MdB Josip Juratovic sagt: „Mies und ungerecht“

Josip Juratovic (54, SPD) ist gegen Billiglohnstrategien und für kluge Politik. Außerdem weiß er, wo der Schuh drückt.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?
Ich wäre vermutlich nach wie vor in meinem alten Job: Betriebsrat bei Audi in Neckarsulm.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Ich möchte nichts für mich persönlich erreichen, sondern für die Menschen in unserem Land: Einen allgemeinen flächendeckenden Mindestlohn, damit jeder, der Vollzeit arbeitet, sich auch davon ernähren kann.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Ich hatte einen wirklich guten Praktikanten aus Mazedonien. Er hat danach eine Stelle im politischen Bereich gesucht. Ich habe daher ein Empfehlungsschreiben für ihn verfasst. Ich selbst spreche mich bei Entscheidungen immer mit meinem Team ab, wir beraten gemeinsam über anstehende Fragen. Daher bin ich immer offen für Empfehlungen.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Bei meiner ersten Bewerbung bin ich persönlich in einer kleinen Kfz-Werkstatt vorbeigegangen und habe gefragt, ob sie einen Azubi suchen – ich hatte Glück und wurde genommen. Leider ist es heute nicht mehr so einfach, aber man darf auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz nicht aufgeben.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Ja, später auf der Suche nach einem Arbeitsplatz habe ich mehrfach Absagen erhalten. Ich habe mich mies und ungerecht behandelt gefühlt. Bei mir kam noch dazu, dass ich einige Absagen erhielt, weil ich damals noch nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hatte.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
Qualifizierte Beschäftigte sind eine wesentliche Voraussetzung, damit Deutschland wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Das geht nicht mit Billiglohnstrategien. Wenn wir im globalen Wettbewerb besser sein wollen, brauchen wir gute Fachkräfte und hochqualifizierte Belegschaften. Ein wachsender Bedarf an Fachkräften ist nicht nur in naturwissenschaftlich-technischen Berufen absehbar, sondern vor allem in den Bereichen Pflege, Gesundheit und frühkindlicher Erziehung gibt es bereits heute einen Mangel an Fachkräften. In Zukunft werden neben Hochqualifizierten insbesondere Personen mit mittlerer Qualifikation dringend gebraucht. Denn sie sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und erfüllen wichtige Funktionen in unserer Gesellschaft.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung in Deutschland und Ihrem Wahlkreis?
Nur wenn wir das Potenzial aller in Deutschland lebenden Menschen erschließen, können wir einem Fachkräftemangel entgegenwirken und unsere Wirtschaft zukunftsfest machen. Dazu ist ein enges Bündnis zwischen Wirtschaft und Politik erforderlich. Gemeinsam mit Wirtschaft und Gewerkschaften, Ländern und Kommunen wird die SPD eine politische Initiative zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland starten. Wir wollen Bildungsmobilität und Aufstiegschancen verbessern. Deutschland hat große Fachkräftepotenziale. Diese Potenziale können insbesondere dann gehoben werden, wenn Jugendliche besser ausgebildet werden, Frauen die Möglichkeit haben, höherwertig und vermehrt in Vollzeit zu arbeiten, Ältere bessere Chancen bekommen und Geringqualifizierte weitergebildet werden. Mit einer klugen Politik können aus dem wachsenden Bedarf an Fachkräften neue Aufstiegsmöglichkeiten für viele Beschäftigte werden. Dafür bedarf es einer Doppelstrategie: Zum einen wollen wir allen die Chance geben, so qualifiziert wie möglich zu arbeiten. Zum anderen wollen wir allen, die unfreiwillig von Arbeit ausgeschlossen sind, neue Zugänge eröffnen.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet.
Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.

Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?

Regionale und branchenspezifische Talentpools können unter Einhaltung des Datenschutzes ein Weg sein, Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften zu unterstützen.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte?

  1. Die SPD garantiert, dass Arbeit sich wieder lohnt. Mit gutem Geld für gute Arbeit. Die SPD wird Tariflöhne stärken – und überall den gesetzlichen Mindestlohn durchsetzen: 8,50 Euro. Und: Gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Bei Männern und Frauen, bei Leiharbeitern und Stammbelegschaften.
  2. Nur die SPD kümmert sich um gute Bildung für alle. Dafür werden wir 20 Milliarden Euro zusätzlich investieren – u.a. in die Ausstattung der Schulen, in mehr Lehrkräfte. Wir werden mehr Zusammenarbeit von Bund und Ländern in der Bildung voranbringen. Und jedem das Recht auf Ausbildung geben.
  3. Und drittens: Ich bin ein authentischer und ehrlicher Politiker. Ich bin viel in meinem Wahlkreis unterwegs und spreche mit den Menschen vor Ort. Ich weiß, wo Arbeitnehmern und Arbeitgebern der Schuh drückt. Nur mit diesem Wissen kann ich in Berlin sinnvolle Politik machen.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Juratovic.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

