MdB Ulrich Schneider sagt: „Wir bringen das wieder ins Lot“

Ulrich Schneider (41, B90/Die Grünen) war im Sommer auf Radtour, entschied sich statt für einen Job für seine Haare und findet regionale Talentpools eine super Idee.

Ulrich Schneider

Ulrich Schneider

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politiker geworden wären?
Ich würde meinen alten Beruf als selbstständiger Eventmanager weiter ausüben. Der Job hat einfach viel Spaß gemacht, ich bin viel rumgekommen und habe immer wieder neue Leute kennengelernt.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?
Ich möchte mithelfen unsere Politik gerechter zu machen. Ich will gleiche Rechte für alle Menschen egal welcher Herkunft, Sexualität, Religion oder Hautfarbe. Außerdem möchte ich Politik den Menschen und vor allem Jugendlichen wieder näher bringen. Deshalb setzte ich mich auch für eine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre ein. Ein politisches Amt aber ist nicht mein primäres Ziel.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?
Ich habe eine sehr leckere Bio-Limo gekauft, die ich auf Nachfrage weiterempfehlen würde. Außerdem würde ich den Radwanderführer für die Region Heilbronn empfehlen, der mir auf meiner Sommerradtour sehr hilfreich war.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?
Ja, das tue ich. Ich habe mich bei einem großen Einzelhandelsunternehmen beworben und auch eine Zusage erhalten. Allerdings war die Bedingung, dass ich mir meine damals noch langen Haare abschneiden müsste. Das kam für mich allerdings nicht in Frage, also habe ich abgelehnt.

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?
Ich habe auch schon Absagen erhalten. Natürlich ist so ein Moment enttäuschend, vielleicht auch etwas demotivierend. Allerdings sollte man immer an sich selbst glauben und so eine Absage nicht zu persönlich nehmen.

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?
Ich denke an Jugendliche, die im deutschen Bildungssystem abgehängt werden. Leider ist unser Bildungssystem zu ungerecht und undurchlässig. Es ist kaum möglich den Schultyp nach „oben“ zu wechseln. Jedem Jugendlichen sollte es möglich sein, sich ausreichend für eine Lehrstelle zu qualifizieren, so dass es erst gar nicht zu einem Fachkräftemangel kommt. Außerdem denke ich an faire Bezahlung, vor allem von LeiharbeiterInnen und einen gesetzlichen Mindestlohn.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung in Deutschland und Ihrem Wahlkreis?
Wir Grüne haben das Ausbildungskonzept „Dual Plus“ entwickelt. Überbetriebliche Ausbildungsstätten (ÜBS) sollten vermehrt aufgebaut und neu ausgerichtet werden, damit zusätzliche Ausbildungsplätze nach dem dualen Prinzip geschaffen werden könnten. Ein Betrieb wäre nicht mehr für eine komplette Ausbildung verantwortlich, sondern könnte einzelne betriebliche Module anbieten. Mit Hilfe von bundesweit anerkannten Modulen soll die gesamte Berufsausbildung neu strukturiert werden. Außerdem verlangen wir eine flexiblere Ausbildungsdauer, um Leistungsschwächere individueller zu fördern. Leistungsstarke Auszubildende sollen zusätzlich die Möglichkeit bekommen, sich auf die Fachhochschulreife vorzubereiten. Die Finanzierung des Systems DualPlus soll über die Mittel erfolgen, die derzeit in das ineffiziente System der Berufsvorbereitung fließen.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet.
Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.

Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?

Ich finde die Idee super. Es macht die Bewerbungs- und BewerberInnensituation vielfach leichter und motivierender. Ich bin mir sicher, dass das zur Fachkräftesicherung in der Region beiträgt – das zeigt auch die steigende Zahl an teilnehmenden Regionen. Gleichzeitig müssen die großen Betriebe wieder vermehrt ausbilden, nicht nur die kleinen und mittleren Unternehmen. Bei mir im Wahlkreis Heilbronn gibt es leider noch keinen Talentpool – hoffentlich aber bald.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte?
Wir Grüne sorgen wieder für mehr Gerechtigkeit – ob bei der Steuer, beim Mindestlohn oder Kitaausbau. Wir wollen Gleiche Rechte für alle Menschen egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexuellen Orientierung, Geschlechts oder Alters. Gleiche Rechte sind unabdingbar für eine moderne, offene und gerechte Gesellschaft! Dazu gehört auch die Öffnung der Ehe. Ein anderer zentraler Punkt ist die Energiewende. Wir machen die Energiewende sauber, sicher und sozial. Momentan sind zu viele Unternehmen von der EEG-Umlage ausgenommen. Dadurch ist das Kostenverhältnis in eine Schieflage geraten, wir bringen das wieder ins Lot. Denn scheitert die Energiewende, verlieren wir Arbeitsplätze und Technologie für die Zukunft.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Schneider.


