MdB Katja Kipping sagt: „Bessere Löhne und weniger Stress“

Katja Kipping (35, Die Linke) ist für eine sanktionsfreie Mindestsicherung, regt Unternehmen dazu an, Arbeitsbedingungen und Löhne zu verbessern und war schon mal in Russland.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politikerin geworden wären?
Vielleicht Professorin oder einfach Dozentin für Literaturwissenschaften – oder ich wäre im deutsch-russischen Austausch tätig. Oder ich hätte mein Studium zu einem Lehramtsstudium umgewandelt und würde jetzt unterrichten.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Die Umsetzung LINKER Ziele, nachzulesen beispielsweise in unserem aktuellen Bundestagswahlprogramm.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Sie meinen abgesehen von den Wahlempfehlungen für DIE LINKE? Nun, ich habe zum Beispiel das „Eine Milliarde für Süderlenau“ von Astrid Wenke weiterempfohlen. Und auf Empfehlung meines Co-Vorsitzenden Bernd Riexinger habe ich von Daniela Dahn das Buch „Wir sind der Staat“ gelesen.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Ich habe mich zeitgleich nach dem Abitur für das Studium der Fotografie in Leipzig und für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Russland beworben. Bei ersterem erhielt ich eine Absage, bei letzterem eine Zusage – für genau die Stelle, die mich besonders begeistert hat.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Damals ging alles so schnell. So war dann halt besiegelt, dass ich nach Russland gehe.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
Dass man die Debatte über einen möglichen Fachkräftemangel ehrlich führen muss. Zum Beispiel muss zur Sprache kommen, dass viele Engpässe besonders in den Branchen bestehen, in denen die Arbeitsbedingungen sowie die Entlohnung schlecht sind, ich denke da speziell an Berufe im Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich. Bessere Löhne und weniger Stress sind wichtige Voraussetzungen um den Fachkräftemangel zu beheben.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Unsere Pläne dazu sind umfassend. Das beginnt schon mit einer guten Bildung, setzt sich über gute Ausbildung bzw. Studium bis hin zu guter Weiterbildung und guter Arbeit fort. Einige Details: Wir möchten eine qualitativ hochwertige, umfassende und moderne berufliche Ausbildung. Diese muss den Auszubildenden ermöglichen, ihre eigenen Interessen, Neigungen und Fähigkeiten zu verwirklichen und zu erweitern. Auch machen wir uns für ein Recht auf Ausbildung stark. Die berufliche Erstausbildung soll für alle Ausbildungsformen gebührenfrei sein. Unternehmen hingegen, die nicht ausbilden, wollen wir mit einer Umlage belegen, mit der wir die Firmen unterstützen, die ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung zur Ausbildung nachkommen. Damit soll ein gutes und auswahlfähiges Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen zur Verfügung gestellt werden.
Die Beschäftigte müssen ebenso die Möglichkeit zur regelmäßigen beruflichen Weiterbildung haben – für die persönliche Entwicklung des Einzelnen ebenso wie für die nachhaltige Möglichkeit zur Teilhabe am Erwerbsleben. DIE LINKE setzt sich dafür ein, Unternehmen für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten in die Pflicht zu nehmen. Wir setzen uns für ein Bundesweiterbildungsgesetz ein, das Weiterbildung als öffentliche Aufgabe definiert und einen Rechtsanspruch sichert. Und die Unternehmen müssen lernen, dass man hochqualifizierte Arbeitskräfte auch dadurch gewinnt und hält, indem man die Arbeitsbedingungen und die Löhne verbessert.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet.
Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.
Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?

Ehrlich gemeinte Empfehlungen können womöglich helfen, aber in vielen Regionen, in denen ich unterwegs bin, mangelt es schon einmal an den entsprechenden guten Arbeitsstellen. Wenn solche nicht vorhanden sind, verlassen eben leider noch viel zu häufig junge und gut ausgebildete Leute die Region.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

  1. Weil wir die einzige Partei im Bundestag sind, die Krieg als Mittel der Politik und Waffenexporte konsequent ablehnt.
  2. Weil ohne den Druck von links die anderen Parteien noch deutlich mehr Sozialabbau praktizieren würden und wir als einzige konsequent das Hartz-IV-System durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzen sowie eine Mindestrente von 1050 Euro wollen.
  3. Weil wir in der Vergangenheit einiges bewirken konnten, z.B. dass es immerhin für 4 Millionen Menschen einen Branchenmindestlohn gibt, dass die Praxisgebühr abgeschafft wurde und das Ferienjobs von Kindern in Hartz IV Familien nicht mehr in dem Maße angerechnet werden.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Frau Kipping.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

