be prepared to have things go wrong. Ohne Fehler nichts Neues. Vertraue dem Versuch, Irrtum und Lernen.

„If you want to be a leader in innovation, you have to be prepared to have things go wrong.“ schreibt Jim Landau. Ich halte das für die schwierigste Aufgabe im Innovationsprozess und auch für die Essenz des Buches “Nur Tote bleiben liegen“ von Förster & Kreuz, über das ich seit drei Wochen in mehreren Blogbeiträgen berichtet habe. Zusammenfassend ist für Förster & Kreuz klar: “Dynamiker vertrauen auf die unbegrenzten Möglichkeiten von Versuch, Irrtum und Lernen.” (S.232) Ein dynamisches Unternehmen erkennt man an der Stellung, die Versuch & Irrtum, Fehler & Lernen im ganzen Unternehmen haben. Ohne Fehler nichts Neues. Fehler entfesseln ein lebendiges Potenzial im Unternehmen. Das ist mutig. „Will heißen: Mut ist der Schlüssel zu allem.”

ACHTUNG. Gerade die Unternehmensleitung kann dazu neigen, am Bewährten festzuhalten und bestehende Prozesse immer weiter zu optimieren. Verständlich, denn was sich bewährt hat, wurde schon getestet und läuft gut. Wer wollte ernsthaft Sand im Getriebe? Und “wer will schon Widerstand, Konflikte, permanente Reibung?” (S.212) Das ist riskant und anstrengend… und daher ein berechtigter Einwand… von Statikern, wie Förster & Kreuz Menschen nennen, „die einem Weltbild anhängen, in dem Veränderung im Kern eine Bedrohung darstellt.” (S.232)

Wer Veränderung als Bedrohung sieht, wird nicht genug Fehler machen. “Wenn wir nicht genügend Fehler machen, heißt das, dass wir nicht genügend neue Dinge ausprobieren.” sagt Philip Knight (S.191). Experimente sind aber für Förster & Kreuz das A&O für lebendige Unternehmen und für Innovationen. „Denn einzig das Experiment ist die geeignete Antwort auf eine nicht mehr voraussagbare Zukunft… Wir müssen experimentieren, experimentieren und nochmals experimentieren.“ (S.181) Ohne Experimente, die sowohl Fehler als auch Erfolge mit sich bringen, gibt es keine Dynamik, ohne Dynamik bleibt alles beim Alten. Das ist die Kernentscheidung für Unternehmen: bleiben sie bewahrende Statiker oder werden sie risikofreudige Dynamiker. „Innovation beginnt dort, wo wir den Status quo hinterfragen.“ (S.219) und jeder sich selbst von Dogmen befreit.

Die Dynamik kann sich in einem experimentierfreudigen Unternehmen exponential verstärken, denn dynamische Mitarbeiter suchen dynamischen Unternehmen. Dass diese ins Unternehmen kommen und auch bleiben, setzt voraus: „‚Wir müssen uns so verändern, dass wir die Dinge tun können, denen die Leidenschaft unserer Leute gilt‘, sagt Tim Brown. Das Unternehmen muss sein Geschäftsmodell den Erwartungen der jungen Generation anpassen!“ (S.25). Ansprüche der Mitarbeiter verändern sich und dadurch auch die Aufgaben der Unternehmensleitung im lebendigen Unternehmen. “Im Web ist jede Führungsrolle eine dienende Rolle.” (S.67) Leitung in dieser dienenden Rolle als sozialer Architekt versteht sich als Koordinator von Talenten und lässt sich am eigenen Wertbeitrag für diese Talente messen. Schafft die Leitung Raum zur Entfaltung der Talente? Schafft die Unternehmensführung herausfordernde Aufgabenstellungen und Ziele, die Raum für neue Lösungen lassen? Es geht nicht um laizzez-faire, sondern: „Führung bedeutet, Menschen zu ermöglichen, ihr volles Potenziel zu entfalten. Punkt. Und Menschen, die ihr Bestes geben sollen, brauchen Führung. Nach wie vor.“ (S.72) Führung für Dynamiker heißt, Freiräume zu eröffnen, in denen Mitarbeiter Fehler machen können, so viele Fehler, bis unter den Fehlern auch Rohdiamanten zu finden sind. Rohdiamanten können in dynamischen Unternehmen auch von den Kunden kommen: „Zum ersten Mal in der Geschichte ist heute der Konsument der Boss.“ sagt Kevin Roberts (S.84) „Nutze die Kreativität der unzufriedenen Kunden.“ (S.88)

Was sich bei allem Wandel nicht ändert: Unterm Strich bleibt Innovation Risiko. Der Ausgang bleibt offen, und Scheitern gehört dazu. Die erfolgreichsten Kreativen weisen unter einer Masse von Versuchen und Fehlschlägen auch Erfolge auf. Sie haben sich nach jedem einzelnen Fehlschlag dazu entschieden, nicht liegen zu bleiben, sondern wieder aufzustehen. Sie gehen weiter, immer weiter, bleiben weder liegen noch stehen. Das erfordert Disziplin und Fleiß. Kreativität setzt Übung und Fachwissen voraus. Kreative Meister sind auch Meister ihres Faches. Auf der Basis ihres Wissens, stellen sie den Status quo in Frage und gehen über das Bekannte hinaus. Ihre Leidenschaft lässt sie “üben üben üben” (S.157). Erst wenn diese “Disziplin, Durchhaltevermögen und Fleiß” (S.176) sich mit risikofreudiger Dynamik paart, haben Unternehmen die Möglichkeit, lebendiges Potenzial zu entfachen.

Der Weg zum Neuen ist nicht neu. Daher steht in dem neuen Buch von Anja Förster und Peter Kreuz grundsätzlich nichts Neues drin. Dass Ideen entstehen, wenn Menschen „aus dem Vorhandenen neue Kombinationen entwickeln“ (S.158), beschrieb schon James Webb Young in“Technique for Producing Ideas„. Aber die vielen inspiriernden Beispiele und Geschichten sowie ihre positive Penetranz, auf Fehler, Versuche, Experimente, Übung und Fleiss zu setzen, um Erfolge zu feiern, ist erfrischend. Die beiden Autoren und Geschichtenerzähler haben mich wieder inspiriert, angestoßen und begeistert. Und sie wissen, dass ich als Entfachter davon berichten muss, dass ich über „Nur Tote bleiben liegen“ bereits mehrfach geschrieben und die Inhalte mit meinen XING- und Facebook-Kontakten geteilt habe. „Das eigene Netzwerk wird zum Filter für einen Großteil der Informationen.“ zitieren Förster & Kreuz Sascha Lobo (S.81). Gesagt, getan. Und nun weiter Versuche und Fehlen machen, aufstehen und weitergehen.

Alle Zitate aus „Nur Tote bleiben liegen“ auf den Seiten, die in den Klammern stehen (S.xx) außer „Mut ist der Schlüssel zu allem.” (aus „Spuren statt Staub“ S.255).