‎Willensbildung ist mehr als Wissensbildung. Sie müssen doch sagen, wie Sie dieses Land haben wollen

„Willensbildung ist mehr als Wissensbildung.“ Fünf Worte mit Gewicht von IBM-CTO Gunter Dueck – zuletzt auf der re:publica 2011 gesprochen. Martin Weigert meint: „Der mit Abstand beste Vortrag… Über 250 Vortragende präsentierten auf der re:publica in Berlin ihre Perspektiven zur digitalen Welt. IBM-CTO Gunter Dueck hinterließ einen der nachhaltigsten Eindrücke.“

Duecks Vortrag sprüht vor Anregungen, die zum Weiterdenken anstoßen: „Wo sind die nächsten Arbeitsplätze?“ Er meint damit, dass die alten Berufe der Ärzte, Lehrer und andere Wissensberufe in ihrer herkömmlichen Form so nicht mehr gebraucht werden, weil das Wissen frei im Internet ist. Die Zukunft gehört den Professionals, die Teams leiten können, denen zugehört wird, die präsentieren können, die andere begeistern können. Vor allem geht es Herrn Dueck um Willensbildung im Unterschied zur Wissensbildung. Bisher war das Wissen ein Vorsprung. Jetzt geht es um Persönlichkeitserziehung und darum, professionell zu sein.

Herausragend finde ich diese Sätze: „Zur Politik habe ich auch eine Meinung. Ich möchte, dass Sie sich damit beschäftigen. Sie müssen doch sagen, wie Sie dieses Land haben wollen. Sie müssen die Führung übernehmen. Sie müssen jetzt etwas wollen, für alle.“ und er zitiert Platon: „Die Intellektuellen machen nicht mit, und dann beschweren sie sich, dass sie von Dummen regiert werden.“

Willensbildung beginnt für mich bei Einzelnen. Am Anfang steht der Einzelne davor, herauszufinden, was ich, du, er, sie, es will. Das heißt, Ziele zu definieren und mit anderen um gemeinsame Ziele zu ringen. Schon die eigenen Ziele sollten viele verschiedene Perspektiven berücksichtigen: Persönliche Ziele, familiäre Ziele, schulische Ziele, berufliche Ziele, gesellschaftliche Ziele, soziale Ziele, politische Ziele usw. Wenn nun fünf Menschen zusammenarbeiten, können sie zusammen schon 35 Ziele verfolgen, die zusammenpassen sollten, zumindest für den Abschnitt des Zusammenseins und der Zusammenarbeit. Das Ringen um diese gemeinsamen Ziele ist für fünf Menschen anspruchsvoll. Aber wie finden 80 Millionen Menschen in Deutschland zu gemeinsamen Zielen?

Warum Ziele? Matthias Herzog fragt auf Seite 205 in seinem Buch „Spitze sein, wenn`s drauf ankommt„: „Was passiert, wenn du kein Ziel ins Navi eingibst?“ Das persönliche Navi sieht Herzog im Unterbewusstsein, das dich durch die Straßen des Lebens steuert. Im Video erzählt Matthias Herzog: „Schmiede das Eisen, solange es heiß ist.“ Veränderungen müssen innerhalb von 72 Stunden angepackt und umgesetzt werden, oder 90% starten gar nicht erst, ist Herzogs Erfahrung.

Christian Bischoff hat ein ganzes Buch zur Willenskraft geschrieben. Im Vortrag in einer Schule zeigt er, wie viele Menschen ihre Stärken auskippen und verschwenden, weil ihnen Disziplin fehlt. Ein Glas ist für ihn ein Bild für Disziplin, die man braucht, um seine Stärken einzusetzen, statt sie zu verkippen. Die Flasche muss nicht mal voll sein, keiner muss perfekt sein. Es reicht völlig, wenn man das, was man als Stärken hat, diszipliniert einsetzt.

Zurück zum Start. Vor einem Jahr zitierte ich bereits Gunter Dueck: „Denn Exzellenz zieht Exzellenz an. Wenn Deutschland zu einer Exzellenzgesellschaft aufbrechen will, die von Bildung geprägt ist, wie es der Autor Gunter Dueck zu Recht fordert, dann wird das eine exzellente Wirkung entfalten.“ Hoffen wir drauf und arbeiten wir an unserer Willensbildung.