Verschwendung im großen Stil

Auf ein attraktives Stellenangebot melden sich, wenn alles gut läuft, mehrere passende Bewerber. Im Idealfall findet das suchende Unternehmen den richtigen Kandidaten, und die Fachkraft wird eingestellt. Stelle besetzt – check.

Ist das wirklich der Idealfall? Das Problem ist, dass genau hinter diesen Punkt ein Haken gesetzt wird. Beim Weiterschauen eröffnet sich folgendes Bild: mehrere Bewerber, ein Gewinner, viele Absagen.
Viele Absagen… auch an gute Kandidaten! Denn oft entscheiden im Personalauswahlverfahren nur Nuancen über die Einstellung. De facto heißt das: Qualifiziertes Personal wird fortgeschickt und geht somit verloren. Dabei recken sich gleichzeitig viele Unternehmen der Region nach diesen Fachkräften – und gehen leer aus. Ist das wirklich ideal?

Im Hinblick auf den im vorigen Beitrag dargestellten Mismatch stellt sich die Frage: Warum das vergeuden, was andere dringend brauchen? Warum Potenzial ziehen lassen? Warum eine wertvolle Ressource verschwenden? Warum nicht gute 2.- und 3.-platzierte Bewerber weiterempfehlen?

Mitarbeiter auf Empfehlung

Empfehlungen gelten als besonders vertrauenswürdig. Im Produkt- und Dienstleistungsbereich hat sich dies schon lange herumgesprochen. Nicht ohne Grund entwickelte sich das Empfehlungsmarketing als Instrument der Neukundengewinnung. Word-of-Mouth-Marketing (WoM) oder Mund-zu-Mund-Propaganda ist im Instrumenten- Mix der Werbetreibenden angekommen. Die Hubert Burda Media fand gemeinsam mit der HTW Dresden im April 2012 heraus, dass 64% der Unternehmen WoM innerhalb ihrer Kommunikationspolitik betreiben.*

Einsatz von Word of Mouth

Einsatz von Word of Mouth, Quelle: Hubert Burda Media, 2012

Das Vertrauen in Empfehlungen nutzen auch Unternehmen für sich. Nach einer 2011 durchgeführten, repräsentativen Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg wurden in Deutschland zuletzt 25% der Stellen über Empfehlungen besetzt – bei Kleinstbetrieben sind es sogar 50%.**

Der Mittelstand greift sich gegenseitig unter die Arme. Auf Fachtagungen, Branchentreffen o.ä. bekommen die Unternehmen mit, wem was fehlt. Da schiebt Firma A eine Initiativbewerbung, für die sie keine Vakanzen hat, schon mal Firma B auf den Schreibtisch. Die richtige Idee, nur leider bewegen sich Personaler so datenschutzrechtlich auf sehr dünnem Eis.

Trotz dem Vertrauen in Empfehlungen sind nur vereinzelt gezielte Maßnahmen wie z.B. Mitarbeiterempfehlungsprogramme (MEP) entstanden. Eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP e.V.) ergab, dass drei Viertel der Befragten bereits Empfehlungen ihrer Mitarbeiter erhielten. Gleichzeitig jedoch verwenden weniger als 10% der Unternehmen MEP.*** Empfehlungen werden gern genutzt, allerdings nur selten auf standardisierte und professionelle Art und Weise.

Die perfekte Gleichung

Es scheint, dass sich Empfehlung und Rekrutierung sehr gut verbinden lassen. Doch diese Kombination birgt in ihrer bisherigen informellen Ausgestaltung meist drei Nachteile:

  • sie ist datenschutzrechtlich nicht abgesichert,
  • die Reichweite ist begrenzt,
  • sie tritt nicht der derzeitigen Verschwendung entgegen.

Die Gleichung benötigt zwei zusätzliche Komponenten, dann geht sie auf: Die Einspeisung der guten 2.- und 3.-platzierten Bewerber sowie einen Rahmen, der nicht nur vernetzt, sondern auch dem Datenschutzgesetz entspricht.

Die perfekte Gleichung

Die perfekte Gleichung

*Hubert Burda Media (2012): Studie zur Nutzung von Word of Mouth bei werbetreiben den Unternehmen
http://www.hubert-burda-media.de/chameleon/outbox/public/Studie-zur-Nutzung-von-Word-of-Mouth-bei-werbetreibenden-Unternehmen.pdf
**Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2011): Betriebliche Personalsuche und Stellenbesetzungen. Neueinstellungen gelingen am besten über persönliche Kontakte. In: IAB Kurzbericht 26/2011
***DGFP-Deutsche Gesellschaft für Personalführung mbH (2011): Mitarbeiterempfehlungsprogramme im Mittelstand,in: Fachmagazin Personalführung 3/11. S. 48-51


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Fachkräftesicherung mit Silber und Bronze«

  1. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile III
  2. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile II
  3. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile I
  4. Bildungspartner als dicke Fische
  5. Regionale Talentpools zur Fachkräftesicherung
  6. Netzwerkbasiertes Empfehlungs-Recruiting
  7. Verschwendung im großen Stil
  8. "Die Region ist tot" - Das Problem der Unsichtbarkeit
  9. Die Zukunft ist grau - oder doch rosig?
  10. Was hat die Olympiade mit Bewerbungsprozessen zu tun?