MdB Kai Gehring sagt: „Ungewöhnliche Biografien“

Kai Gehring (35, B90/Die Grünen) möchte, dass es in Deutschland endlich gerechter zugeht und wünscht sich mehr Neugierde auf Internationalisierung.

Kai Gehring

Kai Gehring

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?
Wissenschaftler.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Mehr Gerechtigkeit und Chancen für alle: Als Sozialwissenschaftler, Bildungspolitiker und Arbeiterkind liegt mir eine Gesellschaft der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit am Herzen.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Für einen fantastischen Urlaubsort und ein gutes Buch.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Als Schüler habe ich Zeitung ausgetragen – dafür hatte ich mich bei der Redaktion beworben und eine Zusage erhalten.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Die Wahl in den NRW-Landtag habe ich 2005 knapp verpasst. Das war eine bittere Erfahrung – aus der kurz darauf eine Riesenchance erwuchs: die geglückte Wahl als Mitglied des Deutschen Bundestag. Wichtig ist, sich nicht unterkriegen zu lassen, Chancen zu nutzen und Risiken zu umschiffen, nach Absagen oder beruflichen Niederlagen genau zu reflektieren.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
An das Paradox, dass sich Fachkräftemangel verschärft und zugleich hierzulande rund 2,2 Millionen Menschen zwischen 20 und 35 Jahren ohne Ausbildungs- oder Schulabschluss leben. Diesen Verlust an persönlichen Teilhabechancen und Fachkräftepotenzial können wir uns nicht länger erlauben. Politik, Betriebe und Sozialpartner müssen gemeinsam Wege auf-zeigen, diese potenziellen Talente endlich zu heben. Daneben brauchen wir mehr qualifizierte Zuwanderung und mehr Neugierde auf Internationalisierung.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Wir wollen bundesweit und vor Ort eine bestmögliche Qualifizierung und einen guten Berufs-einstieg für die Menschen, die hier leben. Und wir wollen mehr Internationalität und Will-kommenskultur für Fachkräfte, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen. Um den Folgen des demografischen Wandels auf das Fachkräfteangebot entgegenzuwirken, schlagen wir ein umfassendes Maßnahmenpaket für Bildung, Arbeitsmarkt, Einwanderung und Gleichstellung vor. Dazu gehören die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie die bessere Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen. Unser Bildungssystem wollen wir durch den Ausbau der Infrastruktur (v.a. Kinderbetreuungs-, Ganztagsschul-, Aus-bildungs- und Studienplätze) sowie durch bessere Übergänge demografiefest machen. At-traktivere einwanderungs- und integrationspolitische Rahmenbedingungen müssen dafür sorgen, dass sich mehr ausländische Fachkräfte für ein Leben in Deutschland entscheiden.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet. Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.

Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt. Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?
„Empfehlungs-Recruiting“ kann ein sinnvoller Beitrag sein, Talente in einer Region zu halten – sofern die Empfehlung im Einvernehmen mit den Bewerberinnen und Bewerbern erfolgt und die Daten geschützt bleiben. Noch wichtiger als Empfehlungen ist es jedoch, dass Betriebe ihre Erwartungen an potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prüfen und mehr Vielfalt in der Belegschaft zulassen. Denn soziale und kulturelle Vielfalt in Betrieben bringt mehr Gerechtigkeit und Kreativität, was sich für Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt auszahlt. Auch Menschen mit beruflichen Umwegen, ungewöhnlichen Biografien oder Bildungsbe-nachteiligungen brauchen gute Einstellungschancen.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

