Professionalität, die emotional bewegt! Herzblut, das begeistert! Unter die Haut gehen, damit im Gehirn etwas passiert!

Mich verfolgt die Frage, warum Berufswahl nicht so spannend-kultig dargestellt wird wie die Fälle der Detektive Justus, Peter und Bob, die „???“. Oder so lustig-unterhaltsam wie Ice Age-Filme? Die meisten Berufsinformationen, Websites, Broschüren, Filme versuchen objektiv-neutral zu sein. Weckt das Interesse der Schüler? Ist das interessant? Was dringt zu den Schülern durch? Was begeistert? Was bewegt? Was wird weiter erzählt? Weiter erzählt werden Abenteuer, Geschichten, packende Storys, beeindruckende Bilder. Warum bewegt Berufswahl nicht? Warum werden Berufsinfos nicht weiter erzählt?

Fehlen spannende Geschichten? Fehlt die Emotionalität von Musik, Konzerten, Bands? Warum sind Berufsinfos nicht so spannend-kultig wie die „???“ oder so professionell wie „Wer wird Millionär?“? In „Wer wird Millionär?“ wurde über ein Jahr Entwicklungszeit investiert. Und nun läuft es seit 10 Jahren weltweit erfolgreich. Berufswahl wird nie so dringend sein wie die nächste Party, Berufswahl muss anders punkten!

Nicht nur für Schüler in der Berufswahl, sondern für jeden von uns gilt: Informationen, die wir aufnehmen müssen eine Relevanz für uns haben, sonst nehmen wir sie gar nicht wahr. Unsere Wahrnehmung ist extrem selektiv. Muss sie auch sein, sonst würden wir im Informationsüberfluss durchdrehen. Relevanz hat unter Schülern zum Beispiel, wer mit wem wo baden geht oder auf welcher Party man wen getroffen hat. Schüler reden über ihr Leben, ihre Freunde, ihre Sorgen, ihre Musik, und sie zeigen sich ihre Fotos auf Facebook und schuelerVZ. Das ist relevant. Das ist auch nicht banal. Das ist das, was in dem Alter relevant ist. Welche Inhalte sollten relevanter sein?

Berufswahl ist gefühlt sehr weit weg. Schüler leben extrem im Hier & Jetzt. Das verkürzte Abitur führt tagsüber zu längeren Schulzeiten und noch mehr Hausaufgaben. Die Leistungsbereitschaft wächst zwar bei einem relevanten Teil der 14- und 15-Jährigen. Frau Professor Rump, Uni Ludwigshafen, sieht darin einen Trend und beschreibt diese Entwicklung als „Fleiß und Ehrgeiz als Sicherheitsstrategie der Generation Multimedia.“ Dennoch kommt die Berufswahl immer weit hinter privaten Interessen, Freunden, Hobbys, Partys und Musik mit hoher persönlicher Relevanz sowie auch hinter akut dringenden schulischen Aufgaben.

Haben Unternehmen sich schon das Recht und die Relevanz erworben, vom Schüler gehört zu werden? Unternehmen und Verbände präsentieren Berufe oft mit langweiligen und gewollt objektiven Fotos und Filmen. Aber was ist für einen Schüler daran relevant? Warum sollten Schüler darüber reden? Wo ist die Story, die weitererzählt werden könnte? Schüler sprechen über sich, über das, was sie bewegt, und über professionelle Angebote, die für sie relevant sind und einen klaren Nutzen transportieren. Darin ist Berufsorientierung sachlich, dass sie genauso relevant sein muss und einen klaren Nutzen transportieren sollte, wie alles, was uns wirklich tangiert. Ansonsten ist Berufswahl hochgradig emotional.

Ich hoffe, dass Schüler ihre eigene Motivation finden, das „DU“ in der Bildung und „Bil DU ng“ für sich entdecken. Dazu gehört auch etwas, wofür sie brennen, was sie mit Leidenschaft und Herzblut füllt. Etwas von dem sie schwärmen, das sie gerne weitersagen. Dazu passt dieses Zitat: „Prozesse müssen unter die Haut gehen, damit im Gehirn etwas passiert.“ Gerald Hüther. Lasst uns Berufswahl aufregender gestalten, kultige Serien und spannende Storys erschaffen. Ich hoffe auf Professionalität, die emotional bewegt, und Herzblut, das begeistert!