MdB Antje Tillmann sagt: „Keine Denkverbote“

Antje Tillmann (49, CDU/CDU) hört viel vom Fachkräftemangel, glaubt nicht, dass die Mehrzahl gut ausgebildeter Bewerber heute Absagen erhält und sieht die Antwort auf den Fachkräftemangel in einer frühen Förderung – am besten bereits im Kleinkindalter.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politikerin geworden wären?
Ich bin Steuerberaterin, und das wäre ich auch, wenn ich keine Politikerin wäre.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Generationengerechtigkeit durch die Einhaltung der Schuldenbremse und den Abbau von Altschulden.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung?  Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Ich habe mich damals bei zwei Unternehmen beworben und zwei Zusagen bekommen.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absagen erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Passierte nicht.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
Daran, dass es uns noch immer nicht gelingt, alle Kinder auf einen ordentlichen Berufsweg zu bringen. Deshalb bin ich froh, dass wir das Bildungs- und Teilhabepaket sowie die frühkindliche Sprachförderung in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht haben.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Fachkräfteförderung beginnt sehr früh, nämlich im Kleinkindalter: So gibt der Bund 5,4 Mrd. € für den Ausbau von Krippenplätzen. So haben bereits kleine Kinder Kontakte über die eigene Familie hinaus und lernen Sozialverhalten. Durch den Ausbau von 4.000 Einrichtungen zu „Sprache- und Integrations-Kitas“ verbessern wir die Chancen benachteiligter Kinder. Kinder mit besonderer Sprachförderung in der Kita sind in der Schule erfolgreicher. Mit dem Bildungs- und Teilhabepaket haben alle Kinder eine faire Chance auf Teilhabe und einen erfolgreichen Lebensweg. So können auch Kinder von Geringverdienern an Schulausflügen, Mittagsverpflegung und Bildungsangeboten teilnehmen. In der Schule soll jedes Kind außerdem möglichst nach seinen individuellen Fähigkeiten unterrichtet und gefördert werden. Trotz Haushaltskonsolidierung haben wir seit 2010 13,3 Mrd. € zusätzlich für Bildung und Forschung bereitgestellt und werden den Etat 2014 um weitere 224 Mio. € erhöhen. Der Hochschulpakt steigert die Leistungsfähigkeit unserer Universitäten und schafft 625.000 neue Studienplätze.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet.
Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.
Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools  zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?

Schon die These, dass eine Mehrzahl an gut ausgebildeten Bewerbern heute Absagen erhält, würde ich in Frage stellen. Während meiner Sommertour ist mir von sämtlichen Unternehmen immer wieder bestätigt worden, wie groß der Fachkräftebedarf derzeit überall ist. Natürlich muss sich nach der Schule aber auch jede und jeder Einzelne Gedanken darüber machen, in welchen Bereichen junge Nachwuchskräfte derzeit besonders gefragt sind und ob dann gegebenenfalls auch eine andere Ausbildungsrichtung für einen selbst in Frage kommt. Ansonsten finde ich das Konzept des Weiterempfehlens aber eine sehr gute Idee! Denn natürlich sollten wir alles zur Fachkräftesicherung Mögliche tun. Bei den Überlegungen, welche Herangehensweise erfolgversprechend ist, darf es keine Denkverbote geben.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

  1. Mir ist wichtig, dass wir bald keine Schulden mehr aufnehmen und alte zurückzahlen. Die Einführung der Schuldenbremse, für die ich Berichterstatterin war, war dafür ein wichtiger Schritt. Im Finanzausschuss und Haushaltsausschuss habe ich mich immer für solide Finanzen stark gemacht und möchte das auch künftig tun.
  2. Nur eine starke Union kann Steuererhöhungen für die breite Mittelschicht – sei es die Erhöhung des Spitzensteuersatzes, der tatsächlich nicht nur Spitzeneinkommen betrifft, oder die Einführung der Vermögensteuer, die letztlich Unternehmenssubstanz und Arbeitsplätze vernichtet – verhindern. Im Gegenteil will ich, dass kleinen und mittleren Einkommen ihre Kaufkraft erhalten bleibt und Gehaltserhöhungen, die nur zum Ausgleich der Inflation gewährt werden, nicht mit schleichend steigenden Steuersätzen belastet werden.
  3. SPD und Grüne wollen das Ehegattensplitting und den Ausbildungsfreibetrag abschaffen. Die Union geht den entgegengesetzten Weg. Wir wollen das Ehegattensplitting erhalten, weil es in einer Lebens- und Verbrauchsgemeinschaft wie der Ehe oder der eingetragenen Lebenspartnerschaft den Ehegatten bzw. Lebenspartnern selbst vorbehalten bleiben muss, nach welchem Lebens- und Arbeitsmodell der gemeinsame Lebensunterhalt bestritten wird. Wir wollen aber Familien mit Kindern noch weitergehender fördern und unterstützen. Das Ehegattensplitting wollen wir deshalb zu einem Familiensplitting ausbauen, indem Kinder bei den Freibeträgen künftig genauso behandelt werden wie Erwachsene. Daneben planen wir die Anhebung von Kindergeld und Kinderzuschlag. Durch Maßnahmen im Steuerrecht wollen wir außerdem erreichen, dass Wohnraum für Familien bezahlbar bleibt.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Frau Tillmann.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

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  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
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  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
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  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)