  • In Deutschland soll es endlich gerechter zugehen. Einkommen, Vermögen, Bildung, Arbeit oder auch ärztliche Versorgung sind zunehmend ungleich verteilt. Das will ich ändern: Ge-recht geht es dann zu, wenn alle ihre Potenziale und Talente entfalten und selbstbestimmt leben können. Darum brauchen wir Mindestlöhne, ein gerechteres Steuersystem und eine neue Bildungsexpansion.
  • Als Bildungs- und Hochschulpolitiker will ich im Bundestag Bildungsarmut bekämpfen. Wir brauchen keine Bildungsfernhalteprämie wie das schwarz-gelbe Betreuungsgeld, sondern besser finanzierte Kitas, Schulen und Universitäten, in denen gute Lern-, Lehr- und For-schungsbedingungen herrschen. Damit der Bund die Länder wirksam bei der Bildungs- und Wissenschaftsfinanzierung unterstützen kann, wollen wir das im Grundgesetz verankerte Kooperationsverbot aufheben, welches bisher eine bundesseitige Unterstützung in der Bildung untersagt.
  • Wissenschaft muss die großen Herausforderungen von Klimawandel bis Demografie stärker bewältigen helfen und sich als Teil eines gesellschaftlichen Frühwarnsystems im Sinne einer wissenschaftlichen Politikberatung begreifen. Dazu brauchen wir mehr gesellschaftliche Viel-falt in Universitäten und Forschungseinrichtungen. Heterogene Teams und Entscheidungs-gremien machen in ihrer Perspektivenvielfalt Entscheidungen besser und nachhaltiger. Zu-dem brauchen wir mehr Transparenz und Partizipation in der Forschung.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Gehring.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

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  29. MdB Tabea Rößner sagt: "Erde nur geborgt" (6. September 2013)
  30. MdB Dr. Thomas Feist sagt: "Das Unmögliche möglicher machen" (6. September 2013)
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  32. MdB Ingo Wellenreuther sagt: "Zum Wohle unserer Stadt" (5. September 2013)
  33. MdB Kerstin Tack sagt: "Marktwächter mit Klagerechten" (5. September 2013)
  34. MdB Roderich Kiesewetter sagt: "In der Demokratie stecken geblieben" (4. September 2013)
  35. Ursula Groden-Kranich sagt: "Dienstleisterin in der Politik" (4. September 2013)
  36. MdB Tankred Schipanski sagt: "Abrechnung mit linker Politik" (4. September 2013)
  37. MdB Manfred Grund sagt: "Die Noch-Arbeitslosen" (3. September 2013)
  38. MdB Michael Kretschmer sagt: "Wichtig ist, was man macht" (3. September 2013)
  39. MdB Gisela Piltz sagt: "Streite mit Leidenschaft" (3. September 2013)
  40. MdB Jens Ackermann sagt: "Freunde durch Pils" (2. September 2013)
  41. MdB Marco Wanderwitz sagt: "Dringendes Problem" (2. September 2013)
  42. MdB Katja Kipping sagt: "Bessere Löhne und weniger Stress" (2. September 2013)
  43. MdB Stefan Rebmann sagt: "Hochschulen öffnen" (30. August 2013)
  44. MdB Sebastian Blumenthal sagt: "Magnet für kluge Köpfe" (30. August 2013)
  45. MdB Steffen Bilger sagt: "Je innovativer, umso besser" (30. August 2013)
  46. MdB Annette Sawade sagt: "Mit dem Lasso einfangen" (29. August 2013)
  47. MdB Ingbert Liebing sagt: "Mensch wie du und ich" (29. August 2013)
  48. MdB Günter Lach sagt: "Keiner darf verloren gehen" (29. August 2013)
  49. MdB Dr. Martin Burkert sagt: "Leider ist das so" (28. August 2013)
  50. MdB Rainer Erdel sagt: "Bürokratieabbau für die Landwirtschaft" (28. August 2013)
  51. MdB Arfst Wagner sagt: "Eigenlob stinkt" (28. August 2013)
  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
  53. MdB Swen Schulz sagt: "Ausschlafen" (27. August 2013)
  54. MdB Uwe Kekeritz sagt: "Wir drohen abzurutschen" (27. August 2013)
  55. MdB Elvira Drobinski-Weiß sagt: "Unsinniges Betreuungsgeld" (26. August 2013)
  56. MdB Maria Flachsbarth sagt: "Nur mit Kreativität und Schaffenskraft" (26. August 2013)
  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)