Teil 3 Gastartikel von Fröhling/Krämer “Berufsorientierung – Was ist das?”

Berufsorientierung – Was ist das?

Um junge Menschen bei ihrer beruflichen Orientierung unterstützen zu können, empfiehlt es sich, eine konkrete Vorstellung von dem komplexen Begriff der „Berufsorientierung“ zu bekommen. Um bei diesem Prozess zu unterstützen, haben Philipp Fröhling und Toni Krämer die berufliche Orientierung junger Erwachsener aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven betrachtet und einen Überblick zusammengestellt.

Wir haben uns bei unserer Auseinandersetzung mit der Berufsorientierung schon mit entwicklungs- und lernpsychologischen Sichtweisen beschäftigt. Daran anknüpfend beschäftigt sich die sozialisationstheoretische Perspektive der Berufswahl ebenfalls mit dem Selbstbild des Individuums in Form von Interessen, Fähigkeiten und Einstellungen. In erster Linie rückt dieser Ansatz jedoch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Auseinandersetzung mit diesen in den Vordergrund. Die Berufswahl wird hier vor allem durch Urteile über die Arbeitswelt beeinflusst. Diese beziehen sich insbesondere auf Einschätzungen zum Sozialprestige, zur Geschlechtstypik und zur Zugänglichkeit des Individuums zu einzelnen Berufen. Das zentrale Postulat dieses Ansatzes lautet, dass der Einzelne erst dann damit beginnt, seine Einstellungen und Interessen einem Berufsfeld anzupassen, wenn ein Beruf von der Geschlechtstypik[1] sowie vom Niveau des Sozialprestiges akzeptabel ist. Die Auswahl an möglichen Berufen erfährt durch diese Einflussfaktoren zahlreiche Eingrenzungen. Ansatzpunkt für die Förderung einer beruflichen Orientierung ist es, die Eingrenzungen nicht zu verstärken, sondern das Bewusstsein für weniger geeignete Berufsfelder zu fördern. Für die vorliegende Arbeit halten wir fest, dass das Individuum sich beruflichen Strukturen anpasst, diese aber auch durchaus selbst mitgestaltet und zu ihrer Veränderung beiträgt. Diese wechselseitige Einflussnahme lässt den Berufswahlprozess zu einem Sozialisationsprozess werden.

Es folgt Teil 4.

[1] Schon im Kindesalter entwickeln sich Auffassungen über männer- und frauenspezifische Berufe, die durch geschlechtsspezifische Bezugspersonen aus Familie, Schule und Medien beeinflusst werden [vgl. Herzog/ Neuneschwander/ Wannack (2006)].

Quellen:

Beinke, L. (1999): Berufswahl, Bad Honnef 1999

Dedering, H. (2000): Einführung in das Lernfeld der Arbeitslehre, München 2000

Herzog, W.; Neuenschwander, M. P.; Wannak, E. (2006): Berufswahlprozess: Wie sich Jugendliche auf ihren Beruf vorbereiten, Bern 2006

Oechsle, M.; Knauf, H., Maschetzke, C.; Rosowski, E. (2009): Abitur und was dann? Berufsorientierung und Lebensplanung junger Frauen und Männer und der Einfluss von Schule und Eltern, Wiesbaden 2009

Pätzold, G. (2008): Übergang Schule – Berufsausbildung, in: Helsper, W.; Böhme, J. (Hrsg.): Handbuch der Schulforschung, Wiesbaden 2008