MdB Axel Knoerig sagt: „Lieber studieren als Banklehre“

Axel Knoerig (46, CDU/CSU) findet seine Arbeit bunt und spannend. An „den“ Fachkräftemangel glaubt er nicht.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?
Ziemlich traurig, weil mir dann das großartige Miteinander von Bürgern, Kollegen, Vereinen und Institutionen vorenthalten blieben wäre, das meine Arbeit ebenso bunt wie spannend macht.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern meines Wahlkreises möchte ich dafür sorgen, dass unsere Heimat zukunftsfest bleibt. Im ländlichen Raum müssen wir besonders klug auf den demografischen Wandel reagieren: Deshalb liegt mein Augenmerk auf einer optimierten Ärzteversorgung und einem weiteren Ausbau unserer Infrastruktur, gerade beim Ausbau von Bundes- wie Umgehungsstraßen. Als Forschungspolitiker weiß ich um die Bedeutung von Forschung als Grundlage für Wohlstand. Darum werde ich auch weiterhin dafür einstehen, dass unserer Wirtschaft entsprechende Förderprogramme zugutekommen.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Meine jüngste Empfehlung an einen Freund war das Buch „Herz-Schlag: Mein Engagement für Menschlichkeit“ von Rupert Voß. Er stellt darin seine Work and Box Company vor, ein Jugendhilfeprojekt für gewaltbereite junge Männer. Hintergrund ist, dass mir das Programm „Integration durch Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes sehr am Herzen liegt. Mein Heimatverein, der TuS Syke, fungierte als Stützpunkt hierfür: Ziel ist es, insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund für unsere Vereine zu begeistern und durch das Miteinander eine gelebte Integration zu fördern. Die beste Empfehlung der letzten Zeit: Mir das Fußballspiel BSV Rehden vs. FC Bayern München in Osnabrück anzuschauen und den Wahlkampf für einen Abend Wahlkampf sein zu lassen. Das war schon beeindruckend, als wir in Rehden mit zig Bussen abfuhren – als ob die ganze Stadt mitgefahren wäre. Schon toll, wenn gerade ein heimischer Verein gegen die erste deutsche Mannschaft antreten darf, der in der Saison 2012/2013 ein „Triple“ gelang: Von der Champions League über die deutsche Meisterschaft bis hin zum DFB-Pokal den Sieg einzufahren.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Meine erste Bewerbung ging an eine Volksbank im hiesigen Raum. Sie antwortete mit einer Absage …

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absagen erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
… wegen der ich mich aber nicht sonderlich schlecht fühlte. Ich wollte ohnehin viel lieber studieren als eine Banklehre zu beginnen. Die Absage bestärkte mich letztlich, ein Studium aufzunehmen.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
An Missverständnisse und Notwendigkeiten. Missverständnisse, weil es „den“ Fachkräftemangel nicht gibt: Er ist regional und branchenspezifisch unterschiedlich; Notwendigkeiten, weil in gewissen Branchen nicht ausreichend qualifiziertes Personal für Ausbildung und Berufsausübung zur Verfügung stehen. Von den Handwerkern meiner Region höre ich immer wieder, dass sie bis vor einigen Jahren über zehn Bewerber für eine Lehrstelle hatten, jedoch heute teilweise kaum welche haben. Oder sich zumindest keine ausbildungsfähigen Bewerber bei ihnen melden. Hier wollen wir Wege suchen, wie beide Seiten dennoch zueinander finden können.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Als CDU-geführte Bundesregierung wollen wir die Ausbildungsfähigkeit auch geringer Qualifizierter – Stichworte (funktionale) Alphabetisierung und Grundrechenarten – erhöhen und die Abbrecherquote bei der handwerklichen Ausbildung verringern. Außerdem sollen Programme/Initiativen wie JOBSTARTER und BILDUNGSKETTEN (beide vom Bundesministerium für Bildung und Forschung) die Anzahl der jungen Menschen im Übergangssystem weiter reduzieren (von 2005 bis 2012 gelang bundesweit eine Verringerung um 36%). Indem wir als Bundesregierung die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen beschlossen, können nun auch die Fachkräftepotenziale in Deutschland lebender Migranten besser nutzen und gleichzeitig deren Integration fördern. In meinem Wahlkreis stehe ich in regelmäßigem Austausch mit Vertretern der Privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz/Oldenburg (FHWT). Bei meinem letzten Besuch im Mai mit dem Parlamentarischen Staatssekretär aus dem Bildungs- und Forschungsministerium, Thomas Rachel MdB, erörterten wir u.a. die Einführung einer Junior-Professur. Ebenfalls im Mai organisierte ich einen Termin mit Berufsschülern aus Syke und Logistikern unserer Region in der Logistikschule der Bundeswehr. Ich setze mich dafür ein, die Berufsbildenden Schulen in Syke zu einem Hochschulstandort für den Fachbereich Logistik zu machen; entsprechende Gespräche mit der Hochschule für Oekonomie & Management Bremen (FOM) führte ich bereits. Weiterhin ermögliche ich jedes Jahr zwei jungen Menschen, die sich in der Schule bzw. in einer Ausbildung befinden, für ein Jahr in die USA zu gehen: Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet.
Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.

Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?
Eindeutig ja, solche Netzwerke mitsamt ihres Empfehlungsmanagements sind Gold wert. Insofern bin ich sehr froh, dass in meinem Wahlkreis sowohl die Gemeinschaft der Unternehmen in Twistringen (GUT) als auch das kürzlich von Bundesarbeitsministerin Dr. Ursula von der Leyen ausgezeichnete job4u mit ihren Ausbildungs- und Stellenportalen aktiv sind.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

  1. Weil ich mich für gute Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten vor Ort einsetze, um die heimische Wirtschaft zu stärken und ich möchte, dass mein Wahlkreis weiterhin Spitzenplätze belegt: Im IHK-Ranking für Niedersachsen liegt der Landkreis Diepholz bei der Beschäftigtenentwicklung auf Platz 1, außerdem hat er die niedrigste Arbeitslosenquote in Niedersachsen; der Landkreis Nienburg liegt hier auf Platz 3.
  2. Weil ich als Bundesvorstandsmitglied der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft sowie in der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für faire Löhne, Arbeitsschutz und die Zukunftsvorsorge in den sozialen Sicherungssystemen direkt mitgestalten kann. Darüber hinaus bezog ich meine 14-jähige Arbeitserfahrung in der Telekommunikations- und Internetbranche in dieser Wahlperiode ein, um mich für den Arbeitnehmerdatenschutz einzusetzen.
  3. Weil ich an unserer wachstumsfördernden Forschungspolitik festhalten werde, damit Deutschland auch künftig als Innovationsstandort glänzen kann.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Knoerig.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

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  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
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  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
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  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)