ROCK YOUR LIFE – das Leben selbst in die Hand nehmen – Studenten helfen Hauptschülern, ihr Leben zu rocken

Mentorenprogramme mit Schülern boomen… und das ist gut so. Die Komplizen, Ausbildungspaten Hannover, Schülercoach, Schüler im Chefsessel, Interkultureller Bildungs- und Förderverein für Schüler und Studenten e.V., Übergangscoaches, Big Brothers Big Sisters Deutschland, Schülerpatenschaften und sicherlich hunderte weitere meist regionale Programme, Vereine und gGmbHs legen sich mächtig ins Zeug. Ich finde diese Vielfalt sehr gut, weil es gar nicht genug Mentoren geben kann. Jeder Mensch hat Fragen, bleibt mal stecken im Leben, weiß nicht weiter und profitiert dann vom Rat von einzelnen Menschen, die einen ernst nehmen, begleiten und neue Anstöße geben. „Im Endeffekt musst du an dich glauben, aber es hilft immer wenn du nicht der Einzige bist, der das tut.“, sagt Tim, ROCK YOUR LIFE! Coach.

Gestern Abend war ich spontan – dank Sebastians Tipp – zur Auftaktveranstaltung von ROCK YOUR LIFE in der Villa Elisabeth in Berlin-Mitte. Was mir da begegnete, war pure Lebensfreude und sprudelnde Hingabe. Der Moderator Jürgen Kaube, Journalist der FAZ, warf den Satz ein „Pessimismus ist Verschwendung“ und erntete Jubel dafür. Anwesend waren zahlreiche Coaches, das sind Studenten, die Hauptschüler 1:1 begleiten. Angestrebt wird eine zweijährige Beziehung, die natürlich auch danach weiter als Freundschaft bestehen bleiben kann. Dabei steht immer der Schüler mit seinem Talent und seinen Wünschen im Mittelpunkt der 1:1-Beziehung. Die inzwischen 400 Coaches an 11 Standorten sind Studenten aller Fachbereiche. Was sie verbindet ist die Leidenschaft, für eine Person Ansprechpartner, Zuhörer und Mutmacher zu sein und mit der Zeit Vertrauensperson und Freund zu werden. 95% aller Schüler-Coaches mögen ihren studentischen Coach, bei 80% der Studenten hat sich ihre Einstellung zu Hauptschülern positiv verändert und 70% der Schüler vertrauen ihrem Coach. Regina, eine Schülerin aus Friedrichshafen, erzählte, wie sie am Anfang des Coaching am liebsten die Schule ohne Abschluss abgebrochen hätte. Nun nach zwei Jahren hat sie ihren Notendurchschnitt auf 2,6 verbessert und geht jetzt wieder gern zur Schule, weil sie ein Ziel vor Augen hat und von der Studentin darin beständig bestärkt wird.

Am neuen Standort Berlin starten gerade 50 neue Studenten. Die Coaching-Anfänger erhalten selbst ein Coaching von ausgebildeten Profis. So soll die Qualität auf hohem Niveau sicher gestellt werden. Zur Qualitätssicherung wurde auch die ROCK YOUR LIFE! gGmbH gegründet. An den Standorten werden einzelne Vereine gegründet. Eine Art gemeinnütziges Franchisemodell, wie es Maria Gross nannte, sie ist zusammen mit Florian Anthes Vorsitzende des Berliner Vereins ROCK YOUR LIFE! Berlin. „Rock your life“ steht für die Überzeugung, dass es sich lohnt, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen – es zu „rocken“, wie Gründerin Christina Veldhoen in der ZEIT zitiert wird. Markus Hipp, Geschäftsführender Vorstand der BMW Stiftung Herbert Quandt, die ROCK YOUR LIFE unterstützt, sieht Innovationen wie ROCK YOUR LIFE immer dann entstehen, wenn die Gründer eine kalkulierte Überschreitung von dem, was man meint, tun zu dürfen, um 10 Prozent machen. Das heißt, den Standard in Frage stellen und das allgemein als erlaubt Anerkannte um 10% überschreiten. „Es beginnt immer mit Menschen“, sagte Herr Hipp zum Ende der gestrigen Diskussionsveranstaltung zum Thema “Dialog statt Revolution – Sozialunternehmen als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Sozialem”. Gründerin Elisabeth Hahnke wies zu Beginn des Dialogs auf das Unternehmensnetzwerk, das ROCK YOUR LIFE auch aufbaut, als einen wesentlichen Unterschied zu anderen Mentorenprogrammen hin. Ihr Ziel ist, dass diese Unternehmen sich mit ihren Ausbildungsplätzen wieder für Hauptschüler öffnen. Der dritte Gründer Stefan Schabernak erhielt schon 2006 mit 19 Jahren seinen ersten Preis für ehrenamtliches Engagement. Inzwischen hat ROCK YOUR LIFE mehrere Preise bekommen und ist von Bundeskanzlerin Angela Merkel im deutschlandweiten Wettbewerb startsocial als einer der Bundessieger ausgezeichnet worden.

Schirmherr von ROCK YOUR LIFE ist der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, der aufgrund eines spontanen Hammelsprungs im Deutschen Bundestag nicht kommen konnte. Michael Bürsch wurde, wie er selbst sagte, am Eingang der Villa Elisabeth „als Double von Peer Steinbrück verhaftet“ und diskutierte angeregt mit. Er war 1998 bis 2002 Leiter der die Enquete-Kommission „Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements“ im Bundestag. Eine der Empfehlungen im Abschlussbericht der Enquete-Kommission war die Gründung eines bundesweiten Netzwerkes. Michael Bürsch sieht einen erhöhten Bedarf an Mentorenprogrammen, da die schulischen und beruflichen Anforderungen stark angestiegen sind, die Welt komplexer geworden ist und der „Kampf um jedes Talent beginnen muss“, da es schon bald zu wenig Auszubildende gibt. Auch die 250.000 ehrenamtlichen Lokal-Politiker in Deutschland werden rasant weniger, was Jürgen Kaube kess kommentierte mit der nächsten Gründungsidee „ROCK YOUR PARTY“.

Mit ASHOKA und Start Social finden sozial engagierte Menschen, die Unternehmen gründen, immer mehr Plattformen. Auch YOUNECT ist aus dem Leitsatz heraus entstanden: „Take a social problem and turn it into a business idea.“ Zum ersten Mal hörte ich diesen Satz 1997 von Professor Günter Faltin, der kürzlich für sein Engagement um Entrepreneurship in Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Da der Gründungsanspruch von YOUNECT und ROCK YOUR LIFE ähnliche Wurzel hat und wir zum Beispiel beim NORDPOOL auch auf Mentoren setzen, bin ich gespannt, wann – nicht ob! – wir mit den LIFE ROCKERN enger zusammen arbeiten werden.