MdB Michael Kretschmer sagt: „Wichtig ist, was man macht“

Michael Kretschmer (38, CDU/CSU) möchte eine „Steuerliche Forschungsförderung“ einführen, Jugendliche für die gute Bildung begeistern und Ansätze zur Fachkräftesicherung ganzheitlich konzipieren.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?
Das frage ich mich auch manchmal. Sorgen hätte ich mir aber sicherlich nicht machen müssen, von meinen Kommilitonen ist aus jedem etwas geworden. Ich habe neben meinem Studium als „Freier“ für die Wirtschaftsredaktion einer Tageszeitung gearbeitet. Daher ist es gar nicht abwegig, wenn ich heute stattdessen Journalist wäre.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Die „Steuerliche Forschungsförderung“ in Deutschland einführen, digitale Lehrbücher und einheitliche Lehrpläne in Deutschlands Schulen bringen, aber auch eine neue Phase der Medienpolitik einläuten: Die Grenzen zwischen den klassischen Medien TV, Print, Radio und dem Internet verschwimmen immer stärker – wir müssen für den derzeit stattfindenden Medienwandel einen neuen politischen und gesetzlichen Ordnungsrahmen schaffen.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Wir haben zuletzt auf Empfehlung eine Babyschale für unseren jüngsten Sohn gekauft. Meine letzte Buchempfehlung war „Mittagsfrau“ von Julia Frank – ein furchtbar trauriges Buch zum lange darüber nachdenken

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Bei mir hat es glücklicherweise sofort geklappt. Auf meine erste Bewerbung habe ich die Zusage für meine Lehrstelle erhalten.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Ich habe mich natürlich verletzt, enttäuscht und ungerecht behandelt gefühlt. Mit ein wenig Abstand gesehen waren aber auch die Absagen sehr wichtig, da Sie mir zumeist Verbesserungspotential aufgezeigt haben.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
Oft sind unsere Jugendlichen in der Schule nicht motiviert genug. Dort werden aber die Grundlagen für weitere Qualifikationen gelegt. Wenn wir es nicht schaffen, unseren Nachwuchs für die aus guter Bildung erwachsenden Chancen zu begeistern, werden wir immer einen beachtlichen Teil davon vor ihrem Eintritt in das Berufsleben mühsam nachqualifizieren müssen.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Es gibt viele Ansätze. Sie alle müssen aufgrund der immer schnelleren Entwicklung von Gesellschafts- und Arbeitsprozessen unbedingt ganzheitlich konzipiert werden. Von den Häusern der Kleinen Forscher – in denen in Kindergartenkindern bereits die Freude an Naturwissenschaften geweckt wird, über die von uns verbesserte Berufsorientierung bis hin zu Angeboten zur lebenslangen Qualifizierung, damit die Fachleute von heute die Anforderungen der Digitalisierung von morgen bewältigen können, haben wir erste gute Erfolge vorzuweisen. Aber ich denke auch an die regionalen Hochschulen, die für die Unternehmen ein ganz wichtiger Partner bei der Fachkräftesuche sind.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet.
Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.
Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?

Ich finde, die Empfehlung von Fachkräften ist eine gute Idee. Einerseits erhalten die knapp gescheiterten Bewerber auf diese Weise einen kleinen Bonus und können von den gefestigten Netzwerken der Unternehmen profitieren, sparen sich so auch die eine oder andere Bewerbung ins „Blaue hinein“. Andererseits kann der Aufwand für die Unternehmen reduziert werden, die typischerweise existierenden Informationsasymmetrien gegenüber den Bewerbern abzubauen, denn die Erkenntnisse aus dem ersten Verfahren kommen auf diese Weise automatisch mit in die Waagschale. Dies erzeugt ein viel repräsentativeres Bild des Bewerbers. Insgesamt fördert der Talentpool also das Matching zwischen Fähigkeiten und Anforderungen und kann somit einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.
Generell halte ich solche Fragen nicht für sinnvoll. Wichtig ist, was man macht, nicht was man machen möchte. Ich habe mich immer für die Stärkung des Bildungs- und Forschungsstandorts Deutschland eingesetzt – zu keiner Zeit hat der Bund mehr Geld dafür ausgegeben. Darauf können sich die Wähler auch in Zukunft verlassen.
In Bund und Land werde ich darüber hinaus für eine Investitionspolitik eintreten, die den Landkreis Görlitz weiterhin als Höchstfördergebiet ausweist. Nur so können wir die besonderen Herausforderungen unserer Region mit Grenzlage zu Polen und Tschechien meistern.
Zudem liegt mir der ländliche Raum am Herzen. Die Ansiedlung von Landärzten, der weitere Ausbau des Glasfasernetzes und die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe sind sinnvolle Rezepte, um ein Leben auf dem Lande weiterhin zu ermöglichen und attraktiv zu gestalten.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Kretschmer.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

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  40. MdB Jens Ackermann sagt: "Freunde durch Pils" (2. September 2013)
  41. MdB Marco Wanderwitz sagt: "Dringendes Problem" (2. September 2013)
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  45. MdB Steffen Bilger sagt: "Je innovativer, umso besser" (30. August 2013)
  46. MdB Annette Sawade sagt: "Mit dem Lasso einfangen" (29. August 2013)
  47. MdB Ingbert Liebing sagt: "Mensch wie du und ich" (29. August 2013)
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  50. MdB Rainer Erdel sagt: "Bürokratieabbau für die Landwirtschaft" (28. August 2013)
  51. MdB Arfst Wagner sagt: "Eigenlob stinkt" (28. August 2013)
  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
  53. MdB Swen Schulz sagt: "Ausschlafen" (27. August 2013)
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  55. MdB Elvira Drobinski-Weiß sagt: "Unsinniges Betreuungsgeld" (26. August 2013)
  56. MdB Maria Flachsbarth sagt: "Nur mit Kreativität und Schaffenskraft" (26. August 2013)
  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)