Minus 3.600.000! Slow-Motion-Revolution in Wirtschaft & Gesellschaft: Spielfeld ohne Grenzen aber weniger Freizeit

Wow. Sprengstoff, selten so pointiert gehört und gelesen. „Slow-Motion-Revolution, die Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändern wird“, schreibt Henrik Müller, Stellvertretender Chefredakteur beim manager magazin, im März 2011 im Spiegel Online: „Ein rapides Minus von mehr als dreieinhalb Millionen Menschen binnen nur 15 Jahren. Das gab es noch nie.“ Daraus folgert Herr Müller: „Für immer mehr Menschen wird der Arbeitsmarkt zum Spielfeld ohne Grenzen. Sie haben die freie Auswahl unter den Arbeitgebern. Und sie nutzen sie.“

Die Kehrseite des Spielfelds ohne Grenzen – nicht minder pointiert von Henrik Müller: „Die Freizeitgesellschaft ist ein Auslaufmodell. Wir stehen am Beginn einer stressigen Ära. Es ist nämlich so: Uns geht keineswegs die Arbeit aus. Im Gegenteil, die demographische Krise werden wir nur abwenden können, wenn mehr Menschen mehr arbeiten, und das immer produktiver. Und? Ist das schlimm? Gegenfrage: Warum sollte eine Gesellschaft, die Arbeitslosigkeit als vordringliches Problem ansieht, Schwierigkeiten damit haben, wieder mehr zu arbeiten?“ Mal sehen, wer sich freuen wird… Interessant in dem Kontext ist ein Bericht im FOCUS 9/2010: Laut der “Shell-Jugendstudie“ gewinnen seit 2002 Werte wie Fleiß, Ehrgeiz, Unabhängigkeit, Gesetz und Ordnung unter euch Jugendlichen signifikant. Und: “Wir vermuten, dass sich dieser Trend 2010 verstärkt”, sagt Forschungsleiter Klaus Hurrelmann. Prof. Dr. Rump, Uni Ludwigshafen, unterstützt diese These und sieht Fleiß und Ehrgeiz als Sicherheitsstrategie der Generation Multimedia, da sich heute 14/15-Jährigen nicht mehr auf die sozialen Vorsorge-Systeme wie staatliche Rente verlassen. (Vortrag 16. Mai 2009 auf dem Bundesbildungskongress Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe in Bad Wildungen).

„Die Zeiten der relativen Beschaulichkeit und Überschaubarkeit, in der wir in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt haben – daran lässt Müller keinen Zweifel –, sind endgültig passé. Die Ära des „großen Wandels“ habe dagegen gerade erst begonnen.“ Auf Spiegel Online warnte Herr Müller vor allem die 99% Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU): „Während die Großkonzerne mit strahlenden Marken und attraktiven Karrieremöglichkeiten immer noch Anziehungskräfte ausüben, müssen sich Mittelständler extrem anstrengen, Leute heranzuziehen, anzulocken und zu halten. Dabei gilt: je kleiner das Unternehmen und je provinzieller der Standort, desto größer die Engpässe beim Personal. Handwerksunternehmen, vor wenigen Jahren noch wegen des Lehrstellenmangels in der Kritik, leiden zuvörderst unter den demografischen Bedingungen.“