MdB Dr. Petra Sitte sagt: „Kein klar fassbarer Endpunkt“

Dr. Petra Sitte (52, Die Linke) sucht realitätsnahe Lösungen, fährt im Karwendelgebirge Rad und will den technologischen Wandel zum Wohle für uns Menschen gestalten.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politikerin geworden wären?
Promoviert habe ich in der Volkswirtschaft, wahrscheinlich wäre ich an der Uni geblieben. Mein Traumberuf wäre es, als Forscherin an spannenden Entdeckungen rund um moderne Technologien und Digitalisierung mitzuarbeiten.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Als Wissenschafts-, Forschungs- und Netzpolitikerin befasse ich mich vor allem mit den Arbeitsbedingungen der Menschen auf diesen Feldern sowie mit dem technologischen Wandel unserer Gesellschaft.
Ich will, dass diese Arbeitsbedingungen fair und auskömmlich sind. Und ich will, dass der technologische Wandel uns nicht überrollt, sondern allen Menschen zu gute kommt. Dafür ist es wichtig, dass das notwendige Wissen allen zur Verfügung steht, dass es soweit wie möglich transparent, offen und von unterschiedlichsten Menschen gemeinsam erarbeitet wird.
Deshalb werbe ich dafür, mehr und mehr politisch interessierte Menschen aus allen sozialen Schichten anzusprechen, für diese Themen zu interessieren und zur Mitarbeit an der Gestaltung unserer Zukunft zu motivieren. Dieses Ziel hat keinen klar fassbaren Endpunkt, dementsprechend freue ich mich über jeden Erfolg auf dem Weg dahin, an dem ich ein Stück mitwirken konnte.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Ich empfehle liebend gern spannende Fernsehsendungen (insbesondere Wissenschaftsreporte), Filme, Bücher oder schöne Touren für mein großes Hobby, das Radfahren. Zuletzt war dies der Ahornboden im Karwendelgebirge an der Grenze zwischen Bayern und Österreich. Gekauft habe ich in letzter zeit auf Empfehlung von Freunden ebenfalls ein Buch über den Radsport.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Ja ich erinnere mich an meine erste Bewerbung bzw. mein erstes Bewerbungsgespräch. Nach dem Gespräch habe ich eine Zusage erhalten…nach intensiven Gesprächen mit Freunden jedoch selbst abgesagt. Arbeitsinhalte und Ziele der Einrichtung entsprachen nicht meinen Vorstellungen von einer erfüllten Arbeit.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absagen erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Glücklicherweise sind mir Absagen bislang erspart geblieben.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
Die demografische Entwicklung wird die Probleme am Ausbildungsmarkt nicht „von selbst“ lösen. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gesunken und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist auf dem zweitniedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Das deutet darauf hin, dass das aktuelle Ausbildungsengagement der Betriebe allein nicht ausreicht. Die Folge: Über 260.000 Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz nachgefragt haben, sind leer ausgegangen. Junge Menschen, vorwiegend mit schlechteren Schulabschlüssen und mit Migrationshintergrund, landen in Warteschleifen. Auch für die über zwei Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren, die infolge der Ausbildungskrise keine Berufsausbildung abgeschlossen haben, hat die Bundesregierung keine Lösung.
Dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, ist je nach Region und Branche recht unterschiedlich. Hinsichtlich der Branchen ergibt sich jedoch von Jahr zu Jahr das gleiche Bild. Es sind vor allem Branchen mit schlechten Ausbildungsbedingungen, die Probleme haben, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Fachkräfte lassen sich am ehesten sichern, wenn junge Menschen gut ausgebildet werden und dafür auch eine ausreichende Anzahl an Ausbildungsplätzen zur Verfügung steht. Letztlich müssen sie nach der Ausbildung auch vom Betrieb übernommen werden.
Wir wollen jungen Menschen einen möglichst direkten Weg in den Beruf eröffnen. Dafür muss das Grundrecht auf Ausbildung im Grundgesetz verankert werden. Für eine gerechtere und konjunkturunabhängigere Finanzierung der Ausbildung fordern wir eine solidarische Ausbildungsumlage, an der sich alle Unternehmen einer Branche beteiligen. So können Ausbildungsbetriebe unterstützt und ein auswahlfähiges Ausbildungsplatzangebot sichergestellt werden. Berufliche Erstausbildung muss für alle Ausbildungsformen gebührenfrei sein, die Rahmenbedingungen müssen tarifvertraglich geregelt und eine angemessene Ausbildungsvergütung muss gezahlt werden.
Zudem gibt es bereits zahlreiche Unterstützungsinstrumente wie ausbildungsbegleitende Hilfen, berufsvorbereitende Maßnahmen oder Berufseinstiegsbegleitungen, auf die die Betriebe zurückgreifen können. Diese sollten ausgebaut werden, um eine individuelle Förderung hin zu einem Berufsabschluss zu gewährleisten.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet.
Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.

Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?
Als ergänzendes Instrument zu den oben genannten Forderungen kann eine solche Empfehlung und entsprechend ein Service, der die Unternehmen als Plattform unterstützt sicher hilfreich für BewerberInnen und Unternehmen sein und zur Fachkräftesicherung beitragen. Insofern kann ich mir dies auch sehr gut für meinen Wahlkreis vorstellen. Eine Begrenzung auf die Zweit- und Drittbesten scheint mir aber zu kurz zu greifen. Mit Blick auf die oben bereits skizzierten Gründe, warum Jugendliche keinen Ausbildungsplatz bekommen und auf die existierenden Unterstützungsinstrumente, sehen wir LINKEN die Unternehmen in der Pflicht, sich auch auf Jugendliche mit schlechteren Schulabschlüssen einzustellen. Eine Ausbildung ist eine Lernphase, in der Wissen, Fähig- und Fertigkeiten erweitert werden. Ein Vermittlungspool, der diese Punkte berücksichtigt, erscheint mir noch besser als einer ausschließlich für die „Guten“.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

  1. Zum einen: Als LINKE Politikerin verknüpfe ich meine Arbeit mit konkreten Konflikten der Gesellschaft, damit auch des Alltags, und suche dabei realitätsnahe Lösungen, die die schwächsten Betroffenen im Blick behalten und ihnen helfen.
  2. Zum andern: Weil ich mich für eine Öffnung der politischen Entscheidungsfindung einsetze und weg von der Hinterzimmerpolitik hin zum Dialog und zur Transparenz mit Abbau von Hierarchien will.
  3. Zum Dritten: Weil ich im Sinne der ersten beiden Grundsätze dem Wissen von morgen verschreibe und den technologischen Wandel und die Digitalisierung unserer Gesellschaft zum Wohle für uns Menschen gestalten will.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Frau Dr. Sitte.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

  1. Das Ende einer Befragung (20. September 2013)
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  37. MdB Manfred Grund sagt: "Die Noch-Arbeitslosen" (3. September 2013)
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  41. MdB Marco Wanderwitz sagt: "Dringendes Problem" (2. September 2013)
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  50. MdB Rainer Erdel sagt: "Bürokratieabbau für die Landwirtschaft" (28. August 2013)
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  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
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  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)