Dieser Artikel ist Teil der Serie »Wahl 2013: Abgeordnete empfehlen«

  1. Das Ende einer Befragung (20. September 2013)
  2. MdB Johannes Vogel sagt: "Politische Geisterfahrerei" (20. September 2013)
  3. MdB Dr. Kirsten Tackmann sagt: "Selbstbewusstsein reduzieren" (19. September 2013)
  4. MdB Ute Vogt sagt: "Plötzlich nutzlos" (18. September 2013)
  5. MdB Marco Bülow sagt: "Transparenter Abgeordneter" (18. September 2013)
  6. MdB Josip Juratovic sagt: "Mies und ungerecht" (18. September 2013)
  7. MdB Dr. Valerie Wilms sagt: "Fortbestand der Chaos-Truppe" (17. September 2013)
  8. MdB Kathrin Vogler sagt: "Friedliche Konfliktlösungen" (17. September 2013)
  9. MdB Johanna Voß sagt: "Commons befördern" (17. September 2013)
  10. MdB Christian Hirte sagt: "Politik lebt nicht nur von Visionen" (16. September 2013)
  11. MdB Jimmy Schulz sagt: "Wettbewerb um die klügsten Köpfe" (16. September 2013)
  12. MdB Matthias W. Birkwald sagt: "Mit 40 angeblich zu alt" (16. September 2013)
  13. MdB Martin Dörmann sagt: "Thema Syrien" (13. September 2013)
  14. MdB Rainer Arnold sagt: "Rückrat der deutschen Wirtschaft" (13. September 2013)
  15. MdB Brigitte Zypries sagt: "Einem Mann versprochen" (13. September 2013)
  16. MdB Hans-Christian Ströbele sagt: "Die größte Anerkennung" (12. September 2013)
  17. MdB Gabriele Molitor sagt: "Neue Kommunikationswege im Internet" (12. September 2013)
  18. MdB Frank Tempel sagt: "Abkehr von der Drogenprohibition" (12. September 2013)
  19. MdB Waltraud Wolff sagt: "Branchenbezogene Ausbildungsfonds" (11. September 2013)
  20. MdB Sabine Zimmermann sagt: "Zahl der Nichtwähler" (11. September 2013)
  21. MdB Dr. Hermann Otto Solms sagt: "Verwirklichung des Aufstiegversprechens" (11. September 2013)
  22. MdB Ulrich Schneider sagt: "Wir bringen das wieder ins Lot" (10. September 2013)
  23. MdB Rudolf Henke sagt: "Wie nach einem Work-Out" (10. September 2013)
  24. MdB Gabriele Hiller-Ohm sagt: "Prekäre Arbeit überwinden" (10. September 2013)
  25. MdB Uwe Beckmeyer sagt: „Auf mich trifft das nicht zu“ (9. September 2013)
  26. MdB Antje Tillmann sagt: „Keine Denkverbote“ (9. September 2013)
  27. MdB Carola Stauche sagt: „Meine mangelnde Systemtreue“ (9. September 2013)
  28. MdB Dr. Peter Tauber sagt: "Auf die Städte fixiert" (6. September 2013)
  29. MdB Tabea Rößner sagt: "Erde nur geborgt" (6. September 2013)
  30. MdB Dr. Thomas Feist sagt: "Das Unmögliche möglicher machen" (6. September 2013)
  31. MdB Elisabeth Scharfenberg sagt: "Pflege geht uns alle an" (5. September 2013)
  32. MdB Ingo Wellenreuther sagt: "Zum Wohle unserer Stadt" (5. September 2013)
  33. MdB Kerstin Tack sagt: "Marktwächter mit Klagerechten" (5. September 2013)
  34. MdB Roderich Kiesewetter sagt: "In der Demokratie stecken geblieben" (4. September 2013)
  35. Ursula Groden-Kranich sagt: "Dienstleisterin in der Politik" (4. September 2013)
  36. MdB Tankred Schipanski sagt: "Abrechnung mit linker Politik" (4. September 2013)
  37. MdB Manfred Grund sagt: "Die Noch-Arbeitslosen" (3. September 2013)
  38. MdB Michael Kretschmer sagt: "Wichtig ist, was man macht" (3. September 2013)
  39. MdB Gisela Piltz sagt: "Streite mit Leidenschaft" (3. September 2013)
  40. MdB Jens Ackermann sagt: "Freunde durch Pils" (2. September 2013)
