70.300 Lehrstellen unbesetzt zum heutigen Ausbildungsstart

Bundesweit sind zum heutigen Start der dualen Ausbildungen 70.300 Lehrstellen unbesetzt, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) gestern mitteilte. Allein in NRW sind derzeit noch fast 11.500 Azubi-Stellen frei. Gleichzeitig gibt es deutschlandweit 97.400 Kandidaten, die freie Lehrstellen suchen. Sicher ist, dass durch den demografischen Wandel diese „Lehrstellenlücke“ immer kleiner wird. Verschleiert wird die Statistik durch die  circa 260.000 in den staatlichen Übergangssystemen befindlichen Jugendlichen ohne Ausbildungsstelle.

Warum bleiben Jahr für Jahr trotz des Überhangs so viele Lehrstellen unbesetzt?

Zahlreiche Antworten – jeder aus seiner Sicht: Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Priska Hinz kritisiert, dass der Aufschwung auf dem Ausbildungsmarkt nicht ankäme, da viel zu wenig Unternehmen ausbildeten. Eine zweite Antwort bietet Wilhelm Behmer aus Düsseldorf: Der Bäcker- und Konditormeister sucht noch einen Bäckerlehrling und zwei Bäckereifachverkäuferinnen. Er hatte 15 Anwärter als Praktikanten, von denen begann nur eine als Auszubildende… und hielt nur eine Woche durch, dann brach sie die Ausbildung ab. Insgesamt brechen – seit Jahrzehnten unverändert – durchschnittlich 20% der Auszubildenden ihre Lehre ab. Einer der Hauptgründe dafür ist die Unkenntnis über die Realität der Berufswelt. Schulabgänger haben häufig keinerlei Vorstellung von der Arbeitswelt. Woher auch? Jugendliche orientieren sich bei der Berufswahl vor allem an ihrer eigenen Erlebniswelt. Wie wir alle uns an unserer Erlebniswelt orientieren. Bestes Beispiel dafür sind die Begründungen von Frau Hinz und Bäckermeister Behmer am Anfang dieses Absatzes. Beide argumentieren auf der Basis ihrer Erfahrungen und Grundannahmen. Auch die „Big Five“ in Salzgitter machen sich laut TAZ schon  Sorgen: „Der demografische Wandel“, sagt Florian Löbermann, Leiter Berufliche Bildung, Salzgitter AG, SZST Salzgitter Service und Technik GmbH. „Die Qualität der Bewerber“, sagt Herbert Lindhofer, der Elektromeister. Das Niedersächsischen Landesamts für Statistik prognistiziert Salzgitter für 2021 fünfzehn Prozent weniger Einwohner und fast 30 Prozent weniger Unter-18-Jährige.

Egal wie man es dreht und wendet: Für Unternehmen wird bedeutend schwieriger, qualifizierten Nachwuchs zu finden. Der Wettstreit um Talente wird härter, berichten ZEIT ONLINE und das Handelsblatt: Viele Unternehmen gehen deshalb neue Wege. Wir gehen mit und berichten.