üben Disziplin üben Durchhaltevermögen üben Fleiß üben Fehlschläge

Was ist Kreativität? Wie lässt sich Kreativität erzeugen? Und was bringt sie überhaupt. Anja Förster & Peter Kreuz bringen in „Nur Tote bleiben liegen“ ungewöhnliche Begriffe mit Kreativität in Verbindung, die selten genannt werden: „üben üben üben“ (S.157) und „Disziplin, Durchhaltevermögen und Fleiß“ (S.176) sowie „Misserfolge… Fehlschläge“ (S.177). 240 wissenschaftliche Texte von Albert Einstein, 250 Firmen von Richard Branson, 1.000 Songs von Prince, 1.039 Patente von Edison und 20.000 Kunstwerke von Pablo Picasso deuten an, dass Kreativität auch etwas mit Masse zu tun hat. Die erfolgreichsten Kreativen weisen neben den Erfolgen auch Massen an Fehlschlägen und Misserfolgen auf. Aber sie gehen weiter, immer weiter, bleiben nicht stehen. Das erfordert Disziplin und Fleiss. Kreativität setzt Übung und Fachwissen voraus. Kreative Meister sind auch Meister ihres Faches. Sie gehen auf der Basis ihres Wissens über das Bekannte hinaus. Ihre Leidenschaft führt sie weiter ins Neuland. „Man traut sich einfach mehr als früher.“ (S.168)

Neuland und überraschende, ungewöhliche Ideen, die häufig „einfach mal so“ gefordert werden, haben einen großen Nachteil: Sie weichen ab. Sie verlassen das Altbekannte. Das steht im Widerspruch zur guten Gewohnheit, denn wir vertrauen unseren alten Bekannten erfahrungsgemäß mehr als dem Un-Bekannten, dem Neuen. Neues birgt immer Risiko. Und Neuland „erfordert eine Investition.“ (S.164) Anne Koark schrieb mir letzte Woche zum Risiko: „Die erfolgreichsten Unternehmer schrammen oft haarscharf an einer Insolvenz vorbei, weil es kein erfolgreiches Unternehmen gibt, wenn man nie das Risiko des Unternehmertums geht :-).“ Das ist unangenehm, keiner will das, aber anders geht es gar nicht. Erfolg ohne Niederlage gibt es nicht. Kreativität ohne einen Haufen Mist gibt es auch nicht.

Wer diesen kreativen „Mist“ ernsthaft will, kann einiges dafür tun. Freiräume schaffen durch eine kreative Unternehmenskultur und ein kreatives Umfeld, um kreative Talente zu entfalten. Da wären wir schon wieder beim Thema von gestern: „Führungskräfte als soziale Architekten, die sich als Koordinator von Talenten verstehen. Schafft er einen ‚Raum‘ zur Entfaltung der Talente?“ Kreativität steht und fällt mit Menschen, die ein anregendes Umfeld gestalten, die Fehler zulassen und auch bereit sind, alte Bekannte stehen zu lassen und „mit Traditionen zu brechen.“ (S.163)

Und diese Bereitschaft findet ihren Ausdruck in echten Freiräumen. Neben der bereits genannten Disziplin ist genauso wichtig, „dass Phasen des selbstbestimmten Müßiggangs notwendige Voraussetzung für Kreativität sind.“ (S.174) Kreativer Müßiggang und kreative Höchstleistungen können durch die Unternehmenskultur und auch die Architektur gefördert werden, denn „kleinliche Gebäude beherbergen kleinliche Gedanken.“ (S.169)  Es zeigt sich also, dass kreative Leistungen von vielen strategischen Entscheidungen abhängen. Wird Kreativität mit allen Konsequenzen gewollt und unterstützt? Werden Freiräume im „Altland“ geschaffen? Werden in „Absurdistan“ Experimente und Misserfolge nicht nur zugelassen sondern gewollt und gefördert? Und geht ein Unternehmen ins Risiko, „Neuland“ zu betreten?

Ohne Freiräume, Misserfolge und Risiko keine kreativen Leistungen. „Noch Fragen?“ (S.177) Stellt das gerne alles infrage, denn „alles muss infrage gestellt werden.“ (S.163)