Offener Brief an Hans Heinrich Driftmann. Laut WELT ist er alarmiert! Ob er mir im 2. Anlauf antwortet?

Im April schrieb ich Herrn Driftmann einen Brief. Da war er ein Jahr im Amt. Außerdem lag die Studie des DIHK frisch vor, laut der schon 2009 etwa 50.000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben sind. Da auch noch zwei meiner Verwandten Herrn Driftmann persönlich kennen, dachte ich, ich würde ihn erreichen. Aber es gab leider nicht mal eine Antwort auf meinen Brief.

Die WELT schreibt heute: „Ergebnis einer Umfrage, die der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) heute vorstellte. „Nach der Krise ist vor dem Fachkräftemangel“. Mitten im Boom gehen den Unternehmen die Fachkräfte aus. 70 Prozent haben laut DIHK Probleme bei der Besetzung von Stellen. Hans Heinrich Driftmann ist alarmiert. Deutschland gehen die Fachkräfte aus.“

Ich nehme den Artikel zum Anlass den Brief einfach noch einmal an Herrn Driftmann zu schicken. Und parallel hier im Blog zu veröffentlichen.

Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann

Peter Kölln KGaA
Westerstraße 22-24

25336 Elmshorn

Berlin, 09.04.2010

Sehr geehrter Herr Driftmann, als ich meiner Tante Dorothea Beuck (sie war 30 Jahre in der Sankt Nicolai Kirche tätig) gestern erzählte, dass ich Ihnen heute schreiben werde, meinte sie, ich solle Sie herzlich von ihr grüßen. Ich meine, es wird Zeit, dass Sie und ich miteinander reden und – wenn`s passt – gemeinsam aktiv werden! Ich weiß, dass Sie in Elmshorn Vorbildliches in der Ausbildung Ihrer Azubis leisten, meine Nichte 2. Grades, (Name nur im Brief) wurde ja nach der Ausbildung in der Peter Kölln KGaA über­nommen.

ABER: Ihr Bildungsbericht vom März 2010, der gestern von allen Tageszeitungen zitiert wurde, sagt drastisch:

* 50.000 Stellen unbesetzt. Größtes Ausbildungshemmnis: die mangelnde Qualifikation der Bewerber, so dass die Mehrheit der deutschen Unternehmen Nachhilfestunden organisiert.

* Jeder fünfte Ausbildungsplatz in Deutschland wird nicht besetzt. Gründe:

  1. 63% Es lagen keine geeigneten Bewerbungen vor, bei IT/Medien sogar 71%.
  2. 19% Die Ausbildungsplätze wurden von den Auszubildenden nicht angetreten, bei Banken und Versicherungen sogar 42%.
  3. 17% der Ausbildungsverträge von den Azubis nach Beginn der Ausbildung aufgelöst.

Ich hatte 2008 schon mal nachgerechnet: 500 Millionen € Lohnzahlung an Abbrecher (bei durch­schnittlich 3 Monaten bis zum Abbruch). Dazu kommt der demografische Wandel. Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Schlagzeilen noch mehr Superlative bemühen:

  • Absoluter Tiefpunkt bei den Schülerzahlen.“ Bild 16.03.2010
  • «Es gibt Zahlen, die können Angst machen. Es kommt etwas auf uns zu, was es so noch nie gegeben hat.» Dr. Ulrich, BIBB
  • „Die demografische Entwicklung reißt eine Nachwuchslücke auf.“ Handelsblatt 16.03.2010
  • Zeitbombe demografischer Wandel“ Der Tagesspiegel 31.03.2010
  • „Azubis werden ein knappes Gut und knappe Güter sind teuer“ Lehmkuhl, Agentur für Arbeit
  • „Der Wettbewerb um junge Köpfe hat begonnen“, Holger Schwannecke ZDH-Generalsekretär

NEU ist das alles NICHT. Mit Dr. Thilo Pahl und Frau Berit Heintz habe ich schon 2008 darüber gesprochen. Aber welche Handlungen folgen daraus?

Schüler brauchen andere Angebote als Erwachsene, weil sie vor ganz anderen Herausforde­rungen stehen. Schüler müssen sich erst mal austesten und den innersten Antrieb herausfinden, hohe Ziele stecken lernen. Schüler brauchen Vorbilder, um aktiv zu werden. Warum werden nicht Schüler als Berufswahl-Coaches trainiert? Schüler kennen ihre Mitschüler oft besser als sich selbst. Dafür suchen wir Partner. Schüler reden den ganzen Tag miteinander. In der Schule, beim Sport, auf Partys, auf schuelerVZ und facebook. Mit Anleitung und Vorbildern reden sie auch über Bildung und Berufswahl. Als Streitschlichter werden Schüler seit Jahren ausgebildet und eingesetzt.

Exzellenz zieht Exzellenz an. Warum wird Berufswahl nicht so professionell betrieben wie Hörspiele der „???“? Warum wird der Wandel der Arbeitswelt nicht so unterhaltsam dargestellt wie die „ICE AGE“-Filme? Professionelle Filme mit Kino-Niveau. Musik mit Download-Niveau. Spannende Storys. Da wollen wir hin. Dafür suchen wir Partner.

