Die Erfolgreichsten sind nach jedem Fehlschlag aufgestanden, nur Tote bleiben liegen

„If you want to be a leader in innovation, you have to be prepared to have things go wrong.“ schreibt Jim Landau. Ich halte das für die schwierigste Aufgabe im Innovationsprozess und auch für die Essenz des Buches „Nur Tote bleiben liegen“ von Förster & Kreuz, das so vielfältig ist, dass ich es seit drei Wochen immer wieder lese und berichte und dabei jeden Tag neue Aspekte entdecke. Zusammenfassend ist für Förster & Kreuz klar, dass Dynamiker auf die unbegrenzten Möglichkeiten von Versuch, Irrtum und Lernen vertrauen, während Statiker einem Weltbild anhängen, in dem Veränderung im Kern eine Bedrohung darstellt. Das neue Buch ist erfrischend und packend. Es zeigt auf, wie eine Unternehmenskultur verändert werden kann durch Experimente und Risiko, Übung und Disziplin sowie Faulheit und Müßiggang. Ja, Faulheit. Förster & Kreuz betonen den Wert von Auszeiten, da große Ideen niemals das Ergebnis von permanentem Beschäftigtsein sind. Sie empfehlen Müßiggang als notwendige Voraussetzung für Kreativität. Der Geist blitzt, wenn er Raum hat, sich zu entfalten und um die Ecke zu denken.

Der Weg zu Innovationen und lebendiger Unternehmenskultur ist nicht neu. Dass Ideen entstehen, wenn Menschen aus vorhandenen Elementen neue Kombinationen entwickeln, beschrieb schon James Webb Young in „Technique for Producing Ideas„. Aber Förster & Kreuz sind begnadete Geschichtenerzähler, und sie pflegen eine positive Penetranz mit ihren Kern-Themen Experimente und Fehler, die mich inspiriert, anstößt und begeistert. Vieles klingt so einfach: Ohne Fehler nichts Neues. Fehler entfesseln ein lebendiges Potenzial im Unternehmen. Wer Veränderung als Bedrohung sieht, wird nicht genug Fehler machen. „Wenn wir nicht genügend Fehler machen, heißt das, dass wir nicht genügend neue Dinge ausprobieren.“ wird Philip Knight zitiert. Menschen haben aber die verständliche Neigung, an Bewährtem festzuhalten und frühere Verhaltensweisen zu wiederholen. Wiederholung schafft Bekanntes, Bekanntes ist gewohnt. Gewohnheit schafft Identifikation, Stabilität und Sicherheit. „Im Alten steckt unsere Identifikation. Gutes gibt man nicht einfach auf für Unbekanntes.“ (Heinrich v. Pierer; Bolko v. Oetinger) Gutes wird haltbar gemacht, konserviert und tradiert. Gewohnheiten schleifen sich ein, es läuft wie geschmiert. Wer will dann ernsthaft Sand im Getriebe? Und wer will Widerstand, Konflikte und permanente Reibung?

Diese Fragen müssen beantwortet werden, bevor Experimente, Irrtum und Lernen zur Unternehmenskultur werden können. Experimente sind für Förster & Kreuz das A&O für lebendige Unternehmen. Einzig das Experiment ist die geeignete Antwort auf eine nicht mehr voraussagbare Zukunft. Wir müssen experimentieren, experimentieren und nochmals experimentieren. Daher lautet die Kernfrage an Unternehmen: Bleiben sie bewahrende Statiker oder werden sie risikofreudige Dynamiker? Weiterer Dominostein zur Dynamik: Dynamische Mitarbeiter suchen dynamische Unternehmen. Dass diese ins Unternehmen kommen und auch bleiben, setzt voraus, dass sich Unternehmen so verändern, dass dynamische Mitarbeiter die Dinge tun können, denen ihre Leidenschaft gilt. Ansprüche der Mitarbeiter verändern sich und dadurch auch die Aufgaben der Unternehmensleitung im lebendigen Unternehmen. Für Förster & Kreuz ist klar, dass die Führungsrolle in dynamischen Unternehmen eine dienende Rolle ist. Ein sozialer Architekt in der Leitung versteht sich als Koordinator von Talenten und lässt sich am eigenen Wertbeitrag für diese Talente messen. Kernaufgabe ist die Schaffung von Raum zur Entfaltung der Talente, damit Menschen ihr volles Potenzial entfalten.

Was sich auch bei allem Wandel nicht ändert: Risiko heißt, der Ausgang bleibt offen und Scheitern gehört dazu. Die erfolgreichsten Kreativen weisen unter einer Masse von Versuchen neben wenigen Erfolgen sehr viele Fehlschlägen auf. Sie haben sich nach jedem einzelnen Fehlschlag dazu entschieden, nicht liegen zu bleiben, sondern wieder aufzustehen. Sie gehen weiter, immer weiter, bleiben weder liegen noch stehen. Das erfordert Disziplin und Fleiß. Kreativität setzt Übung und Fachwissen voraus. Kreative Meister sind auch Meister ihres Faches. Auf der Basis ihres Wissens, stellen sie den Status quo in Frage und gehen über das Bekannte hinaus. Ihre Leidenschaft lässt sie üben, üben und üben. Wenn diese Leidenschaft sich mit risikofreudiger Dynamik paart, haben Unternehmen die Möglichkeit, lebendiges Potenzial zu entfalten. Auf geht`s. Denn tun müssen Sie es selbst. Auch dabei gilt: Ohne Fehler nichts Neues. Vertraue dem Versuch, Irrtum und Lernen.