  41. MdB Marco Wanderwitz sagt: "Dringendes Problem" (2. September 2013)
  42. MdB Katja Kipping sagt: "Bessere Löhne und weniger Stress" (2. September 2013)
  43. MdB Stefan Rebmann sagt: "Hochschulen öffnen" (30. August 2013)
  44. MdB Sebastian Blumenthal sagt: "Magnet für kluge Köpfe" (30. August 2013)
  45. MdB Steffen Bilger sagt: "Je innovativer, umso besser" (30. August 2013)
  46. MdB Annette Sawade sagt: "Mit dem Lasso einfangen" (29. August 2013)
  47. MdB Ingbert Liebing sagt: "Mensch wie du und ich" (29. August 2013)
  48. MdB Günter Lach sagt: "Keiner darf verloren gehen" (29. August 2013)
  49. MdB Dr. Martin Burkert sagt: "Leider ist das so" (28. August 2013)
  50. MdB Rainer Erdel sagt: "Bürokratieabbau für die Landwirtschaft" (28. August 2013)
  51. MdB Arfst Wagner sagt: "Eigenlob stinkt" (28. August 2013)
  52. Mdb Ulrich Kelber sagt: "Kurzsichtige Unternehmen" (27. August 2013)
  53. MdB Swen Schulz sagt: "Ausschlafen" (27. August 2013)
  54. MdB Uwe Kekeritz sagt: "Wir drohen abzurutschen" (27. August 2013)
  55. MdB Elvira Drobinski-Weiß sagt: "Unsinniges Betreuungsgeld" (26. August 2013)
  56. MdB Maria Flachsbarth sagt: "Nur mit Kreativität und Schaffenskraft" (26. August 2013)
  57. MdB Horst Meierhofer sagt: "So unprofessionell" (26. August 2013)
  58. MdB Alexander Ulrich sagt: "Ächtung des Krieges" (23. August 2013)
  59. MdB Dr. Michael Meister sagt: "Nichts Verwerfliches" (23. August 2013)
  60. MdB Johannes Selle sagt: "App zur Astronomie" (22. August 2013)
  61. MdB Dirk Niebel sagt: "Krone richten. Weitermachen" (22. August 2013)
  62. MdB Susanne Kieckbusch sagt: "Ungebremst empfehlen" (21. August 2013)
  63. MdB Halina Wawzyniak sagt: "Zu wenig schlaue Frauen" (21. August 2013)
  64. MdB Kai Gehring sagt: "Ungewöhnliche Biografien" (21. August 2013)
  65. MdB Paul Schäfer sagt: "In Würde leben" (21. August 2013)
  66. MdB Dr. Tobias Lindner sagt: "Naja, wie man sich eben fühlt" (20. August 2013)
  67. MdB Stephan Kühn sagt: "Bröselnde Straßendecken" (20. August 2013)
  68. MdB Anette Kramme sagt: "Nicht durch Jammern" (19. August 2013)
  69. MdB Annette Groth sagt: "Im globalen Kasino weiterspielen" (19. August 2013)
  70. MdB Dr. Philipp Murmann sagt: "Kein Berufspolitiker" (19. August 2013)
  71. MdB Sabine Leidig sagt: "Mehr Chancen und weniger Aufwand" (16. August 2013)
  72. MdB Axel Knoerig sagt: "Lieber studieren als Banklehre" (16. August 2013)
  73. MdB Katja Keul sagt: "Das meine ich ernst" (15. August 2013)
  74. MdB Sören Bartol sagt: "Es sportlich sehen" (15. August 2013)
  75. MdB Dr. Petra Sitte sagt: "Kein klar fassbarer Endpunkt" (15. August 2013)
  76. MdB Thomas Gambke sagt: "Mehr als 30 Bewerbungen" (14. August 2013)
  77. MdB Dr. Dagmar Enkelmann sagt: "Bodenständiges Brandenburger Gewächs" (14. August 2013)
  78. MdB Dr. Stefan Ruppert sagt: "Zukunft nicht verbauen" (13. August 2013)
  79. MdB Wolfgang Bosbach sagt: "Fachkräftemangel? Mein 1. FC Köln" (13. August 2013)
  80. MdB Nicole Bracht-Bendt sagt: "Keine Frau auf dem Posten" (12. August 2013)
  81. MdB Rolf Koschorrek sagt: "Gute Idee" (9. August 2013)
  82. MdB Gerhard Schick sagt: "Geldwäsche der Mafia" (9. August 2013)
  83. MdB Willi Brase sagt: "Die Jugend ist unsere Zukunft" (8. August 2013)
  84. ... aus dem Büro des Abgeordneten (7. August 2013)