  1. Das Ende einer Befragung (20. September 2013)
  2. MdB Johannes Vogel sagt: "Politische Geisterfahrerei" (20. September 2013)
  3. MdB Dr. Kirsten Tackmann sagt: "Selbstbewusstsein reduzieren" (19. September 2013)
  4. MdB Ute Vogt sagt: "Plötzlich nutzlos" (18. September 2013)
  5. MdB Marco Bülow sagt: "Transparenter Abgeordneter" (18. September 2013)
  6. MdB Josip Juratovic sagt: "Mies und ungerecht" (18. September 2013)
  7. MdB Dr. Valerie Wilms sagt: "Fortbestand der Chaos-Truppe" (17. September 2013)
  8. MdB Kathrin Vogler sagt: "Friedliche Konfliktlösungen" (17. September 2013)
  9. MdB Johanna Voß sagt: "Commons befördern" (17. September 2013)
  10. MdB Christian Hirte sagt: "Politik lebt nicht nur von Visionen" (16. September 2013)
  11. MdB Jimmy Schulz sagt: "Wettbewerb um die klügsten Köpfe" (16. September 2013)
  12. MdB Matthias W. Birkwald sagt: "Mit 40 angeblich zu alt" (16. September 2013)
  13. MdB Martin Dörmann sagt: "Thema Syrien" (13. September 2013)
  14. MdB Rainer Arnold sagt: "Rückrat der deutschen Wirtschaft" (13. September 2013)
  15. MdB Brigitte Zypries sagt: "Einem Mann versprochen" (13. September 2013)
  16. MdB Hans-Christian Ströbele sagt: "Die größte Anerkennung" (12. September 2013)
  17. MdB Gabriele Molitor sagt: "Neue Kommunikationswege im Internet" (12. September 2013)
  18. MdB Frank Tempel sagt: "Abkehr von der Drogenprohibition" (12. September 2013)
  19. MdB Waltraud Wolff sagt: "Branchenbezogene Ausbildungsfonds" (11. September 2013)
  20. MdB Sabine Zimmermann sagt: "Zahl der Nichtwähler" (11. September 2013)
  21. MdB Dr. Hermann Otto Solms sagt: "Verwirklichung des Aufstiegversprechens" (11. September 2013)
  22. MdB Ulrich Schneider sagt: "Wir bringen das wieder ins Lot" (10. September 2013)
  23. MdB Rudolf Henke sagt: "Wie nach einem Work-Out" (10. September 2013)
  24. MdB Gabriele Hiller-Ohm sagt: "Prekäre Arbeit überwinden" (10. September 2013)
  25. MdB Uwe Beckmeyer sagt: „Auf mich trifft das nicht zu“ (9. September 2013)
  26. MdB Antje Tillmann sagt: „Keine Denkverbote“ (9. September 2013)
  27. MdB Carola Stauche sagt: „Meine mangelnde Systemtreue“ (9. September 2013)
  28. MdB Dr. Peter Tauber sagt: "Auf die Städte fixiert" (6. September 2013)
  29. MdB Tabea Rößner sagt: "Erde nur geborgt" (6. September 2013)
  30. MdB Dr. Thomas Feist sagt: "Das Unmögliche möglicher machen" (6. September 2013)
  31. MdB Elisabeth Scharfenberg sagt: "Pflege geht uns alle an" (5. September 2013)
  32. MdB Ingo Wellenreuther sagt: "Zum Wohle unserer Stadt" (5. September 2013)
  33. MdB Kerstin Tack sagt: "Marktwächter mit Klagerechten" (5. September 2013)
  34. MdB Roderich Kiesewetter sagt: "In der Demokratie stecken geblieben" (4. September 2013)
  35. Ursula Groden-Kranich sagt: "Dienstleisterin in der Politik" (4. September 2013)
  36. MdB Tankred Schipanski sagt: "Abrechnung mit linker Politik" (4. September 2013)
  37. MdB Manfred Grund sagt: "Die Noch-Arbeitslosen" (3. September 2013)
  38. MdB Michael Kretschmer sagt: "Wichtig ist, was man macht" (3. September 2013)
  39. MdB Gisela Piltz sagt: "Streite mit Leidenschaft" (3. September 2013)
  40. MdB Jens Ackermann sagt: "Freunde durch Pils" (2. September 2013)
  41. MdB Marco Wanderwitz sagt: "Dringendes Problem" (2. September 2013)
  42. MdB Katja Kipping sagt: "Bessere Löhne und weniger Stress" (2. September 2013)
  43. MdB Stefan Rebmann sagt: "Hochschulen öffnen" (30. August 2013)
  44. MdB Sebastian Blumenthal sagt: "Magnet für kluge Köpfe" (30. August 2013)
  45. MdB Steffen Bilger sagt: "Je innovativer, umso besser" (30. August 2013)
  46. MdB Annette Sawade sagt: "Mit dem Lasso einfangen" (29. August 2013)
  47. MdB Ingbert Liebing sagt: "Mensch wie du und ich" (29. August 2013)
  48. MdB Günter Lach sagt: "Keiner darf verloren gehen" (29. August 2013)
  49. MdB Dr. Martin Burkert sagt: "Leider ist das so" (28. August 2013)
  50. MdB Rainer Erdel sagt: "Bürokratieabbau für die Landwirtschaft" (28. August 2013)
  51. MdB Arfst Wagner sagt: "Eigenlob stinkt" (28. August 2013)
  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
  53. MdB Swen Schulz sagt: "Ausschlafen" (27. August 2013)
  54. MdB Uwe Kekeritz sagt: "Wir drohen abzurutschen" (27. August 2013)
  55. MdB Elvira Drobinski-Weiß sagt: "Unsinniges Betreuungsgeld" (26. August 2013)
  56. MdB Maria Flachsbarth sagt: "Nur mit Kreativität und Schaffenskraft" (26. August 2013)
  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)