MdB Tankred Schipanski sagt: „Abrechnung mit linker Politik“

Tankred Schipanski (36, CDU/CSU) unterstützt bereits die Idee des Empfehlungs-Recruitings in seinem Wahlkreis, empfindet Ehe und Familie als Fundament unserer Gesellschaft und amüsiert sich über das Buch „Unter Linken“.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?
Ich würde als Rechtsanwalt arbeiten. Wahrscheinlich hätte ich auch meine Promotion inzwischen abgeschlossen, die ich nach dem Einzug in den Bundestag 2009 unterbrechen musste.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
In meinem Fachgebiet, der Bildungs- und Forschungspolitik haben wir in den letzten Jahren schon viel erreicht. In den nächsten vier Jahren geht es vor allem darum, das Wissenschaftssystem zukunftsfest zu machen. Hochschulpakt und Exzellenzinitiative laufen aus, da brauchen wir dauerhafte Anschlussregelungen. Auch muss es uns gelingen, gemeinsam mit den Ländern die Arbeitsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs weiter zu verbessern.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Ein Freund aus meiner Heimat hat mich erst kürzlich um einen juristischen Rat gebeten. Da habe ich natürlich gerne geholfen. Ein Kollege aus dem Bundestag hat mir das Buch „Unter Linken“ von Jan Fleischhauer empfohlen, das ich mittlerweile auch gelesen habe. Ich musste dabei oft herzlich lachen, denn das Buch ist eine sehr humorvolle, gleichzeitig aber auch faktenreiche Abrechnung mit linker Politik.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Ja, ich erinnere mich recht gut. Das war im Rahmen meines Referendariats. Zum Glück hat es damals gleich geklappt.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Später habe ich auf Bewerbungen auch Absagen bekommen. Das bleibt ja leider nicht aus. Natürlich war ich enttäuscht. Aber im Nachhinein stärken einen negativen Erfahrungen auch und man kann – falls es wieder vorkommt – besser damit umgehen.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
An die mittelständischen Unternehmen in meiner Heimat, die darunter leiden. Der steigende Fachkräftebedarf ist eine Ausprägung des demographischen Wandels, die wir heute schon spüren. Erfolgreiche Politik muss sich auch daran messen lassen, welche Antworten sie auf diese tiefgreifende gesellschaftliche Entwicklung geben kann.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?
Es gibt mehrere Stellschrauben zur Linderung des Fachkräftebedarfs. In der Bildungspolitik muss es uns gelingen, jeden jungen Menschen gemäß seinen individuellen Begabungen zu fördern. Wir können es uns nicht leisten, dass die Talente junger Menschen ungenutzt bleiben. Deshalb sind wir von der Beibehaltung von Förderschulen und Gymnasien überzeugt. Mit dem Programm „Bildungsketten“ erleichtern wir förderungsbedürftigen Kindern den Übergang von der Schule in den Beruf, eine Ausbildung oder ein Studium. Der Bund engagiert sich in enormem und zunehmendem Ausmaß für die Schaffung neuer Studienplätze, obwohl dies laut Verfassung Ländersache ist. Bis 2015 sind 300.000 Studienplätze ausfinanziert. Insgesamt studieren in Deutschland 2,5 Millionen Menschen, die Studierendenquote liegt bei über 50 Prozent. In der Familienpolitik haben wir 810.000 Kita-Plätze geschaffen, seit dem 1. August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. So stärken wir die Wahlfreiheit junger Familien und ermöglichen insbesondere Frauen eine rasche Rückkehr in die Arbeitswelt. Auch das Betreuungsgeld fördert die Wahlfreiheit junger Eltern. Ehe und Familie sind das Fundament unserer Gesellschaft und müssen weiter gestärkt werden. Deshalb wollen wir das Ehegattensplitting beibehalten und Kinderfreibeträge und Kindergeld erhöhen. Trotz dieser und weiterer Maßnahmen bleibt es in bestimmten Mangelberufen unerlässlich, offene Stellen auch durch die gezielte Zuwanderung von Fachkräften zu besetzen.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet.
Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.
Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?

Die Idee von YOUNECT finde ich klasse! Deshalb unterstütze ich auch den Talentpool in meinem Wahlkreis und habe bereits Termine mit Firmen organisiert. Das Weiterempfehlen guter Bewerber ist eine Win-Win-Situation für Unternehmen mit offenen Stellen und Bewerber auf Arbeitssuche. Es ist ein wichtiges Instrument, um geeignete Bewerber auf offene Stellen zu vermitteln. Der Talentpool ist somit auch gesamtgesellschaftlich wertvoll, weil er Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel gleichermaßen senkt. Wichtig erscheint mir jedoch auch, dass sich die weiterempfohlenen Bewerber dem regulären Auswahlverfahren stellen müssen.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

  1. Erstens haben wir einen zentralen Schwerpunkt unserer Politik auf den Bereich Bildung und Forschung gelegt und 2013 insgesamt 13,7 Mrd. Euro in diesen Bereich investiert. Zum Vergleich: zum Ende der Regierungszeit von Rot-Grün im Jahr 2005 waren es nur 7,5 Mrd. Euro. Das entspricht einem Plus von 82 Prozent in nur acht Jahren. Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen.
  2. Zweitens hat die Koalition Deutschland mit ruhiger Hand und mit Weitsicht durch die Eurokrise geführt. Das Land steht heute deutlich besser da als vor Beginn der Krise. Wir wollen die Kombination von Haushaltsdisziplin und Wachstumsimpulsen für Europa auch in den kommenden Jahren fortsetzen.
  3. Drittens haben wir die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft erheblich verbessert. Auch deshalb konnte die Arbeitslosigkeit signifikant sinken, von über 5 Mio. (2005) auf unter 3 Mio. (2012). Für die Zukunft lehnen wir höhere und neue Steuern, wie sie SPD und Grüne planen, ab, weil sie den Bürgern und der Wirtschaft schaden.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Schipanski.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

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  36. MdB Tankred Schipanski sagt: "Abrechnung mit linker Politik" (4. September 2013)
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  39. MdB Gisela Piltz sagt: "Streite mit Leidenschaft" (3. September 2013)
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  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
  53. MdB Swen Schulz sagt: "Ausschlafen" (27. August 2013)
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  56. MdB Maria Flachsbarth sagt: "Nur mit Kreativität und Schaffenskraft" (26. August 2013)
  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)