Bildungspartner als dicke Fische

An Universitäten, Hoch- und Berufsschulen werden die Fachkräfte von morgen bereits heute in der Region ausgebildet. Es gilt, sie zu halten.
Eine repräsentative Online-Studie Im Jahr 2012 unter Absolventen der Region Mittelhessen ergab, dass die Mehrheit der Befragten mobil sei und ein großer Teil davon (42%) sogar örtlich absolut ungebunden.*

Das hat sowohl negative als auch positive Auswirkungen für die Region. Zum einen bedeutet dies, dass zugezogene Studenten und Azubis prinzipiell bereit sind, auch in einem Ort fernab der Heimat zu arbeiten. Gleichzeitig könnten sie sich aber auch schnell dazu entscheiden, ihr Glück woanders zu suchen – wesentlich für sie ist ein guter Job, nicht in erster Linie der Ort des Betriebes. Die ausgeprägte Mobilitätsbereitschaft der jungen Fachkräfte spricht auch dafür, dass einheimische Absolventen ebenfalls keine Probleme damit hätten, ihre Heimatregion für einen guten Arbeitsplatz hinter sich zu lassen.

Hidden Chances

Jedes Jahr verlassen viele junge, gut ausgebildete Fachkräfte die Fachhoch- und Berufsschulen und gleichzeitig die Region der Ausbildung, um zum Job zu ziehen. Dabei würden sie bleiben, wenn sie nur wüssten, dass sie genau hier Berufseinstiegs- und Aufstiegschancen hätten. Über 10% der Befragten suchten erst gar nicht nach einem Job in der Region, weil sie der Meinung waren, dass dort keine passenden Arbeitgeber zu finden seien.
Gleichzeitig ergab die Studie, dass 70% der Absolventen als Arbeitnehmer in der Region geblieben wären, wenn man ihnen rechtzeitig ein Angebot unterbreitet hätte. Stattdessen fließen die Gelder, die in die Ausbildung der jungen Talente investiert wurden, nun in Form von Arbeitskraft in andere Regionen.

Talente frühzeitig in die Unternehmenswelt einbringen

Es ist also sinnvoll, der Abwanderung von Fachkräften bereits während der Ausbildung zu begegnen und die Talente frühzeitig an die Region zu binden, indem man ihnen aufzeigt, welche Möglichkeiten es vor Ort und in unmittelbarer Nähe gibt.

Der Talentpool kann hierbei effektiv genutzt werden. Bildungseinrichtungen entwickeln sich auf Einladung des Initiators zu einem wichtigen Teil des Talentpools und empfehlen ihre Schützlinge über das geschlossene Recruiting-Netzwerk direkt an Unternehmen der Region weiter.
Bildungspartner sind dabei nicht nur Universitäten, sondern auch Schulen, Berufsschulen und Vereine.

Die Bildungseinrichtungen als Empfehlende sind besonders wertvoll für den Talentpool: Sie kennen die zukünftigen Arbeitnehmer durch jahrelange Begleitung und Betreuung besonders gut und wissen genau um ihre Schlüsselkompetenzen.

Der Talentpool kann sogar noch während der Ausbildung und Studium genutzt werden z.B. zur Vermittlung von Praktika oder Abschlussarbeiten. So werden die zukünftigen Fachkräfte frühzeitig und vor ihrem Abschluss in die regionale Unternehmenswelt eingebunden.

Mit Hilfe der Bildungspartner wird der Talentpool um weitere qualifizierte Teilnehmer bereichert und Talente werden früh gefördert, gefunden und gebunden.
Die Einbeziehung der Bildungspartner in den Talentpool ist ein wesentliches Element, um Abwanderung zu verhindern und zur Stärkung der Region beizutragen. Der Talentpool-Initiator trägt hierfür die Verantwortung.

*Philipps-Universität Marburg (2012): Absolventenbefragung, Kurzfassung
http://www.region-mittelhessen.de/fileadmin/media/dokumente/publikationen/mittelhessen_absolventenbefragung_fachkraeftemarketing_2012.pdf


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Fachkräftesicherung mit Silber und Bronze«

  1. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile III
  2. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile II
  3. Empfehlungs-Recruiting - Nutzen & Vorteile I
  4. Bildungspartner als dicke Fische
  5. Regionale Talentpools zur Fachkräftesicherung
  6. Netzwerkbasiertes Empfehlungs-Recruiting
  7. Verschwendung im großen Stil
  8. "Die Region ist tot" - Das Problem der Unsichtbarkeit
  9. Die Zukunft ist grau - oder doch rosig?
  10. Was hat die Olympiade mit Bewerbungsprozessen zu tun?