Teil 3 bis 5: Orientierungsphase, Entscheidung und Hingabe. Es zählt, dass man morgens gerne zur Arbeit geht

Den richtigen Beruf finden: Ein Leitfaden in fünf Punkten von Christian Heinrich.

Noch während seines Medizinstudiums ahnte Christian Heinrich, dass er als Arzt nicht glücklich sein würde. Er wusste, dass er schreiben wollte. Das Studium schloss er trotzdem ab und besuchte anschließend die Deutsche Journalistenschule – heute arbeitet er als Journalist in Hamburg und schreibt regelmäßig für GEO und die ZEIT. Welcher Beruf ist der richtige? Gibt es den überhaupt? Und wenn ja: Woher soll man noch vor der Ausbildung, vor dem Studium wissen, wie man sich für den richtigen entscheidet – und nicht für den falschen? 75.000 Stunden! So viel Zeit verbringen wir in unserem Leben durchschnittlich im Beruf. Verdammt viel Zeit! Natürlich kann der Weg nicht von vornherein ganz durchgeplant werden kann – aber er sollte doch mit Bedacht gewählt werden.

Heute die Hilfestellungen Teil 3 bis 5:

3. Eine Orientierungsphase kann die notwendigen Vorstellungen vermitteln.

Wer während der Schule keine Ahnung hat, was er einmal machen möchte, braucht nicht beunruhigt zu sein: Woher soll man auch mit 17 oder 18 Jahren wissen, welchen Weg man gehen möchte? Ohne einen Berufsalltag wirklich kennengelernt zu haben, ohne einen Überblick über die Hunderte von Studiengängen zu haben. Nicht zu wissen, welchen Beruf man ergreifen möchte, bedeutet nicht, nichts wirklich interessant zu finden. Im Gegensatz zu denjenigen, die schon früh wissen, was sie machen möchten, haben die Unentschiedenen vielmehr die einmalige Position, alles machen zu können: Wer sich noch nicht entschieden hat, dem stehen alle Türen noch offen.

Und in einige von ihnen kann man ruhig erst einmal unverbindlich einen Blick werfen. Praktika können hilfreich sein, wobei hier Abstrahieren gefragt ist: Eine tolle Betreuung bedeutet ebenso wenig, dass der Beruf das richtige ist, wie eine schlechte Betreuung heißt, dass es das falsche Gebiet ist. Es geht um das, was die Menschen tun und womit sie sich beschäftigen, und nicht darum, wie viel Mühe sie sich geben, dem Praktikanten die Welt hinter ihrer Tür schmackhaft zu machen.

Auch Berufsberatungen, Bücher, Internetseiten, Gespräche mit Älteren – ja, selbst mit den Eltern – sind empfehlenswert. Man sollte sich darauf einlassen. Ob man sich danach richtet, kann man später immer noch selbst entscheiden.

4. Die erste getroffene Entscheidung ist zwar noch keine Einbahnstraße – verlangt aber trotzdem Hingabe.

Wer eine Ausbildung oder ein Studium beginnt, braucht sich nicht zu fürchten, sich unwiderruflich für immer entschieden zu haben. Jeder kann jederzeit alles abbrechen und etwas anderes versuchen – das ist heute nicht mehr die Ausnahme, sondern fast die Regel. Man kann die Sache also ganz entspannt angehen.

Trotzdem sollte man das, wofür man sich entschieden hat, erst einmal ernsthaft versuchen. Schließlich hat man sich vorher eingehend Gedanken gemacht und womöglich Einblicke gesammelt (siehe Punkt 2 und 3). Häufig entspricht es eben nicht gleich ganz den Vorstellungen oder stellt sich als anstrengender heraus als erwartet – auch das ist nichts Ungewöhnliches, sondern etwas ganz normales.

5. Und wenn Du nicht sicher bist? Wie lange sollst Du an etwas festhalten? Wie schaffst Du den rechtzeitigen Absprung?

Je mehr Zeit man in einen Weg investiert, desto größer ist das Gefühl zu scheitern. Doch manchmal muss man dieses Gefühl in Kauf nehmen, um größeres Unglück zu vermeiden.

Fragen, die sich zu stellen bei dieser Entscheidung helfen, sind folgende: Ist meine fehlende Begeisterung nur vorübergehend und hat womöglich nichts mit dem Beruf an sich zu tun? Welche Rolle spielen die Mitarbeiter dabei, wieviel Freude mir der Beruf macht, trüben sie womöglich mein Bild von dem Beruf? Gibt es da etwas, auf das ich schon seit längerem schiele, etwas, das ich viel lieber machen möchte?

Besonders letztere Frage könnte bei der Entscheidung helfen: Wer unzufrieden ist, aber noch nicht den Mut hat, dem aktuellen Beruf den Rücken zuzudrehen, der sollte sich erst einmal etwas suchen, was er lieber machen würde – dann kommt der Mut wie von selbst.

Denn am Ende zählt, dass man morgens gerne zur Arbeit geht – nicht nur für die Berufenen, sondern auch für die Vernünftigen.

Bei Fragen könnte ihr Christian Heinrich gerne kontaktieren. Seine E-Mail-Adresse erhaltet ihr auf Anfrage bei YOUNECT.