MdB Elisabeth Scharfenberg sagt: „Pflege geht uns alle an“

Frau Elisabeth Scharfenberg (50,B90/Die Grünen) möchte den Trend zum Mini-Job stoppen, möchte nicht, dass Gesundheit vom Geldbeutel abhängt und empfiehl faire Mode.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?
Ich wurde meinen Beruf als Berufsbetreuerin ausüben, und hätte mich, wie in den letzten 15 Jahren auch, trotzdem politisch und ehrenamtlich engagiert.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Ich möchte gute Pflege für jeden und jede, unabhängig vom Geldbeutel des einzelnen. Ein selbstbestimmtes, würdevolles Altern sollte in einem wirtschaftsstarken Land wie Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein. Außerdem brauchen wir dringend mehr Entlastung für pflegende Angehörige. Wir müssen mehr gegen den Fachkräftemangel in der Pflege tun und die Pflegeversicherung auf eine sichere finanzielle Basis stellen.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
In meinem Wahlkreis in Oberfranken gibt es junge Firmen, die Mode aus ökologisch angebauten und fair gehandelten Rohstoffen, schadstoffreduziert und ressourcenschonend herstellen. Und die Sachen sehen auch noch richtig gut aus. Die kann ich nur wärmstens empfehlen.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Ich erhielt eine Zusage, aber ich weiß wie niederschmetternd und demotivierend eine Absage auf Mitbewerber gewirkt hat. Entscheidend ist, denke ich, die Absage nicht zu persönlich zu nehmen, sondern möglichst sachlich und vielleicht mit professioneller Hilfe zu analysieren, woran es gelegen hat, damit es das nächste Mal klappt.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
s.o.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
Als Sprecherin für Pflegepolitik meiner Fraktion denke ich natürlich zuerst an den Fachkräftemangel in der Pflege. Unter Schwarz-Gelb ist nichts geschehen, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Im Gegenteil, die Bundesregierung hat die Vergütung für Pflegekräfte geschwächt. Bisher war die Zulassung einer Einrichtung oder eines Dienstes daran gebunden, den Pflegekräften ein Entgelt zu zahlen, das sich an der ortsüblichen Vergütung orientiert. Das wurde mit der Pflegereform ersatzlos gestrichen. Zudem müssen wir den Pflegeberuf dringend attraktiver gestalten und die Arbeitsbedingungen verbessern. Wir brauchen ein Personalbemessungsinstrument, das es ermöglicht die Anzahl der benötigten Pflegekräfte aus dem tatsächlichen Pflegebedarf abzuleiten. Wir brauchen mehr Ausbildungsplätze, bessere Angebote in der Weiterbildung und eine finanzielle Absicherung der Ausbildung. Wir müssen der Pflege mehr zutrauen und die überbordenden Kontrollen aller möglichen Aufsichtsbehörden eindämmen.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Insgesamt ist der Fachkräftemangel angesichts der demographischen Entwicklung eine zentrale Zukunftsaufgabe. Wir Grüne schlagen eine Reihe von Maßnahmen vor, die darauf zielen die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren zu verbessern. Außerdem wollen wir Migrantinnen und Migranten besser in den Arbeitsmarkt integrieren und die Rahmenbedingungen für ausländische Fachkräfte verbessern. Dazu müssen Bildung, Qualifizierung und Aktivierung besser in einander greifen. Wir brauchen mehr und qualitativ hochwertige Kinderbetreuungsangebote, denn viele gut qualifizierte Frauen würden gerne in den Beruf zurückkehren oder mehr arbeiten.

Wichtig ist mir, gerade im meinem Wahlkreis, dass der Trend zum Minijob gestoppt wird, und neue Anreize für existenzsichernde Beschäftigung geschaffen werden.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet. Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.

Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt. Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?
Der Informationsfluss zwischen den Partnern am Arbeitsmarkt ist wichtig. Allerdings möchte ich keine Empfehlung für ein bestimmtes Modell der Informationsverbreitung geben, insbesondere wenn hiermit gewerbliche Interessen verbunden sind.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

  1. Pflege geht uns alle an und braucht eine starke Stimme in der nächsten Legislaturperiode. Dafür, dass Menschen in Würde und selbstbestimmt leben können bis zuletzt, dafür setzte ich mich ein.
  2. Mir ist wichtig, dass Schluss ist mit der Zwei-Klassen-Medizin. Daher bin ich für eine Bürgerversicherung, die für mehr soziale Gerechtigkeit sorgt – denn Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel abhängen.
  3. Die Energiewende ist die Zukunft. Das heißt Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Netzkapazitäten. Dazu gehört auch der Dreischritt: Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energie. Umgesetzt wird die Energiewende bei fairen und bezahlbaren Preisen nur mit starken Grünen in der nächsten Regierung.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Frau Scharfenberg.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

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  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
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  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)