Schüler haben grundsätzlich die Qual der Wahl unter

  • 350 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen,
  • 400 Ausbildungen an privaten Schulen,
  • rasant wachsender Anzahl an Dualen Studiengängen und
  • 2.000 Studiengängen an Hochschulen.

Aber sie kennen die wenigsten ihrer Möglichkeiten und daher bewerben sich 60-70% der Schüler auf nur 20 der insgesamt 350 Ausbildungsberufe. Und brechen dann oft wieder ab… Schüler brauchen eine kompetente Beratung. Aber welche Beratung sollten sie wählen unter:

  • 279 Jobstarter-Projekten (BMBF/BIBB),
  • 209 Kompetenzagenturen (BMBFSF/DLR),
  • 370 MINT-Projekten,
  • jede IHK und jede HWK betreibt eine eigene Lehrstellenbörsen,
  • jede Innung macht eine Website: www.werd-busfahrer.de, www.back-dir-deine-zukunft.de,… und kaum ein Schüler findet hin…

Es geht im Web außerdem nicht mehr um einzelne Websites, sondern um „Social Media“ = Kommunikation. „If Your Kids Are Awake, They’re Probably Online.” (NY Times, 20.01.2010)

„Internet today means something very different than it did just a few short years ago. E-mail is old hat to generations Y and Z.“ University of Pennsylvania. Warum macht der DIHK nicht mal eine Kampagne, die Schüler erreicht und ihnen wirkungsvoll vermittelt: „Bil-DU-ng und Berufswahl ist deine Entschei-DU-ng!“ „DU bist Profi für deine Bil-DU-ng und dein Leben!“ Damit Schüler in Bildung zuerst ihre eigene Chance entdecken! Wir sind Menschen und wollen immer wissen: „WaBriMiDa?“

Wir nehmen Schüler ernst, bieten ihnen Lebenshilfe an und erreichen sie. Lassen Sie uns gemeinsam Schüler erreichen – zugunsten Ihrer Mitgliedsunternehmen. Der DIHK könnte sich aktiv mit einer Ausbildungs-Übersicht positionieren (siehe Anlage „Schaffen Sie Übersicht“)? Für alles gibt es Übersichten, Discounter-Prospekte, Immobilien, nur für Bildung und Ausbildung nicht.

Ich hatte Vorbilder wie Familie Hilsberg in Berlin: Hilsbergs wohnten in einem großen Haus. 10 Jahre lang war ihr Privathaus ein offenes Haus für allabendlich 10, 20, 40 bis 140 Schüler! In Deutschland gibt es 15 Millionen Hausbesitzer, wie viele öffnen ihr Haus und teilen ihr Leben mit Hunderten Schülern? Hilsbergs haben uns ernst genommen, streitbare Debatten initiiert, spannende Gäste eingeladen und Freundschaften gestiftet. Ich war durch Hilsbergs Vorbild selbst 20 Jahre ehrenamtlich mit Schülern aktiv: Schüleraustausch, Jugendgottesdienste, Kreativwettbewerbe, Moderationstraining. Die Gründung der YOUNECT GmbH 2007 erfolgte auf der Basis der Erlebnisse und Erkenntnisse in der ehrenamtlichen Jugendarbeit. www.younect.de legt den Fokus auf Schüler mitten in der Berufswahl. Und auf Unternehmen, die Schüler gewinnen wollen. Die Gesellschafter der YOUNECT GmbH haben bereits über 1 Million € in die Azubi-Gewinnung im Primärmedium der Schüler investiert. YOUNECT stellt Schüler in den Fokus der Kommunikation. Berufsorientierung  und Ausbildungsplätze werden zielgruppengerecht auf- und verbreitet. Unternehmen erreichen Schüler ohne Streuverluste in ihren Primärmedien. YOUNECT differenziert sich ferner über ein passgenaues Online-Matching, welches auf einem validen Kompetenzen-Check basiert, der mit Frau Dr. Schnell von der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck entwickelt wurde.

Öffentliche Gelder fließt weiter in alte Strukturen und erhalten sie aufrecht: Knapp 2,3 Millionen € von der Bundesagentur für Arbeit an den Bauer-Verlag für Kooperation mit der BRAVO. Ebenfalls 2,2 Millionen € des BMBFs, um einen (1) Praktikant für Frau Schavans Prestigeprojekt TECHNIKUM zu finden.

Uns liegt das Thema der Schüler, der Berufswahl, der Lebenswege, Passung zu den Unternehmens­kulturen und Kompetenzanforderungen SEHR am Herzen. Das Thema ist so spannend, ich könnte ewig weiter schreiben.

Gerne treffe ich mich mit Ihnen, um Ihnen zuzuhören und von Ihnen zu lernen. Was können wir gemeinsam tun?

Ich freue mich über Ihre Antworten, Fragen, Anregungen und Vernetzung mit möglichen Partnern.

Viele freundliche Grüße aus Berlin, Martin Gaedt