Raab: „Das ist Entertainment, nichts mehr. Schicksale in anderen Shows. Nur eine Sünde: Feigheit“ Mai: „Vor jedem Erfolg steht der Mut zu scheitern“

Im Blog schreibt Jochen Mai heute: „Jetzt erst recht! – Vor jedem Erfolg steht der Mut zu scheitern.“ Er erzählt über die Entstehung des Filmklassikers Citizen Kane 1941. Orson Welles konnte zunächst nur ein kleines Budet erbetteln und setzte mit viel Improvisation immerhin das erste Drittel des Films um. Mit diesen Bildern überzeugte der Regisseur neue Geldgeber, vollendete den Film und feierte einen seiner größten Erfolge. Jochen Mai zieht daraus vier Erfolgsfaktoren: 1. Er gab nicht auf, weil er 2. glaubte, dass nichts unmöglich ist. 3. Sein Ziel vor Augen ließ ihn 4. kreativ improvisieren!

Howard Victor Carpendale startete mit erfolglosen Versuchen in Südafrika als Beat-Sänger und Elvis-Imitator. Herbert Grönemeyers Musiker-Karriere startete so: „Die … Alben waren kommerziell so erfolglos, dass die Intercord Ton GmbH nach dem im Jahr 1983 veröffentlichten Album ‚Gemischte Gefühle‘ den Vertrag kündigte.“ 1984 kam mit „Bochum“ der Erfolg, und Grönemeyers „Ö“ war 22 Jahre lang Spitzenreiter des erfolgreichsten deutschen Albums mit 14 Wochen auf Platz 1 der Album-Charts. Erst 2010 löste ihn die Band Unheilig mit „Grosse Freiheit“ ab. Die Band und ihr Frontman der Graf machen seit 2000 zusammen Musik, das sind 10 Jahre bis zum bundesweiten Durchbruch. Auch bei Carpendale, Grönemeyer und Unheilig gelten die oben genannten vier Erfolgsfaktoren, allen voran: Sie gaben nicht auf.

Einen anderen Rekord hat Lena Meyer-Landrut in der letzten Woche aufgestellt, in Stefan Raabs Worten: „Lena ist die erste Casting-Künstlerin, die es geschafft hat, mit einem zweiten Album in Folge auf Nummer eins der Charts zu landen. Das hat es vorher noch nicht gegeben.“, so ihr Mentor in einem lesenwerten Interview in der Süddeutschen Zeitung. Ein Kommentar zu diesem Interview: „herr raab – ich finde ihre shows furchtbar, ihre moderationen schlecht, aber was sie tun und sagen ist klug, fair und ehrlich! ich bin sehr angetan – mein liebster artikel in der SZ ever!“ Während die Medien flächendeckend am zweiten Anlauf von Lena rummäkeln, hat die zweite CD auf Anhieb kommerziellen Erfolg. „Petsta“ schreibt auf Amazon dazu: „Deutschland, du hast ein Luxusproblem! Die meisten Künstler heutzutage wären wohl glücklich, wenn sie Songs wie… auf ihrem Album präsentieren könnten. Fazit: Sehr positiv überrascht…“

Raab weiter in der SZ: „…, bei anderen Casting-Shows meckern, dass dort eine Casting-Leiche nach der anderen produziert wird. Was wir gemacht haben: Wir haben eine Super-Künstlerin gefunden, und wir geben ihr die Chance, sich als Künstlerin zu etablieren. Wenn Sie mittlerweile so desensibilisiert sind, dass Sie jeden Tag ein menschliches Schicksal sehen wollen, dann müssen Sie die anderen Shows gucken.“ Hinterher ist man immer klüger. Am 14 Mai 2011 werden es alle schon immer gewußt haben, so oder so. Denselben Kommentar schreibt „detlev Motz“: „Ist doch völlig egal wie langweilig die Show war – wenn sie gewinnt jubeln wieder alle und haben es gewusst. Wenn sie verliert haben es alle gewusst. Scheinheilige Medienwelt.“

Gewinnt „Taken by a stranger“ den ESC, kann Lena den 1. Platz verteidigen? Deutschland lag 2009 auf dem vorletzten Platz, 2008 auf dem vorvorletzten Platz, 2007 den 19. Platz. Sollte man vor dem Hintergrund Raab und Lena nicht einfach eine zweite Chance gönnen und die Zeit bis zum ESC in Düsseldorf geben, den Triumph von 2010 zu wiederholen? Jochen Mais Zitat passt hier hervorragend: „Vor jedem Erfolg steht der Mut zu scheitern.“ Ich finde Lena & Raab mutig. Es kann klappen oder nicht. Ich finde, Raab trifft in der SZ weitere drei Nägel auf den Kopf:

  1. „‚Es gibt nur eine Sünde: Feigheit.‘ Genau das ist das Problem der meisten Leute: Sie haben Schiss in der Buchse.“
  2. Für mich bestand die Aufgabe in gewisser Weise darin, Verantwortung zu übernehmen für eine Künstlerin.“
  3. „Ich verrate Ihnen, was das alles ist: Das ist nur Unterhaltung. Das ist Entertainment und nichts mehr.“