MdB Uwe Kekeritz sagt: „Wir drohen abzurutschen“

Uwe Kekeritz (59, B90/Die Grünen) ist für einen demokratiekonformen Markt anstatt für eine marktkonforme Demokratie. Er kritisiert das durchgedrückte Betreuungsgeld und will für Steuerentlastungen für 90% der Bevölkerung sorgen.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?
Ich wäre wohl – wie vor meinem Einzug in den Deutschen Bundestag – in der Rehabilitation tätig und würde Menschen nach einem Unfall oder nach längerer Krankheit wieder fit für den Beruf machen. In gewisser Weise also auch „Fachkräftesicherung“ betreiben.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Im Moment ganz unmittelbar die Ablösung der schwarz-gelben Regierungen im Bund und in Bayern. Etwas allgemeiner: Noch ist das gesellschaftliche Klima und der Zusammenhalt in Deutschland einigermaßen in Ordnung, wir befinden uns aber bereits auf einer schiefen Ebene und drohen abzurutschen. Soziale Teilhabe und Gerechtigkeit mögen oft genutzte Begriffe sein. Sie beschreiben aber ein Grundbedürfniss der BürgerInnenschaft sehr gut. Sie sind in höchster Gefahr, wenn die Bundeskanzlerin von einer marktkonformen Demokratie spricht statt von einem demokratiekonformen Markt.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Im politischen Bereich habe ich mit Freunden viel über die Wahlen gesprochen. Da gibt es immer Meinungen und auch Empfehlungen. Ein gemeinsames Nachdenken führt dann immer zu guten Ergebnissen. Dieses Prinzip gilt beim Empfehlen und Empfehlungen erhalten.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Ja, ich erinnere mich, es war eine Absage.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Schade – dachte ich mir damals. Mein Selbstbewusstsein hat darunter nicht gelitten, zumal ich nie arbeitslos war.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
An unser unterfinanziertes und aus zu viel Eigenleistung von Eltern basierendes Bildungssystem und an die immer noch bestehenden Benachteiligungen von Frauen. Fachkräftemangel ist ein komplexes Problem, aber der wichtigste Ansatzpunkt ist, gute Bildungseinrichtungen und –angebote spätestens ab dem Kindergarten anzubieten – und das möglichst unabhängig vom Einkommen der Eltern. Wir können und sollten es uns nicht leisten auch nur ein Kind „zurückzulassen“. Das von der Regierung Merkel durchgedrückte Betreuungsgeld zielt genau in die falsche Richtung. Das dafür nötige staatliche Geld ist in unserem reichen Land vorhanden. Es muss nur sinnvoll eingesetzt werden.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Bildung, Bildung, Bildung. Gute und Talentierte fördern ohne die Schwächeren auf der Strecke zu lassen. Das ist die staatliche Aufgabe der Bundesländer. Von Seiten des Bundes geht es dabei ums Thema Qualifizierung von Arbeitslosen und um die Aufhebung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern im Bereich Bildung und Hochschule. Um gemessen am BIP auf ein international vergleichbares Niveau an Bildungsausgaben zu kommen, müssten wir jährlich 20 Mrd. Euro in die Hand nehmen. Da müssen wir also dringend nacharbeiten, denn so eine große Summe jährlich mehr auszugeben geht nicht von heute auf morgen. Die von der Kanzlerin ausgerufene „Bildungsrepublik“ harrt jedenfalls ihrer Umsetzung. Aber auch die Kammern und die Wirtschaft müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Gerade erst habe ich mich bei IHK und HWK in Mittelfranken informiert und interessante Ansätze gesehen.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet. Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.

Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt. Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?
Die Idee und der Ansatz klingen spannend. Ob sich jedoch Unternehmer, die ja naturgemäß im Wettbewerb zueinander stehen, gegenseitig mit guten (wenn auch nicht den besten, denn die haben sie ja dann schon bei sich unter Vertrag) „versorgen“, müsste sich zeigen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich die lokal/regional bekannten Unternehmen und Unternehmer im Sinne ihrer Region durchaus auf so ein Modell einlassen.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

  1. Weil nur die Grünen ein durchgerechnetes Programm vorlegen, das neben Ausgabenkürzungen, Steuerentlastungen für 90 % der Bevölkerung und moderaten Steuererhöhungen für die 10% am besten Verdienenden Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Teilhabe vorsieht.
  2. Weil die schwarz-gelbe Regierung das für die gesamte deutsche Volkswirtschaft überaus wichtige Zukunftsprojekt der kommenden Jahrzente bereits jetzt an die Wand zu fahren droht. Merkel kann keine und will keine wirkliche Energiewende. Diese können nur die Grünen.
  3. Weil grün für Transparenz und Bürgerbeteiligung steht, statt Entscheiden über die Köpfe der BürgerInnen hinweg. Volksentscheide auf Bundesebene, eine Beteiligung bei Infrastrukturprojekten von Anfang an und nicht erst am Ende und mehr Datenschutz sind wichtige grüne Ziele.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Kekeritz.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

  1. Das Ende einer Befragung (20. September 2013)
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  3. MdB Dr. Kirsten Tackmann sagt: "Selbstbewusstsein reduzieren" (19. September 2013)
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  5. MdB Marco Bülow sagt: "Transparenter Abgeordneter" (18. September 2013)
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  27. MdB Carola Stauche sagt: „Meine mangelnde Systemtreue“ (9. September 2013)
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  29. MdB Tabea Rößner sagt: "Erde nur geborgt" (6. September 2013)
  30. MdB Dr. Thomas Feist sagt: "Das Unmögliche möglicher machen" (6. September 2013)
  31. MdB Elisabeth Scharfenberg sagt: "Pflege geht uns alle an" (5. September 2013)
  32. MdB Ingo Wellenreuther sagt: "Zum Wohle unserer Stadt" (5. September 2013)
  33. MdB Kerstin Tack sagt: "Marktwächter mit Klagerechten" (5. September 2013)
  34. MdB Roderich Kiesewetter sagt: "In der Demokratie stecken geblieben" (4. September 2013)
  35. Ursula Groden-Kranich sagt: "Dienstleisterin in der Politik" (4. September 2013)
  36. MdB Tankred Schipanski sagt: "Abrechnung mit linker Politik" (4. September 2013)
  37. MdB Manfred Grund sagt: "Die Noch-Arbeitslosen" (3. September 2013)
  38. MdB Michael Kretschmer sagt: "Wichtig ist, was man macht" (3. September 2013)
  39. MdB Gisela Piltz sagt: "Streite mit Leidenschaft" (3. September 2013)
  40. MdB Jens Ackermann sagt: "Freunde durch Pils" (2. September 2013)
  41. MdB Marco Wanderwitz sagt: "Dringendes Problem" (2. September 2013)
  42. MdB Katja Kipping sagt: "Bessere Löhne und weniger Stress" (2. September 2013)
  43. MdB Stefan Rebmann sagt: "Hochschulen öffnen" (30. August 2013)
  44. MdB Sebastian Blumenthal sagt: "Magnet für kluge Köpfe" (30. August 2013)
  45. MdB Steffen Bilger sagt: "Je innovativer, umso besser" (30. August 2013)
  46. MdB Annette Sawade sagt: "Mit dem Lasso einfangen" (29. August 2013)
  47. MdB Ingbert Liebing sagt: "Mensch wie du und ich" (29. August 2013)
  48. MdB Günter Lach sagt: "Keiner darf verloren gehen" (29. August 2013)
  49. MdB Dr. Martin Burkert sagt: "Leider ist das so" (28. August 2013)
  50. MdB Rainer Erdel sagt: "Bürokratieabbau für die Landwirtschaft" (28. August 2013)
  51. MdB Arfst Wagner sagt: "Eigenlob stinkt" (28. August 2013)
  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
  53. MdB Swen Schulz sagt: "Ausschlafen" (27. August 2013)
  54. MdB Uwe Kekeritz sagt: "Wir drohen abzurutschen" (27. August 2013)
  55. MdB Elvira Drobinski-Weiß sagt: "Unsinniges Betreuungsgeld" (26. August 2013)
  56. MdB Maria Flachsbarth sagt: "Nur mit Kreativität und Schaffenskraft" (26. August 2013)
  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)