Heißer Herbst in Aussicht: Absoluter Tiefpunkt! Schrumpfung! Zeitbombe! Irre Schlacht!

Zurück aus der Sommerpause, werden die Debatten und Vorschläge kontroverser, die Zahlen zweideutiger, die Headlines reißerischer. Heutige Titel in der  BILD: „Die irre Schlacht um Azubis. Unternehmen ködern Lehrlinge mit Geschenken und Prämien. Sachgeschenken wie Notebooks zum abgeschlossenen Vertrag. Einige zahlen Prämien für gute Leistungen.“ und in der FAZ: „Lehrlingsmangel im Osten. Nicht nur ostdeutsche Handwerksbetriebe müssen sich einiges einfallen lassen, um überhaupt noch Lehrlinge zu finden.“

Das ist alles nicht mal neu, der Tagesspiegel titelte schon im August 2008: „Lehrstellen bleiben Leerstellen“ und fand den Titel – zu recht – so originell, dass die Headline im Februar 2010 wieder aufgewärmt wurde: „Viele Lehrstellen bleiben Leerstellen.“ Eine neue dramatischere Headline folgte: „Zeitbombe demografischer Wandel“ und „Wir stehen vor einer gigantischen Herausforderung“ Der Tagesspiegel 31.03.2010. „Absoluter Tiefpunkt bei den Schülerzahlen“ Bild 16.03.2010. „Die demografische Entwicklung reißt eine Nachwuchslücke auf.“ Handelsblatt 16.03.2010. „Es gibt Zahlen, die können Angst machen. Es kommt etwas auf uns zu, was es so noch nie gegeben hat.“ Dr. Ulrich, Statistiker beim BIBB am 27.01.2o10.

Die BILD zitiert heute den DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks so: „Allein 2010 wird es 50 000 Ausbildungsplätze geben, die die Unternehmen nicht besetzen können, weil qualifizierte Bewerber fehlen.“ Die Zahl ist gar nicht mal neu, denn schon im April stellte der DIHK nach einer Umfrage unter 15.000 Unternehmen fest, dass schon 2009 Lehrstellen unbesetzt geblieben sind… auch 50.000. Zusammen macht das 100.000 unbesetzte Lehrstellen laut DIHK in 2009 und voraussichtlich 2010. Und auch die Polen, nach denen jetzt laut gerufen wird, leiden im eigenen Land unter demselben demografischen Wandel wie ganz Europa. Der Demograf Harald Michel stellt dazu glasklar fest: „In Polen zum Beispiel ist die Schrumpfung und Überalterung noch schlimmer als in Deutschland. Von dort kann also keine Rettung kommen“. Es ist also nicht verwunderlich, dass die WELT zu dem Schluss kommt: „Suche nach polnischen Lehrlingen beginnt zaghaft. Osteuropa hat selbst ein Fachkräfteproblem.“ WELT 16.08.2010

Gründe der 15.000 deutschen Unternehmen für unbesetzte Lehrstellen, die in der Umfrage im April 2010 genannt wurden:

1.            63%: Es lagen keine geeigneten Bewerbungen vor, bei IT/Medien sogar 71%.

2.            19%: Die Ausbildungsplätze wurden von den Auszubildenden nicht angetreten, bei Banken und Versicherungen sogar 42%.

3.            17%: der Ausbildungsverträge von den Azubis nach Beginn der Ausbildung aufgelöst.

Gestern hat die IHK für Bonn/Rhein-Sieg veröffentlicht, dass sogar jeder fünfte Bewerber seine Zusage, den angebotenen Ausbildungsplatz anzutreten, vor Dienstantritt revidiert. Der Betrieb bleibt dann oftmals ganz ohne Auszubildenden.

Die Agentur für Arbeit veröffentlich derweil ganz andere Zahlen. Die Schüler Union Deutschlands stellte dazu am 16.08.2010 fest: „Laut dem Monatsbericht Juli 2010 der Bundesagentur für Arbeit hatten 87.000 Bewerber noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Rund ein Drittel aller Bewerber hatten sich bereits im letzten oder vorletzten Jahr schon einmal beworben, wie die Bundesagentur erstmalig in einem Bericht vom 11. August 2010 festgestellt hat.“ In derselben Pressemitteilung appelliert David Winands, Bundesvorsitzender der Schüler Union Deutschlands, „diesen Altbewerbern jetzt eine Chance zu geben.“ Und der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. zitiert heute noch höhere Zahlen der BA: Derzeit suchen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit über 152.000 Bewerber des Schulabschlussjahres 2010 einen Ausbildungsplatz. Hinzu kommen mehr als 200.000 Altbewerber früherer Abschlussjahre.“ 352.000 Neu- und Altbewerber suchen demnach noch einen Ausbildungsplatz. Dabei ergibt sich zwischen den Zahlen der BA und denen des DIHK eine Differenz von 452.000 jungen Menschen. Kann es sein, dass die Privatschulen ein starkes Eigeninteresse an vielen Altbewerbern haben, da die Agentur für Arbeit ihnen viel Geld für Weiterbildungen und Zwischenschulungen dieser Altbewerber zahlen?

Nicht nur die Zahlen gehen immer weiter auseinander, auch die Meinungen, was helfen könnte. YOUNECT wird sich hier klar positionieren. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir einige neue Thesen und Taten in den Ring der irren Schlacht werfen!