  1. Das Ende einer Befragung (20. September 2013)
  2. MdB Johannes Vogel sagt: "Politische Geisterfahrerei" (20. September 2013)
  3. MdB Dr. Kirsten Tackmann sagt: "Selbstbewusstsein reduzieren" (19. September 2013)
  4. MdB Ute Vogt sagt: "Plötzlich nutzlos" (18. September 2013)
  5. MdB Marco Bülow sagt: "Transparenter Abgeordneter" (18. September 2013)
  6. MdB Josip Juratovic sagt: "Mies und ungerecht" (18. September 2013)
  7. MdB Dr. Valerie Wilms sagt: "Fortbestand der Chaos-Truppe" (17. September 2013)
  8. MdB Kathrin Vogler sagt: "Friedliche Konfliktlösungen" (17. September 2013)
  9. MdB Johanna Voß sagt: "Commons befördern" (17. September 2013)
  10. MdB Christian Hirte sagt: "Politik lebt nicht nur von Visionen" (16. September 2013)
  11. MdB Jimmy Schulz sagt: "Wettbewerb um die klügsten Köpfe" (16. September 2013)
  12. MdB Matthias W. Birkwald sagt: "Mit 40 angeblich zu alt" (16. September 2013)
  13. MdB Martin Dörmann sagt: "Thema Syrien" (13. September 2013)
  14. MdB Rainer Arnold sagt: "Rückrat der deutschen Wirtschaft" (13. September 2013)
  15. MdB Brigitte Zypries sagt: "Einem Mann versprochen" (13. September 2013)
  16. MdB Hans-Christian Ströbele sagt: "Die größte Anerkennung" (12. September 2013)
  17. MdB Gabriele Molitor sagt: "Neue Kommunikationswege im Internet" (12. September 2013)
  18. MdB Frank Tempel sagt: "Abkehr von der Drogenprohibition" (12. September 2013)
  19. MdB Waltraud Wolff sagt: "Branchenbezogene Ausbildungsfonds" (11. September 2013)
  20. MdB Sabine Zimmermann sagt: "Zahl der Nichtwähler" (11. September 2013)
  21. MdB Dr. Hermann Otto Solms sagt: "Verwirklichung des Aufstiegversprechens" (11. September 2013)
  22. MdB Ulrich Schneider sagt: "Wir bringen das wieder ins Lot" (10. September 2013)
  23. MdB Rudolf Henke sagt: "Wie nach einem Work-Out" (10. September 2013)
  24. MdB Gabriele Hiller-Ohm sagt: "Prekäre Arbeit überwinden" (10. September 2013)
  25. MdB Uwe Beckmeyer sagt: „Auf mich trifft das nicht zu“ (9. September 2013)
  26. MdB Antje Tillmann sagt: „Keine Denkverbote“ (9. September 2013)
  27. MdB Carola Stauche sagt: „Meine mangelnde Systemtreue“ (9. September 2013)
  28. MdB Dr. Peter Tauber sagt: "Auf die Städte fixiert" (6. September 2013)
  29. MdB Tabea Rößner sagt: "Erde nur geborgt" (6. September 2013)
  30. MdB Dr. Thomas Feist sagt: "Das Unmögliche möglicher machen" (6. September 2013)
  31. MdB Elisabeth Scharfenberg sagt: "Pflege geht uns alle an" (5. September 2013)
  32. MdB Ingo Wellenreuther sagt: "Zum Wohle unserer Stadt" (5. September 2013)
  33. MdB Kerstin Tack sagt: "Marktwächter mit Klagerechten" (5. September 2013)
  34. MdB Roderich Kiesewetter sagt: "In der Demokratie stecken geblieben" (4. September 2013)
  35. Ursula Groden-Kranich sagt: "Dienstleisterin in der Politik" (4. September 2013)
  36. MdB Tankred Schipanski sagt: "Abrechnung mit linker Politik" (4. September 2013)
  37. MdB Manfred Grund sagt: "Die Noch-Arbeitslosen" (3. September 2013)
  38. MdB Michael Kretschmer sagt: "Wichtig ist, was man macht" (3. September 2013)
  39. MdB Gisela Piltz sagt: "Streite mit Leidenschaft" (3. September 2013)
  40. MdB Jens Ackermann sagt: "Freunde durch Pils" (2. September 2013)
  41. MdB Marco Wanderwitz sagt: "Dringendes Problem" (2. September 2013)
  42. MdB Katja Kipping sagt: "Bessere Löhne und weniger Stress" (2. September 2013)
  43. MdB Stefan Rebmann sagt: "Hochschulen öffnen" (30. August 2013)
  44. MdB Sebastian Blumenthal sagt: "Magnet für kluge Köpfe" (30. August 2013)
  45. MdB Steffen Bilger sagt: "Je innovativer, umso besser" (30. August 2013)
  46. MdB Annette Sawade sagt: "Mit dem Lasso einfangen" (29. August 2013)
  47. MdB Ingbert Liebing sagt: "Mensch wie du und ich" (29. August 2013)
  48. MdB Günter Lach sagt: "Keiner darf verloren gehen" (29. August 2013)
  49. MdB Dr. Martin Burkert sagt: "Leider ist das so" (28. August 2013)
  50. MdB Rainer Erdel sagt: "Bürokratieabbau für die Landwirtschaft" (28. August 2013)
  51. MdB Arfst Wagner sagt: "Eigenlob stinkt" (28. August 2013)
  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
  53. MdB Swen Schulz sagt: "Ausschlafen" (27. August 2013)
  54. MdB Uwe Kekeritz sagt: "Wir drohen abzurutschen" (27. August 2013)
  55. MdB Elvira Drobinski-Weiß sagt: "Unsinniges Betreuungsgeld" (26. August 2013)
  56. MdB Maria Flachsbarth sagt: "Nur mit Kreativität und Schaffenskraft" (26. August 2013)
  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)