieht Exzellenz an. Wenn Deutschland zu einer Exzellenzgesellschaft aufbrechen will, die von Bildung geprägt ist, wie es der Autor Gunter Dueck zu Recht fordert, dann wird das eine exzellente Wirkung entfalten.

Aber bitte bedenkt dabei: Jeder Mensch will wissen, „WaBriMiDa?“ Sie, ich und Schüler auch.Was hat der Schüler von exzellenter Bildung? und was von exzellenter Berufsorientierung? Wer erklärt dies exzellent und macht Berufswahl schmackhaft?

Schüler brauchen in der Berufsorientierung andere Angebote als Erwachsene, weil sie vor ganz anderen Herausforderungen stehen. Sie müssen – ohne überfordert zu werden – erst mal die Fülle an Möglichkeiten kennen lernen. Schüler müssen sich erst mal austesten und den innersten Antrieb herausfinden, hohe Ziele stecken lernen. Und Schüler brauchen Vorbilder, um aktiv zu werden. Dich, Sie und mich.

Ich hatte als Vorbilder z.B. Familie Hilsberg in Berlin: Hilsbergs wohnten in einem großen Haus. 10 Jahre lang war ihr Privathaus ein offenes Haus für allabendlich 10, 20, 40 bis 140 Schüler! Jeden abend… In Deutschland gibt es etwa 15 Millionen Hausbesitzer, wie viele öffnen ihr Haus und teilen ihr Leben mit Hunderten Schülern? Hilsbergs haben uns ernst genommen, streitbare Debatten initiiert, spannende Gäste eingeladen und Freundschaften gestiftet.

Ich war durch Hilsbergs Vorbild selbst 20 Jahre ehrenamtlich aktiv mit Schülern: wir haben Schüler ein Jahr lang vorbereitet, bevor sie ein Jahr in Gastfamilien lebten, LettInnen in Berlin und BerlinerInnen in den USA. In vielfältig tollen Teams haben wir Reisen, Jugendgottesdienste und Kreativwettbewerbe organisiert zu Themen wie Menschenbilder 1996, „Zukunftsarbeit“ 1997, „Hoffnung“ 1998, „Ganz anders“ 1999, „Mein Glaube dein Glaube kein Glaube“ 2003, „Lebenssinn“ 2004  und „Global Players“ 2005, wir haben Moderationstraining veranstaltet, durch das Schüler öffentliche Debatten moderiert haben, zu denen neben Gregor Gysi und Christine Bergmann (2001) auch Bischof Wolfgang Huber und Klaus Wowereit kamen (2003). Aus Ideen-Workshops „Sprungbrett“ 1998 entwickelte sich auch ein Training in Projektmanagement für die nächste Generation ehrenamtlich aktiver Jugendlicher.

2003 haben Kathinka Alexandrow und ich begonnen, die klassische Berufswahl zu hinterfragen, euch Schüler direkt einzubeziehen und Sie Arbeitgeber und Personalverantwortliche zu befragen. 2007 haben wir die YOUNECT GmbH gegründet, und das Team aufgebaut. Nun arbeiten wir täglich daran, Schritt für Schritt Berufswahl neu zu gestalten und zu professionalisieren. Wir haben noch einige Überraschungen in der Planung für 2010.