Die Zukunft ist grau – oder doch rosig?

Zunehmend lauter werden die Klagen über mangelnde Fachkräfte, die Messer werden gewetzt im „War for Talents“, die Forderungen aus politischen Kreisen nach ausländischen Arbeitern und längeren Arbeitszeiten werden deutlicher.
Zahlreiche Studien zeigen auf, dass in den kommenden Jahren aufgrund des demographischen Wandels Millionen von Stellen unbesetzt bleiben. Nach einer Umfrage des ifo Instituts sehen sich bereits 37% der Unternehmen von einem Fachkräftemangel bedroht, 2020 werden es sogar 71% sein.* 16 Millionen Arbeitskräfte könnten bis 2025 fehlen, heißt es.
Statt Wachstum drohen Rückschritte bis hin zu Stilllegung und Niedergang ganzer Betriebe, Branchen und Regionen. Ist dem so?

Von Schwarzmalerei und verschlossenen Augen

Der demographische Wandel hat längst begonnen. Seit 20 Jahren ist klar: Die Geburtenzahlen sinken drastisch.
Die Zahl der potenziellen Arbeitnehmer verringert sich stetig, schon heute gehen in vielen Betrieben immer weniger Bewerbungen ein. Die StepStone-Studie „Jobsuche 2013“ ergab, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen zu wenige Bewerbungen auf offene Stellen erhalten (53%, im Vorjahr: 47%).** Der Wettbewerb um Fachkräfte wird zukünftig weiter zunehmen.
Doch wird dies zu den dramatischen Auswirkungen führen, wie sie heute schwarzmalerisch angekündigt werden?
Wir wissen es nicht. Keiner von uns hat bisher etwas Vergleichbares erlebt. Doch viele Prognosen sagen: Nein – zumindest nicht gesamtwirtschaftlich oder flächendeckend und schon gar nicht zwingend.***

Mismatch auf dem Arbeitsmarkt

Ein wesentliches Problem findet derzeit zu wenig Beachtung, obwohl es lösbar ist: ein sogenannter „Mismatch“. Während sich einige Regionen und Unternehmen nicht vor Job-Interessenten und Zuwanderern retten können, stehen andere leer da. Zu beobachten ist ein Mismatch in bestimmten Orten, Branchen und Betrieben – Angebot und Nachfrage wollen einfach nicht zusammen finden. Die Frage ist: Warum?

Die Zeiten haben sich geändert. Die jungen Talente heute, und auch die von morgen, tauchen mit einem anderen Bewusstsein in den Arbeitsmarkt ein – sie haben mehr Verhandlungsmacht. Talente und Experten sitzen an einem länger werdenden Hebel und haben zunehmend die Wahl. Regionen und ihre Verantwortlichen, die davor die Augen verschließen, werden in Zukunft leer ausgehen.
Doch diejenigen, die in die Zukunft investieren und an den richtigen Schrauben drehen, sorgen für den Erfolg und den Bestand ihrer Region. Denn Deutschland hat ein großes Potenzial an Fachkräften, heute und auch in Zukunft. Doch die Zeiten, in denen Personal an die Türen klopft und um Einlass bittet, scheinen vorbei zu gehen. Daher ist proaktives Recruiting gefragt! Und effektives Ressourcenmanagement.
Und Konzepte, die Regionen sichtbar machen.

* ifo Institut (2010): Sonderumfrage im Oktober 2010 unter den Teilnehmern der ifo Personalleiterbefragung, in: ifo Schnelldienst 24/2010 – 63. Jhg.
** StepStone (2013): Online-Umfrage Jobsuche 2013
http://www.stepstone.de/Ueber-StepStone/presse/loader.cfm?csModule=security/getfile&pageid=31703
*** K. Brenke (2010): Fachkräftemangel kurzfristig noch nicht in Sicht. In: Wochenbericht des DIW Berlin Nr 45/2010


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Fachkräftesicherung mit Silber und Bronze«

  1. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile III
  2. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile II
  3. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile I
  4. Bildungspartner als dicke Fische
  5. Regionale Talentpools zur Fachkräftesicherung
  6. Netzwerkbasiertes Empfehlungs-Recruiting
  7. Verschwendung im großen Stil
  8. "Die Region ist tot" - Das Problem der Unsichtbarkeit
  9. Die Zukunft ist grau - oder doch rosig?
  10. Was hat die Olympiade mit Bewerbungsprozessen zu tun?